Rückgang im Luxussegment

Wachstumsschwund bei Premium-Autos

Rückgang im Luxussegment

— 23.09.2002

Wachstumsschwund bei Premium-Autos

Die Schwäche der Automobilindustrie trifft nun auch die bislang so konjunkturresistenten Premiumhersteller.

Luxus ist weniger gefragt

Nach einem überdurchschnittlichen Wachstum in den vergangenen Jahren ist im ersten Halbjahr 2002 eine Stagnation der weltweiten Verkäufe von Edel- und Luxusautos festzustellen, sagt Professor Willi Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) in Geislingen.

Der weltweite Premiummarkt für Autos stieg von 1996 bis 2001 um mehr als 25 Prozent, doppelt so schnell wie der Massenmarkt. In diesem Jahr dürfte allerdings laut Diez mit einer Stagnation des weltweiten Marktes von rund 6,4 Millionen verkauften Fahrzeugen zu rechnen sein. Ursache dafür sei nach Ansicht des Automobilexperten neben der Vermögensvernichtung durch den Börsencrash auch die Kaufzurückhaltung gewerblicher Kunden aus Großunternehmen und dem Mittelstand, die traditionell wichtige Abnehmergruppen in diesem Segment bildeten.

Die deutschen Hersteller konnten ihre führende Position im Premiummarkt jedoch deutlich von 35 Prozent Mitte der 90er Jahre auf aktuell rund 40 Prozent ausbauen. Bei den Oberklasse-Limousinen liegt der Marktanteil der deutschen Hersteller bei über 80 Prozent. Unterdurchschnittlich ist mit rund 18 Prozent der Marktanteil bei Premium-Geländewagen. Die Gründe für den Erfolg der deutschen Konzerne sieht Diez in der konsequenten und markengerechten Ausdehnung des Modellangebotes, im weiterhin intakten Qualitätsimage sowie in der hohen Innovationsfähigkeit.

Neuzulassungen sinken

In den nächsten Jahren erwartet Diez wieder ein überdurchschnittliches Wachstum in diesem Segment. Dazu trage vor allem das Wachstum außerhalb Westeuropas, Nordamerikas und Japans bei. Auf die Triade entfallen bislang 85 Prozent des Premiumabsatzes. In den vergangenen fünf Jahren seien die Verkäufe vor allem in Südostasien um fast 45 Prozent gestiegen. Diez: "Daher stellt der Ausbau der Marktposition in Südostasien in den nächsten Jahren für alle deutschen Hersteller eine wichtige Herausforderung dar."

Einer Studie des Essener Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Marketing Systems zufolge wird es im Jahr 2050 weniger Neuzulassungen geben, der Bestand an Fahrzeugen höher sein und die Nutzer werden im Durchschnitt deutlich älter sein als heutzutage. Der zu erwartende Bevölkerungsrückgang in Deutschland wird nach Ansicht der Essener in den nächsten 50 Jahren zu einer Abnahme der Pkw-Nachfrage führen. Größere Bedeutung erlangt für die Branche unter Marketinggesichtspunkten dabei die Altersgruppe der über 60-Jährigen, die ihren Anteil an den Neuwagenkäufern ausbauen werden.

Drei Szenarien haben die Marktforscher entwickelt. Das konservative Szenario geht von einer Stagnation der Neuzulassungen pro 1000 Einwohner ab 2010 aus. Beim Szenario "begrenztes Wachstum" steigen die Neuzulassungen pro 1000 Einwohner noch einige Jahre weiter an, um dann auf diesem Stand zu verharren. Das Szenario "unbegrenztes Wachstum" setzt einen linearen Anstieg der Neuzulassungen pro 1000 Einwohner mit einer Dynamik von 2010 voraus. Das Zulassungsmaximum wird je nach Szenario zwischen 2015 und 2025 liegen. Im Jahr 2050 wird die Zahl der Neuzulassungen zwischen 8,5 Prozent unter und knapp ein Prozent über dem heutigen Niveau liegen.

Unabhängig von diesen Szenarien wird der Bestand an Pkw laut Marketing Systems bis 2050 bei 49 bis 54 Millionen Fahrzeugen in Deutschland liegen. Heute sind es 44,4 Millionen Autos. Bei der Pkw-Dichte erwarten die Essener Werte zwischen 685 und 760 Pkw pro 1000 Einwohner. Damit würden knapp 90 Prozent der über 18-Jährigen ein Auto besitzen. Heute sind es 66 Prozent.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.