Rückruf Peugeot 307

Rückruf Peugeot 307

Rückruf Peugeot 307

— 29.06.2005

Die brandheiße Nummer

Feueralarm! Nach dutzenden Brandunfällen ruft Peugeot in Skandinavien den 307 zurück. Aber nicht in Deutschland – bislang.

Rückruf nur in Skandinavien

Wegen Feuergefahr ruft Peugeot in Schweden, Dänemark und Norwegen insgesamt 28.000 Autos zurück. Betroffen ist der 307 mit 1,6- und 2,0-Liter-Benziner bis Produktionsmonat Mai 2003. Brandursache soll ein Kurzschluß an einer Steckverbindung der Servopumpe sein. 23 Feuerunfälle sind bislang bekannt. Zu Personenschäden sei es dabei nicht gekommen, versichert Peugeot. Im schwedischen Katrineholm wäre allerdings fast ein Wohnhaus in Flammen aufgegangen – für 307-Besitzer Micael Jacobsson ein "traumatisches Erlebnis": "Nur weil meine Nachbarn zu Hause waren und Windstille herrschte, ist nicht mehr passiert."

Nachdem der öffentliche Druck zunahm und sich auch die Verkehrssicherheitsbehörde Faerdselsstyrelsen – eine Art dänisches KBA – einschaltete, hat Peugeot nun reagiert: Die betroffenen 307-Halter in Skandinavien werden angeschrieben. Aber auch nur dort. Hierzulande ist kein Rückruf geplant. Begründung Peugeot: Der Kurzschluß am Kabel sei Folge von Korrosion, die bei "verstärkter Verwendung von Streusalz in den langen Wintern Nordeuropas" auftritt. Mit anderen Worten: Deutsche 307-Fahrer, die ihr Auto dem nordfriesischen Küstenklima oder salzreichen bayerischen Wintern aussetzen, gehen leer aus.

Hat Peugeot die Brisanz der rostigen Stecker nicht erkannt? Oder ist das Sicherheitsdenken der Skandinavier einfach ausgeprägter? "Das Risiko ist gering, aber ich würde niemals meine Kinder allein im Auto lassen, solange der Fehler nicht behoben ist", sagte die dänische Peugeot-Sprecherin Janne Bock der Zeitung "Berlingste Tidene". Unterdessen kündigten die Fährlinien DFDS und Samsö Linie an, 307 an Bord besonders streng zu kontrollieren.

Peugeot ist leider kein Einzelfall

Peugeot – kein Einzelfall. Auch andere Hersteller, so scheint es, behandeln deutsche Autofahrer bei Rückrufen wie Kunden zweiter Klasse. • Volkswagen: Als im Winter 2002/2003 Tausende von VW-Alumotoren in Deutschland einfroren, war das Problem dem Konzern seit Jahren bekannt. Bereits Mitte 2000 ließ VW konstruktive Änderungen wie eine beheizte Kurbelgehäuseentlüftung in die Serie einfließen – aber nur auf den nordischen Märkten.

Volvo: Der Rückruf einer Anhängekupplung wurde vom deutschen Importeur erst mit monatelanger Verzögerung umgesetzt. Als die Schlamperei aufflog, versuchte Volvo Deutschland, die Verantwortung aufs Kraftfahrt-Bundesamt abzuwälzen. • Mercedes-Benz: Die Aussetzer der Wunderbremse SBC wurden zunächst in Dänemark bekannt, dort holte man die Autos zuerst in Werkstatt. Am Ende stand – auch wegen anderer Qualitätsprobleme – die größte Nachbesserungsaktion der Firmengeschichte.

Ob die Franzosen mit ihrem Spar-Rückruf auf dem richtigen Weg sind, wird die Zukunft zeigen. Für Juli wurde schon mal ein "Premierenfeuerwerk bei den Peugeot-Partnern" angekündigt. Hoffentlich das einzige, was zündet ...

Autor: Matthias Moetsch

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