Roadtrip mit dem Shelby GT-H
— 14.11.2006Pferdchen, komm bald wieder
Ein besonderer Urlaub erfordert ein besonderes Mietauto: USA-Trip im Mustang Shelby GT-H. autobild.de-Volontär Boris Pieritz hat sich diesen Spaß gegönnt. Vier Tage Kalifornien im Muscle-Car von Hertz.
Ein limitiertes Vergnügen
Los Angeles Airport, 21. Oktober, 19.03 Uhr. Da steht er vor mir, der schwarz-goldene Ford-Schönling aus dem Tuning-Haus Shelby in Las Vegas. Ich sehe ihn und sage: Den will ich fahren. Und zwar sofort! Die Sonderserie GT-H (H steht für den Autovermieter Hertz) ist eine Neuauflage des "Rent a Racer"-Programms aus dem Jahre 1966, als Hertz und Shelby einen Mustang GT 350 auf die Mietwagen-Kundschaft losließen.Doch bevor es losgeht, erfolgt der übliche Check auf Kratzer und Dellen mit einer Hertz-Angestellten. Beim Rundgang um das Auto fallen mir sofort die zwei Oberarm-dicken Auspuffrohre auf, die fettesten Sound vermuten lassen. Genau deshalb bin ich hier. Ich will Fahrspaß – gepaart mit ganz viel Lärm! "Viel Vergnügen, das ist ein cooles Auto", verabschiedet sich die Hertz-Dame und lässt mich mit dem Hengst alleine.
Ich stecke den Schlüssel ins Zündschloss und drehe ihn um. Was für ein Sound! Der Shelby röhrt zum ersten Mal für mich. Gänsehaut pur! Schade nur, dass ich jetzt am hektischen und lauten Los Angeles Airport und nicht in meinem stillen, beschaulichen Hamburg-Eppendorf stehe. Heimische Fahrer von Porsche, Ferrari und Co würden bei diesem satten Geblubber große Ohren machen.
Die Strecke vom Flughafen zu meiner Unterkunft ist wenig befahren – der Mustang hat freie Fahrt. Sein 4,6-Liter-V8-Aggregat macht richtig Laune. Das Tuning-Power-Paket liefert dank geändertem Einlass-System und Sportauspuff 25 PS und zehn Newtonmeter zusätzlich gegenüber dem Werks-Mustang GT. Leider kann ich es nicht voll auskosten – bei einem Tempolimit von 75 Meilen in Kalifornien. Während der nächsten Tage locken der Pacific Coast Highway, unzählige Serpentinenstraßen im Hinterland und die Mojave-Wüste zu traumhaften Ausritten. Der Shelby singt mir sein schönes, röhrendes Liedchen, aus den Boxen trällern Johnny Cash, Willie Nelson und Garth Brooks. Die Sonne scheint, der Pazifik glitzert, blutrote Bougainvilleas schmücken den Straßenrand – Cruisen kann kaum schöner sein.
Muskelschau in Beverly Hills
Zudem ist mein Pferdchen ein echter Hingucker. Selbst in Beverly Hills oder Bel Air, wo unzählige Edelkarossen nahezu die Sicht auf den Asphalt verdecken, errege ich mit meinem Ford großes Aufsehen. Der Fahrer eines Gallardo Spyder begrüßt mich an einer roten Ampel mit einem erregten "Wow, what a nice car!" Der Besitzer eines Porsche Carrera GT ruft mir aus seinem Flitzer anerkennend "Not bad!" zu.Der GT-H ist ein seltener Gast auf kalifornischen Straßen; kein Wunder bei nur 500 produzierten Fahrzeugen insgesamt. Schade, dass dieser Spaßbringer schon jetzt nach und nach aus der Hertz-Flotte genommen wird. "Unsere Mietwagen werden generell nach einem gewissen Zeitraum ausgetauscht. Die ersten 500 GT-H werden jetzt ausgewählten Ford-Händlern zum Kauf angeboten. Die Kult-Autos können dann von Privatpersonen erworben werben," erklärt mir Hertz auf Anfrage. Wohl dem, der einen ergattert.
Los Angeles Airport, 28. Oktober, 17.22 Uhr. Zeit für meinen Rückflug nach Hamburg. Da wartet dann kein Shelby GT-H, sondern mein treuer alter Volvo V40 auf mich. Ich kann also nur hoffen, dass Hertz und Shelby vielleicht doch länger an ihrem gemeinsamen Mustang-Projekt festhalten. Irgendwann werde ich wieder in die USA fliegen, und dann würde ich gern wieder dem Miet-Hengst die Sporen geben.





































