Rover MGF (1995-2002)

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Rover MGF (1995-2002)

— 25.02.2002

Nur die Liebe zählt

Kluge Köpfe kaufen Roadster im Winter - aber der günstige Rover MGF bleibt zu jeder Jahreszeit eine Bauchentscheidung.

Karosserie und Technik

Welch ein Name – MG. Das ist britische Roadsterkultur vom Feinsten. Gleiches dachten sich wohl auch die Rover-Strategen, als sie vor fast fünf Jahren den aktuellen Vertreter MGF der Öffentlichkeit präsentierten. Aber eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und ein Name keinen Sportwagen. Mittelmotor, die hakelige Schaltung und tückisches Kurvenverhalten wollen nicht so recht zum Enkel des legendären MGB passen. Doch auf der Strandpromenade macht der Brite eine gute Figur, oder?

Unser zweijähriger Testfreund, im Alltag von Frauenhand bewegt, ist natürlich im Lack noch allererste Sahne. Dank verzinkter Bleche wird sich daran auch in den kommenden Jahren wenig ändern. Doch muss er seine Kotflügel so schief tragen? Krumm ist auch die Scheibenführung, am Rand sind derbe Kratzer im Glas. Falsch eingestellte Scheiben sind eine typische MG-Marotte und schwer abzustellen. Selbst Rover-Mechaniker brauchen zur Justierung eine gute Stunde.

Ein notwendiges Übel, denn Wassereinbrüche an beiden Seitenfenstern sind nicht selten. Bis 96 war auch die Verdeckdichtung nicht immer fehlerfrei. Eine Regenrinne fehlt bis heute – wer nach einem Waschstraßenbesuch die Tür öffnet, dem tropft das Ablaufwasser vom Verdeck auf die sonst ganz passablen Sportsitze. Auch die Chromblenden der Schweller unseres "Brooklands"-Modell schienen darunter zu leiden und zeigten hässliche Rostflecken. Streikende Fensterheber gehören ebenfalls zum Repertoire des Engländers: Zwar arbeitet die Elektrik störungsfrei, aber die Plastikteile des Fensteranschlags brechen leicht ab.

Motor und Fahrwerk

Insgesamt erweist sich der Rover qualitativ als großzügig: Verdeckgestänge und Mittelkonsole neigen zu Knarrgeräuschen, der Kondenswasserablauf der Klimaanlage verstopft (und überschwemmt den Beifahrerfußraum), vereinzelt werden die Außenspiegel durch den Fahrtwind nach innen geklappt. Darüber schmunzeln alte MGler natürlich und nehmen diese Kleinigkeiten mit britischem Humor. Würden wir auch gerne, wenn denn wenigstens der Motor richtig Spaß machen würde. Tut er aber nur bedingt, trotz seiner 120 Pferdestärken. Na ja, das Triebwerk stammt ursprünglich aus dem Jahr 89.

Spritziger geht es zwar mit der VVC-Variante (145 PS) und variabler Ventilsteuerung. Doch ganz sorgenfrei soll das Rover-Patent nicht sein. Ein AUTO BILD-Lesertester beklagt zudem einen kapitalen Zahnriemen-Motorschaden nach einem Jahr und 13.000 Kilometern. Das Mittelmotorprinzip (Albtraum für Mechaniker) sorgt außerdem für ein kniffliges Fahrverhalten im Grenzbereich von neutral bis übersteuernd zum urplötzlichen Untersteuern. Die Sondermodelle rollen dazu auf so breiten Pneus (215/40/16), dass beim scharfen Einschlagen die Reifen in den Radhäusern schaben. MG-Fahrer bemerken darüber hinaus übermäßigen Profilabrieb an den Reifeninnenseiten durch die schwierig einzustellende Spur.

Nicht abzustellen sind auch Probleme mit dem Faltverdeck. Das Schließen ist eine fummelige Angelegenheit (fast eine Minute im AUTO BILD-Test, Heft 14/99). Am Fotomodell saß der Stoff sehr stramm, Risse auf den teilweise scharfen Blechkanten waren die Folge. Scheuerstellen gibt es vor allem an den Scharnieren der letzten Dachstrebe. Fazit: Der neue MGF erinnert an alte MG – wenn auch mehr in den kleinen Schwächen. Für wahre Roadster-Freunde kein Liebeshindernis – zumal er letzte Zweifel mit Freundschaftspreisen beseitigt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 3/95 Weltpremiere des Roadsters auf dem Genfer Salon. Zwei Motoren: 1.8i mit 120 PS und 1.8i VVC (Variable Valve Control - variable Nockenwellensteuerung) mit 145 PS 1/96 Markteinführung in Deutschland. Serie: Fahrerairbag, ABS, Alarmanlage, Alu, elektrische Fensterheber, ZV. Basis ab 39.990 Mark 4/98 Sondermodell "Brooklands" in Grün (Verdeck beige) mit Lederausstattung, Kühlergrill und Lufteinlässe in Edelstahl 5/99 Jubiläumsmodell (75 Jahre MG) "75 Limited Edition" in Silber (Verdeck rot), Nummernplakette (600 Stück in Deutschland) 3/02 Modellablösung durch MG TF

Schwachstellen • Verarbeitung mit qualitativen Schwächen. Bekannt sind Knarrgeräusche an der Mittelkonsole, schlechte Spaltmaße der Kotflügel, scharfkantiges Verdeckgestänge. Sicken im Schweller wie früher beim Karmann Ghia können im Alter zu Rostnestern werden • Reifenprofilabnutzung ist an der Innenseite meist höher als außen. Grund: Vermutlich verändert sich der Sturz, wenn sich die Hydragas-Federelemente unter Sonneneinstrahlung ausdehnen • Seitenscheiben sind einstellungsbedürftig, sonst droht Wassereinbruch (bei jedem Wechsel vom Hardtop auf Verdeck und umgekehrt) • Rückruf wegen neuer Sicherheitsgurt-Führungsblende (Bj. 95-98)

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Rover MGF 1.8i, 88 kW/120 PS, Baujahr 97. Vor allem Nebenaggregate kosten viel Geld, weil der Mittelmotor enorme Arbeitszeit bedeutet. So verteuert sich die Wasserpumpe ums Dreifache.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der MGF hat viele Stärken: Der günstige Preis, die standfesten Bremsen und gute Rostvorsorge gehören dazu. Fast alle Prüfkandidaten bestehen unsere Hauptuntersuchung mit der Note "gut". Nur an der Elektrik sind gelegentlich Mängel festzustellen. Und wie bei jedem Cabrio sollten Käufer das Verdeck kritisch prüfen. Der Rest ist Geschmackssache. Doch echte Roadster-Fans kann der kleine Kofferraum, die eng liegende Pedalerie, der laute Motor oder das kritische Fahrverhalten im Grenzbereich nicht schrecken." Gunnar Dahm, Kfz-Sachverständiger, TÜV Rheinland

Modellempfehlung MGF 1.8i (88kW/120 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 180 Mark/D3 Testverbrauch: innerorts 10,2 Liter, außerorts 5,7 Liter, Schnitt 7,4 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (27/1000 Mark SB): 3520 Mark, Teilkasko (34/300 Mark SB): 748 Mark. Haftpflicht (14): 1370 Mark (Basis: Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent Einstufung) Inspektion/Kosten: alle 20.000 Kilometer, etwa 350 bis 550 Mark Wertverlust: Zweijährige verlieren rund 30 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich ungefähr 3000 Mark Verlust

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