Zwei Ruf-Porsche im Vergleich

Zwei Ruf-Porsche im Vergleich

Ruf Turbo Ultimate/Ruf SCR 4.2: Fahrbericht

— 27.12.2016

Blick zurück nach vorn

Für viele ist der klassische Elfer der einzig wahre. Zwei "neue Alte" hat nun Porsche-Spezialist Ruf im Programm: Turbo Ultimate und SCR 4.2.

Mit jedem Facelift verbessert Porsche die Rundenzeiten seiner Elfer (und aller anderen Modelle). Dabei lassen sich die Autos immer einfacher fahren – ein klarer Fortschritt, zu dem sich noch ein niedrigerer Verbrauch gesellt. Darüber könnte man sich uneingeschränkt freuen: Gegen schneller, sicherer und sparsamer kann man nichts einwenden. Ein geflügeltes Wort lautet: Der beste Porsche ist der jeweils aktuelle. Sagt natürlich auch Porsche. Kann man das auch anders sehen? Aber ja. Denn bei aller Technik geht auch etwas verloren: "Der Fahrer ist weniger gefordert, der emotionale Bezug zum Auto leidet", erklärt Alois Ruf, einer der Porsche-Spezialisten und seit 1981 Veredler mit Hersteller-Status.

Ruf hat zwei Vertreter der modernen Klassik im Angebot

Nehmen wir etwa die sogenannten "Gusseisernen", 911-Fans, für die seit Einführung des wassergekühlten Boxermotors die Welt ein Stück weniger in Ordnung ist. Ihre Porsche-Zeitrechnung endet mit dem Typ 993. Den 996, den ersten wassergekühlten, mit den viel bespöttelten Spiegelei-Scheinwerfern, lehnen sie schon ab. Besagte Liebhaber müssen wohl mehr geworden sein in den letzten Jahren, denn die Preise für angejahrte Elfer steigen seit einiger Zeit. Autos mit "Matching Numbers" (Motor, Getriebe und Karosserie tragen dieselbe Nummer), klares Indiz für den Originalzustand, erzielen Höchstpreise. Aber deren Anzahl ist natürlich begrenzt. Doch absolute Originalität ist nur ein Aspekt, denn gegen eine etwas modernere – und sicherere – Technik spricht wenig. Hier setzt die sogenannte moderne Klassik an. Auf dem Auto Salon in Genf stellte Ruf Anfang 2016 den blutorangen SCR 4.2 vor, und mit dem avusblauen Turbo Ultimate hat der Allgäuer Autobauer sogar noch einen weiteren aufgefrischten Klassiker im Angebot, den wir zur Ausfahrt mitgenommen haben.
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Beide Ruf-Porsche folgen der gleichen Philosophie

Brüder im Geiste: SCR 4.2 und Turbo Ultimatesollen das klassische Porsche-Fahrgefühl zurückbringen.

SCR 4.2 und Turbo Ultimate sehen aus wie Brüder. Das beginnt bei der Regenrinne, die bei allen Ruf aus aerodynamischen und auch ein bisschen aus ästhetischen Gründen fehlt. Beide verfügen über moderne Carbon-Keramik-Scheiben, die es für den 964 noch gar nicht gab. Und beide sind mit 4250 Millimetern exakt so lang wie der Typ 964. Größter äußerlicher Unterschied sind der Radstand und die etwas ausladendere Heckpartie des SCR 4.2. Bei ihm wurde der Radstand um sieben Zentimeter (zwei vorn, fünf hinten) verlängert, um bei der angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 322 km/h einen stabileren Geradeauslauf zu garantieren. Doch noch wichtiger sind ein paar andere Dinge, die man nicht sieht. "Mit dem blauen Ultimate wollen wir zeigen, wie man die klassische Bauform mit modernen Werkstoffen und Techniken vereinen kann", sagt Alois Ruf und lächelt, noch immer sichtlich davon begeistert, diesen Weg eingeschlagen zu haben.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Ein serienmäßiger 964 Turbo wiegt 1470, der Ultimate 1215 Kilo. Der "Hut" wie Ruf es nennt, also Dach und hintere Kotflügel, besteht aus einem Carbonteil und wird mit dem ebenfalls von Ruf eingeführten integrierten, unsichtbaren Überrollbügel und den restlichen, ebenfalls aus Kohlefaser gefertigten Karosserieteilen kombiniert. Allein das Dachteil spart über 50 Kilo Gewicht ein. Im Heck arbeitet ein luftgekühltes Turboaggregat aus dem Typ 993, "ein Motor, den wir schon vor 20 Jahren gebaut haben und der jetzt 590 PS abgibt", erklärt der Ruf-Chef. Zierlich und filigran wirkt der Ultimate dank der schmalen 964er-Karosserie. Aber er kann auch Biest.

Der SCR 4.2 hat einen aufgebohrten 997er-Motor im Heck

Da geht die Post ab: Der auf 4,2 Liter vergrößerte 997er-Motor des SCR hat 525 PS und 500 Nm.

Auch der rote SCR 4.2 im 964-Gewand vereint verschiedene Elfer Generationen und wird angetrieben vom Mezger-Motor aus einem 997er-GT3 der zweiten Generation. Ebenfalls aus dem 997 stammt die Mehrlenker-Hinterachse. Beim Aggregat legte Ruf kräftig Hand an, erweiterte den Hubraum von 3,8 auf 4,2 Liter und erreicht so eine Leistung von 525 PS. Die bei strammen 8350 Touren anliegen, was die Vorfreude aufs Fahren hochpeitscht. Schon bei der ersten Sitzprobe im Turbo Ultimate, umgeben von perfekt verarbeitetem Alcantara, Kohlefaserteilen und einem klassischen Bi-Funktions-Lenkrad (lenkt und hupt), springt ein Funke über, den moderne Elfer so nicht vermitteln. Der Rundumblick von innen offenbart kompakte Abmessungen, denn der 964er-Elfer ist ein kleines Auto. Man schaut auf die unverwechselbar geschwungenen Kotflügel und die traditionelle Uhrensammlung. Nichts lenkt hier vom einzigen Zweck des Ultimate ab, kein Radio, kein Multimedia-Navi-Gedöns – die Fahrmaschine präsentiert sich pragmatisch, nackt und dadurch in voller Pracht. Der 3,6-Liter-Biturbo erwacht brummig-zischelnd zum Leben, die Kupplung nimmt sich einen endlos langen Weg bis zum Einrücken, und der Ultimate rollt langsam aus der Parkbucht auf die Straße.

Wie SCR 4.2 und Turbo Ultimate fahren, erzählen wir Ihnen in der Bildergalerie.
Fahrzeugdaten Ruf SCR 4.2 Ruf Turbo Ultimate
Motorbauart B6 B6, Biturbo
Einbaulage hinten längs hinten längs
Hubraum 4187 cm³ 3600 cm³
kW (PS) bei 1/min 386 (525)/8350 434 (590)/6800
Literleistung 125 PS/l 164 PS/l
Nm bei 1/min 500/5820 720/4500
Antriebsart Hinterrad Hinterrad
Getriebe 6-Gang manuell 6-Gang manuell
Reifengröße vorn 245/35 R 19 225/40 R 18
Reifengröße hinten 285/35 R 19 285/30 R 18
Maße L/B/H 4250/1672/1270 mm 4250/1652/1270 mm
Leergewicht/Zuladung 1190/500 kg 1215/475 kg
Leistungsgewicht 2,3 kg/PS 2,1 kg/PS
ECE-Normverbrauch 13,9 l Super Plus 12,3 l Super Plus
0-100 km/h 4,1 s 3,9 s
Vmax 322 km/h 339 km/h
Preis 470.000 Euro 430.000 Euro
Autor:

Ralf Kund

Fazit

Alois Ruf glaubt, dass der klassische Elfer unsterblich ist, und man möchte ergänzen: Wenn er so perfekt daherkommt wie im Fall von Turbo Ultimate und SCR 4.2, wird er das wohl auch sein. Das unvergleichliche Fahrgefühl älterer Elfer mit modernisiertem Innenleben hat einfach was. Leider auch seinen Preis, der wohl gerechtfertigt, aber eben auch exorbitant hoch ist.

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