Rothe/Sportec/Wolf/TJ: Vergleich

Rothe Golf R 20 Sportec RS 555 TJ 1er Coupé 5.0 V10

Rothe Golf, Sportec A3, Wolf Focus, TJ 1er: Tuning

— 10.02.2014

Krasse Kompakte mit 500 PS!

Sie sind wild, sie sind laut, sie sind extrem – jeder von ihnen leistet über 500 PS. Doch welcher Über-Kompakte holt sich den Klassensieg und die schnellste Runde am Sachsenring? Bahn frei!

Weder unpassende Außentemperaturen, noch falscher Luftdruck oder eine unvollkommene Abstimmungen gelten mehr als Ausrede. Diese Probanden sind fertig, austariert bis ins kleinste Detail; das Wetter ist optimal, die Tester sind hochmotiviert. Hier und heute geht es um alles oder nichts, Sieg oder Sibirien, oder, in der SPORTSCARS-Sprache, um die Krone der Kompaktklasse. Wovon wir reden? Von über 500 PS Leistung und maximaler Performance in Audi RS 3, BMW 1er Coupé, Ford Focus RS und VW Golf R. Von Haus aus sind diese vier schon echte Knaller, doch die Tuner haben mit allen erdenklichen und erlaubten Mitteln nachgeheizt. Rothe Motorsport schickt seinen Breitbau-Golf mit 501 PS ins Rennen, Sportec hält mit einem 555 PS starken RS 555 dagegen, TJ- Fahrzeugdesign hofft auf die V10-Power seines 520 PS starken 1ers, und Wolf will mit seinem 512-PS- Allrad-Umbau auftrumpfen. Alle Autos mit über 500 PS, alle vier auf Sportreifen, Leistungsgewicht zwischen 2,8 und 3,1 Kilo pro PS – es kann losgehen. Dieser Vergleich beginnt nicht wie üblich mit dem Blick in die Datenblätter – diesmal rollen wir die Geschichte von hinten auf. Und zwar mit der Rennstrecke. Denn dafür wurden diese vier Kandidaten abgerichtet, die Fans interessieren sich mehr für Rundenzeiten als Verbräuche und Newtonmeter. Sachsenring, 14 Uhr, 16 Grad, Sonnenschein.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Dieser Golf rennt schneller um den Ring als ein Mercedes SLS AMG Black Series oder ein Porsche 911 GT2 RS.

Rothe Golf R 20 Der Golf R – optisch brachial – tritt als Erster in den Ring. Breitbeinig rollt sich der schwarze VW warm. Trotz leer geräumtem Innenraum deutet noch nicht viel auf die 501 PS hin. Geschaltet wird per umgearbeitetem DSG. Die Dunlop-Direzza-Semislicks sind nach zwei Runden betriebswarm, jetzt gilt's. Ah, der Golf hat ja doch richtig Stimme. Was beim Einrollen bei unter 3000 Touren noch verhalten klang, ist nun bei Drehzahlen bis knapp 8000 ein wahrer Hörgenuss. Verantwortlich zeichnet die klappengesteuerte Sportauspuffanlage. Bei jedem Schaltwippen-Zupfer knallt es am Heck. Dazu scheppert und brüllt es im Innenraum mangels Dämmung wie im Rennwagen.

Sportec schickt 1,6 Tonnen-Audi ins Rennen

2,3 Sekunden schneller als die Serie für über 70.000 Euro? Viel Geld, trotzdem macht der RS 555 viel Spaß!

Sportec RS 555 Der matt folierte, rote Audi des Schweizer Tuner Sportec geht als Nächster auf die Zeitenjagd. Und der hat es nicht weniger faustdick unterm Blech als der Rothe Golf. Doch hier kann man sich auf der schnellen Runde noch mit Musik und Heizung verwöhnen lassen und, wenn es sein muss, sogar Passagiere mitnehmen. Doch auf der Bestzeitenjagd bleiben Mitfahrer draußen, der Testwagen ist mit 1,6 Tonnen ohnehin der Schwerste im Vergleich. ESP off, Schaltung auf manuell, Haldex auf Race. Haldex? Ja, richtig gelesen. Im RS 555 ist eine elektronisch einstellbare Haldex-Lamellenkupplung verbaut (verteilt automatisch die Antriebskräfte auf Vorder- und Hinterachse). Per Tastendruck kann man zwischen Eco (wie Serie) und Race (Kupplung maximal gesperrt, mehr Kraft auf der Hinterachse, schnellere Schaltzeiten) wählen. Die Michelin-Pilot-Sport-Cup-Gummis sind genauso aufgewärmt wie die sündhaft teure Sportbremsanlage. Mal schauen, ob sich die Investitionen lohnen.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Dieser V10-1er ist nur so schnell wie das 440 PS starke Dieselspeed 1er M Coupé auf Straßenreifen. Schade!

TJ 1er Coupé 5.0 V10 Kann der potente 1er näher an den VW heranfahren? Die Zutaten machen gespannt: Gewaltiger Zehnzylinder aus dem letzten M5, die Bremse vom aktuellen sowie Pirelli-Sportreifen sollten für eine gute Zeit sorgen. Doch schon beim Warmfahren regen sich Zweifel. Die Lenkung agiert schwergängig, der Wagen lässt sich nicht fein genug dirigieren. Grund: Die hydraulische Lenkeinheit musste bei der Aggregat-Transplantation aus dem M5 mit übernommen werden. Das Teil harmoniert aber rein gar nicht mit der Elektronik des 1ers. Für einen Hecktriebler mit Übersteuer-Sucht braucht man aber viel Rückmeldung im Volant.
Technische Daten Rothe Sportec TJ Wolf
Motor R4, Turbo R5, Turbo V10 R5, Turbo
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn längs vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1984 cm3 2480 cm3 4999 cm3 2521 cm3
Bohrung x Hub 82,5 x 92,8 mm 82,5 x 92,8 mm 92,0 x 75,2 mm 83,0 x 93,2 mm
Verdichtung 8,0 : 1 10,0 : 1 12,0 : 1 8,5 : 1
kW (PS) bei 1/min 369 (501)/7700 408 (555)/6600 382 (520)/7750 376 (512)/3650
Literleistung 253 PS/l 224 PS/l 104 PS/l 203 PS/l
Nm bei 1/min 602/3850 650/3800 520/6100 627/3650
Antriebsart Allrad Allrad Hinterrad Allrad
Getriebe 6-Gang-Doppelkupplung 7-Gang-Doppelkupplung 7-Gang sequenziell 6-Gang manuell
Bremsen vorn 370 mm/innenbel./gelocht 396 mm/innenbel./gelocht 400 mm/innenbel./gelocht 365 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 310 mm/innenbel./gelocht 342 mm/innenbel./gelocht 350 mm/innenbel./gelocht 302 mm
Radgröße vorn – hinten 10,5 x 18 8,5 x 19 9 x 19 – 10 x 19 8,5 x 19
Reifengröße vorn – hinten 265/35 R 18 235/35 R 19255/35 R19 – 285/30 R 19 255/35 R19 – 285/30 R 19 235/35 R 19
Reifentyp Dunlop Direzza 03 G Michelin Pilot Sport Cup Pirelli P Zero Corsa (MO) Pirelli P Zero Trofeo R
Länge/Breite/Höhe 4214/1986/1411 mm 4302/1794/1377 mm 4380/1803/1380 mm 4402/1842/1458 mm
Radstand 2578 mm 2578 mm 2660 mm 2658 mm
Tankvolumen 60 l 60 l 53 l 75 l

207 Zusatz-PS, Allradantrieb und Sportreifen bringen vier Sekunden Vorsprung auf einen Serien-Focus RS.

Wolf Focus RS 500 Dem knallgelben RS 500 als Letztem in der Boxengasse kribbelt's in allen vieren. Wolf hat den Allradantrieb aus dem Ford Kuga in den Focus verpflanzt und erhofft sich zusammen mit den Pirelli-P-Zero-Trofeo-R-Pneus eine Toprundenzeit. Die Sitzposition ist im Vergleich zu den anderen drei Boliden etwas zu hoch, das Lenkrad liegt nicht perfekt in der Hand. Doch das sind Werksmarotten. Auf die Kappe des Tuners geht dagegen der Fünfzylinder mit 512 statt 350 PS. Schnaubend und zischend sorgt der Turbomotor schon beim Einrollen für breites Grinsen im Cockpit. Die italienischen Gummis und das Triebwerk sind warm, Vollgas. Wir sind gespannt, wie er sich schlägt.

Rothe Golf R 20/Sportec RS 555/Wolf Focus RS 500 Allrad/TJ 1er Coupé 5.0 V10

Vergleichstest Rothe Sportec Wolf TJ Rothe Golf R 20 Sportec RS 555

Bunte Hunde

Der vollständige Artikel ist ab sofort in unserem Online-Heftarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.
Audi Sportec A3 RS 555, BMW TJ 1er Coupé 5.0 V10, VW Rothe Golf R 20, Ford Wold Focus RS 500 Allrad

Veröffentlicht:

17.01.2014

Preis:

2,00 €


Autor:

Guido Naumann

Fazit

Bekannt wie bunte Hunde sind sie alle, spätestens nach diesem Test. Der Golf beeindruckt mit seinem Auftritt genauso wie mit seinen Zeiten. Der RS 3 zeigt, dass auch ein Fünftürer schnell sein kann. TJs 1er begeistert mit herrlichem Zehnzylinder-Sound, und Wolf baut den Allrader, den Ford sich nie traute. Am Ende gewinnt der Rothe Golf knapp, trotz null Punkten im Alltag. Rundenzeit und Fahrleistungen sprechen für sich. Sportec ist in fast jeder Disziplin top und sauschnell, verliert den Sieg nur über den Preis. Der Wolf Focus beschleunigt nicht so vehement wie die anderen, ist aber um Welten schneller als die Serie. Der TJ 1er ist eine interessante Idee, die in der Praxis aber nicht so gut funktioniert, wie sie in der Theorie klingt.

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