Rückläufige Zahlen bei Minivans

Vans in der Krise?

Rückläufige Zahlen bei Minivans

— 07.05.2002

Hat der Van-Sinn ein Ende?

Jahrelang fuhren Renault Scénic und Opel Zafira auf der Überholspur bei den Neuzulassungen. Jetzt knicken die Zahlen ein - eine Trendwende?

Fahren Vans in die Krise?

Hat VW den Trend verpasst, wenn Ende des Jahres der erste Wolfsburger Kompakt-Van auf Basis des Golf V an den Start geht? Sinkende Zulassungszahlen und immer neue Nischenmodelle rund um die klassischen Kompakt-Limousinen machen skeptisch. Die Automobil-Analysten der Westdeutschen Landesbank sehen den Van-Markt an seinen Grenzen angekommen. Bei flauem Geschäft - minus vier Prozent Autoverkäufe im ersten Quartal 2002 - trifft es vergleichsweise teuren Vans gleich doppelt.

So gingen im Februar die Zulassungszahlen der bisherigen Klassenbesten dramatisch zurück (Zahlenangaben aus AUTOHAUS online): Opel Zafira (minus 17 Prozent), Renault Sénic (minus zwölf), VW Sharan (minus 18) und Ford Galaxy (minus 13). Das könnte einen schweren Start für den Ende 2002 geplanten und VW-intern MPV genannten Golf-Van bedeuten. Zumal knapp darüber der Sharan im Angebot steht, darunter angeblich über einen Van auf Polo-Basis nachgedacht wird. Der soll gegen den Ford Fiesta-Van Fusion und den Opel Corsa-Van Concept M antreten. Merke: Die Konkurrenz gibt im Van-Segment den Ton an - VW spielt die Melodie meist erst Jahre später mit.

So schwappte die Van-Welle erstmals mit Renault Espace (1984) und Chrysler Voyager (1988) nach Deutschland. Mini-Vans nannten die Amerikaner ihre Familienlaster, zu deutsch etwas umständlich Großraum-Limousinen genannt. Und als der Erfolg nicht mehr zu stoppen war, schoben Peugeot und Fiat samt Konzerngeschwistern 1994 den Euro-Van (806/Ulysse) nach. Erst 1995 folgten VW/Seat und Ford mit dem Trio Sharan/Alhambra und Galaxy.

Der Trend ist ungebrochen

Renault konterte schon ein Jahr später mit dem preiswerteren Scénic, Abkömmling des Mégane und damit dem ersten Kompakt-Van. Opel kam auf Basis der zweiten Astra-Generation 1999 mit dem Zafira. Bleibt da noch Platz für einen zweiten Van von VW? "Der Trend zum Van läuft weiter", so die zuversichtliche Einschätzung von Professor Ferdinand Dudenhöffer, Automobilexperte der Fachhochschule Gelsenkirchen. "Der Van hat sich auf Kosten der klassischen Limousinen-Marktanteile durchgesetzt. Die Van-Konzepte Ford Fusion und Opel Concept M sowie die Studien von Audi (Avantissimo) und Mercedes (GST) zeigen , dass sich der Trend in alle Fahrzeugsegmente ausbreitet."

Vor allem die neuen Kleinwagen-Vans wie der Ford Fusion könnten ein Markterfolg werden. Das britisch-amerikanische Marktforschungsunternehmen DRI-Wefa rechnet im Jahr 2005 bereits mit 500.000 verkauften Exemplaren. Das wäre ein Fünftel des gesamten Kleinwagenmarkts. Auch die Restwert-Experten von EurotaxSchwacke sehen einen positiven Trend im Van-Markt. Trotz der aktuellen Abwärtstendenz am Gebrauchtwagenmarkt sei mit einer Belebung zu rechnen - sprich die Nachfrage und damit die Restwerte für Sharan, Espace und Co. liegen auch künftig auf hohem Niveau. Eine Preisverfall wird nicht erwartet.

Die sinkenden Zulassungszahlen führt Professor Dudenhöffer auf veraltete Modelle und Kaufzurückhaltung vor der Markteinführung neuer Modelle zurück. "Der neue VW wird mit hoher Sicherheit ein Erfolg. Aber er wird zugleich dem klassischen Golf weiter Stückzahlen wegnehmen." Dieser Kannibalisierungseffekt gilt natürlich für die gesamte Golf-Klasse mit allen Konkurrenten. Hier verteilen sich gleichbleibende Stückzahlen auf immer mehr Modelle. Dazu zählen auch die im Trend liegenden SUV-Fahrzeuge wie Toyota RAV 4, die ihrerseits wiederum Käufer im Van-Segment abspenstig machen werden.

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