Roadster im Rennfieber

Alfa Spider – Audi TT – BMW Z4 – Mercedes SLK – Opel GT Alfa Spider – Audi TT – BMW Z4 – Mercedes SLK – Opel GT

Roadster auf der Rennstrecke

— 21.06.2007

Fünf Freuden sollt ihr sein

Auf den ersten Blick sehen Alfa Spider, Mercedes SLK, Audi TT, BMW Z4 und Opel GT alle recht sportlich und selbstbewusst aus. Doch spätestens auf der Rennstrecke trennt sich die Spreu vom Weizen. So war es auch dieses Mal. Wenn auch völlig anders als von uns erwartet.

Noch vor einigen Jahren stand das Offenfahren in erster Linie für entspanntes Cruisen. War so nie unser Ding, denn die AUTO BILD SPORTSCARS-Redaktion gehört eher zur frisurenverachtenden Sauschnell-und-luftig-Fraktion. Eigenwillige Skulpturen entstehen da oft, wenn der Fahrtwind bei 250 oder mehr das Haupthaar umspielt wie ein Bullterrier das Stubenküken oder die Augenbrauen zu Dreadlocks zusammenzwirbelt. Heute gehört ein Windschott zum guten Ton, ein annähernd zugfreier Innenraum bei geschlossenen Scheiben erlaubt auch weniger hartgesottenen Naturen das offene Fahrvergnügen bei Autobahntempo. Und das ist eine der leichtesten Übungen aller fünf getesteten Roadster: Der allradgetriebene Alfa Spider, ein rassig gezeichneter Italiener mit grimmigen Blick, ist immerhin für 240 km/h gut. Auf 250 km/h bringt es der ebenfalls allradgetriebene TT Roadster, der in seiner aktuellen Ausgabe endlich zeigen will, dass in ihm auch ein richtiger Sportwagen steckt. Der BMW Z4 lebt in puncto Sportlichkeit von seinem guten Ruf und erreicht 250 km/h. Ebenso wie sein direkter Konkurrent SLK 350, der in seiner jüngsten Prägung ebenfalls auf sportliche Ausrichtung setzt. Last but not least der mit langer Schnauze im klassischen Roadstertrimm daherkommende Opel GT: Er erreicht 229 km/h und verzichtet als Einziger auf ein Windschott.

Vier V6 gegen einen aufgeladenen Vierzylinder

Doch das ist nicht die einzige Alleinstellung des aufsehenerregenden Opel GT, der auf einen aufgeladenen Vierzylinder setzt und aus zwei Liter Hubraum 264 PS schöpft. Die vier anderen gehen etwas mehr in die Vollen und bieten V6-Motoren mit 3,2 (Alfa, Audi) bis 3,5 Liter Hubraum (Mercedes), was für 250 (TT) bis 272 PS (SLK) ausreicht. Der BMW Roadster setzt auf den bekannten Reihensechszylinder mit drei Liter Hubraum und 265 PS. Bevor wir die fünf Kontrahenten über die Rennstrecke in Oschersleben scheuchen, ein paar alltagsrelevante Dinge. Wer sich auf den schnittigen Alfa einschießt, sollte mit der typischen, sehr hohen Sitzposition und der leicht froschartigen Haltung keine Probleme haben. Für schnelle Kurven fehlt der Seitenhalt, bei langen Strecken kann die zu kurze Oberschenkelauflage unbequem auffallen. An den doppelten Griff zum Anlassen (erst Schlüssel einstecken, dann Startknopf drücken) muss man sich gewöhnen, die eher schlicht gehaltenen Armaturen neigen zu Reflexionen. Aus ganz anderem Holz geschnitzt präsentiert sich der TT Roadster. Schnell ist über Lenkrad und Sitzverstellung eine perfekte Sitzposition gefunden, das sportlich geformte Gestühl bietet sehr guten Halt und ist auch noch bequem. Im Gegensatz zum Alfa sitzt man hier sehr tief, was die Rundumsicht erschwert. Doch dafür entschädigt ein Blick auf den schönen Drehzahlmesser mit großen Ziffern. Das unten abgeflachte Lenkrad buchen wir ab unter modischer Zierrat.

Die Bewertung der Inmnenräume bleibt jedem selbst überlassen

... baten die fünf Konkurrenten mit Leistungen zwischen 250 und 272 PS zum Kräftemessen nach Oschersleben.

Einigermaßen eng geht es im BMW Z4 Roadster zu. Auch hier sitzt man recht tief und blickt nur mit Mühe über die lange Fronthaube. Dafür geben sich die Sitze kaum eine Blöße, nur eine perfekte Sitzposition will sich nicht so recht finden lassen. Zudem könnte der Seitenhalt besser sein. Das Innenleben des Z4 ist ansonsten eher unaufgeregt bis langweilig. Das extrem dicke Lenkrad muss man mögen – oder entsprechend große Hände haben. Zumindest wirkt es – im Stand – ähnlich sportlich wie der unten abgeflachte Audi-Volant. Einen völlig anderen ersten Eindruck hinterlässt der SLK mit seinem fast riesigen Lenkrad. Aber von Mercedes ist man ja eher entspanntes Autobahnfahren gewöhnt als sportlichen Purismus. Doch schon ein direkter Vergleich mit den Sitzen im BMW entlarvt das Vorurteil: Der Benz hat sportlichere und gleichzeitig bequemere Sitze als sein Münchener Konkurrent. Und verfügt darüber hinaus über schön gezeichnete Armaturen und eine tolle Verarbeitung.

Wer sich in die weichen Polster des Opel GT fallen lässt, denkt sofort: typisch Ami. Auch die Innengestaltung des von außen so schnieke erscheinenden Opel erscheint vergleichsweise hemdsärmelig. Hartes Plastik, bis auf das farbige Lenkrad ein schmuckloses Interieur – dazu nervt die schwer erreichbare Sitzlehnenverstellung. Auf Dauer wird man auch die schlicht nicht vorhandenen Ablagen vermissen. Doch bei aller Schelte punktet der GT mit einem äußerst gewichtigen Argument: Mit 30.675 Euro liegt er preislich mehr als 10.000 Euro unter der Konkurrenz. Doch was zählt ist aufm Platz – und jetzt kommt AUTO BILD SPORTSCARS-Testfahrer Dierk Möller-Sonntag ins Spiel. Im Alfa sitzt auch Dierk nicht besonders, beklagt zudem den zwar durchzugsstarken, aber nicht sehr drehfreudigen Motor, der sich bei mittleren Drehzahlen am wohlsten fühlt. Und die lauten Verdeckgeräusche. Doch das ist alles Vorgeplänkel. Unter sportlichen Aspekten ist das Beste, was man über das Fahrverhalten des Spider sagen kann: Er ist sehr sicher und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Das ärgert allerdings den ambitionierten Fahrer, der ein leicht mitlenkendes Heck beim Kurvenräubern nutzt. Die Lenkung, die kaum ein Gefühl vermittelt, trägt auch nicht gerade zu guten Rundenzeiten bei. Am Schluss verliert der schwere Alfa rund sieben Sekunden pro Runde – ein Racer ist er nicht.

Die Wahrheit liegt (wie immer) auf der Rennstrecke

Die Stunde der Wahlheit: Trotz des zahlenmäßig unterlegenen Motors (vier statt sechs Zylinder)konnte der Opel GT auf der Rennstrecke überzeugen.

Der Audi hält schon eher, was sein heiser klingender Motor verspricht. Seine Lenkung agiert sehr feinfühlig, er lenkt präzise ein und meldet viel zurück. Zwar wird das Heck beim Anbremsen leicht und zuckt nach vorn, doch in einen instabilen Fahrzustand ist der allradgetriebene TT nur mit roher Gewalt zu bekommen. Hervorragend feinfühlig und nicht zu rigide agiert das ESP. Rang drei bei den Rundenzeiten. Wir wechseln in den Z4, der als Favorit gehandelt wird. Aber schon nach wenigen Runden steht fest: Der Z4 ist tückisch im Grenzbereich und wechselt vom Unter- zum Übersteuern ohne großen Ansatz. Auch bei Lastwechselsituationen kommt der Z4 schnell an seine Grenzen: "Zum Driften eignet sich der Z4 sehr gut. Ohne eingeschaltetes ESP ist er für den Normalfahrer aber kaum beherrschbar", befindet Dierk. Wozu auch die sehr gefühllose und überhaupt nicht mitteilsame Lenkung erheblich beiträgt. Und so landet der BMW überraschend nur auf dem vierten Platz. Dann nimmt sich Dierk den SLK vor. Nach einigen Runden sein Resümee: "Der Motor ist absolut bissig und drehfreudig – eine Wonne. Zudem lenkt er präzise ein, bleibt sehr lange Zeit neutral und bietet guten Grip an der Vorderachse." Vor allem schätzt er, dass der Benz frei von bösen Überraschungen ist. Sein Fazit: "Mit diesem SLK übernimmt Mercedes den sportlichen Part, den man eigentlich vom Z4 Roadster erwarten würde. Für mich ein Rollentausch." Dann brennt der SLK auch noch Bestzeit in den Asphalt.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ralf Kund

Nach den ersten Runden mit dem GT hatte den Opel eigentlich niemand mehr als ernsthaften Rundkurs-Gegner auf der Rechnung. Doch trotz seiner völlig gefühllosen, indirekten und zu leichtgängigen Lenkung und dem etwas verzögert ansprechenden Turbomotor ist Dierk sehr schnell unterwegs. Sauschnell, um genau zu sein: Der sehr gutmütig abgestimmte GT fährt der Konkurrenz – außer dem SLK – davon und landet bei den Rundenzeiten auf Rang 2. Angesichts des günstigen Preises reicht das auch gesamt für Platz 2. Manchmal lohnt es sich eben, mindestens zweimal hinzusehen. Den gesamten Vergleich mit allen technischen Daten, den Fahrleistungen und den Rundenzeiten in Oschersleben können Sie hier als PDF herunterladen. 

Autor: Ralf Kund

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