Rückzug vom Börsenparkett

Ford findet seine Aktionäre ab

Rückzug vom Börsenparkett

— 15.07.2002

Ford findet seine Aktionäre ab

Die Ford-Werke ziehen sich von der deutschen Börse zurück. Die Aktionäre bekommen 640 Euro Abfindung je Anteilsschein. Und sind zufrieden: Der Kurs stimmt, der Marktanteil steigt.

Kein Grund zum Traurigsein

Die Ford-Werke AG zieht einen Schlussstrich unter ihre Vergangenheit. Die deutsche Tochtergesellschaft des zweitgrößten Automobilkonzerns der Welt, der Ford Motor Company, findet ihre Minderheitsaktionäre mit 640 Euro je Aktie ab und zieht sich von der Börse zurück. Das beschloss der Kölner Autobauer auf der Hauptversammlung. Gleichzeitig bekräftigte der Vorstandsvorsitzende Rolf Zimmermann das Ziel, in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Die wenigen Hundert Anteilseigner im traditionsreichen Gürzenich-Saal bedauerten zwar die Entscheidung des Konzerns, konnten sie aber vor dem Hintergrund des formalen Aufwands und der Kosten für eine Hauptversammlung auch nachvollziehen.

Die Ford Deutschland Holding GmbH verfügte bislang schon über 99,85 Prozent des Grundkapitals. Von den insgesamt 7,2 Mio. Stückaktien befinden sich nur rund 11.000 in Streubesitz. Die Barabfindung wurde von den Aktionären als fair bewertet, nachdem der Kurs in den vergangenen Jahren auch schon unter 200 Euro gelegen hatte. "Der heutige Tag markiert keinen Endpunkt, sondern vielmehr einen weiteren positiven Meilenstein in der erfolgreichen Ford-Geschichte", sagte Zimmermann in seiner Rede. Die Barabfindung und das Delisting, so Zimmermann weiter, stünden für die Realisierung neuer unternehmerischer Chancen und deren effizienter Wahrnehmung. Der Aufwärtstrend der Marke Ford hält nach den Worten Zimmermanns unterdessen weiter an. Im ersten Halbjahr stieg der Marktanteil gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal leicht auf 8,7 Prozent an. Der Gesamtmarkt in Deutschland ging in diesem Zeitraum um vier Prozent zurück.

Im Juni verzeichnete Ford wegen der Einführung des neuen Fiesta einen Marktanteil von 9,6 Prozent in Deutschland. Im vergangenen Jahr lag der Ford-Marktanteil hier zu Lande bei 8,1 Prozent. Für den neuen Fiesta liegen laut Zimmermann 29.000 Bestellungen vor, für das Modell Fusion sind es 3000. Der Ford-Chef kündigte noch für dieses Jahr die Vorstellung des neuen Kompakttransporters Transit Connect und für Anfang 2003 das Debüt des Roadsters StreetKa. "Damit hat Ford allein in 2001 und 2002 bereits 26 Neuheiten präsentiert und ist dem vor zwei Jahren angekündigten Ziel, innerhalb von fünf Jahren 45 neue Modelle und technische Neuerungen auf den Markt zu bringen, bereits sehr nahe gekommen."

Um das weitere Wachstum zu gewährleisten, wird Ford in den nächsten Jahren in das belgische Werk Genk rund 900 Mio. Euro investieren, um die Produktion flexibler zu gestalten und die Qualität zu verbessern. Ford-Chef Zimmermann rechnet im Gesamtautomobilmarkt in diesem Jahr mit 3,15 Millionen Neuzulassungen. "Und der ursprünglich für die zweite Jahreshälfte erwartete Aufschwung wird wohl erst im Jahr 2003 einsetzen", so Zimmermann. Gleichwohl zeigte er sich optimistisch, dass Ford in diesem Jahr zu den Gewinnern im deutschen Automobilmarkt zählen werde.

Bye-bye, Börse/ Kommentar

Jahrelang hielten die meist ehemaligen Ford-Beschäftigten dem Kölner Automobilhersteller, der am 21. Juni 1950 seine erste Hauptversammlung in Köln abhielt und diese mit der Bemerkung "Bilanz sehr flüssig" beendete, die Treue. Sie murrten kaum, obwohl die Dividendenzahlung ausblieb. Sie harrten aus, als der Motor stotterte. Nun aber, da es aufwärts geht, werden sie abgefunden. Dabei geht es dem Kölner Automobilhersteller besser als den meisten seiner Wettbewerber. Die Konjunkturschwäche trifft Ford offenbar kaum. Im Gegenteil: Die Absatzzahlen steigen, der Marktanteil geht rauf, und Gewinne sind wieder in Sichtweite.

Zu verdanken hat die deutsche Tochtergesellschaft des US-Konzerns Ford ihren Erfolg vor allem der frühzeitig erfolgten Restrukturierung der Werke und der Verjüngung der Modellpalette. Die Produktion wurde in den vergangenen Jahren so weit verschlankt und optimiert, dass heute in den meisten Fabriken mehrere Modelle auf einem Band produziert werden können. Das europäische Ford-Produktionssystem dient nun sogar der angeschlagenen amerikanischen Mutter als Vorbild. Hinzu kommt, dass die Kölner mit ihren Modellen viel Fingerspitzengefühl für die Bedürfnisse des Marktes bewiesen haben. Der Ford Focus war in den Jahren 2000 und 2001 das meistverkaufte Auto der Welt. Der Kleinwagen Fiesta hat wieder das Zeug dazu, Marktführer im Kleinwagensegment zu werden.

Die überarbeiteten Modelle Mondeo, Galaxy und Transit komplettieren das Ford-Angebot. Vergleichbar dürfte der Erfolg der Kölner derzeit nur mit dem von Renault und Peugeot sein. Die französischen Autohersteller konnten sich bislang dank pfiffiger Modelle im Segment der Massenhersteller ebenfalls von der schwachen Automobilkonjunktur abkoppeln. Für die abgefundenen Ford-Aktionäre kommt der Aufschwung zu spät. Sie werden nicht mehr daran teilhaben - außer sie folgen der Empfehlung von Ford-Chef Rolf Zimmermann und kaufen Aktien der Muttergesellschaft. In Deutschland aber gilt für die Aktionäre: Ford geht fort, von den Kapitalmärkten, von den Anlegern.

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