Russischer Tuner Topcar: Vorstellung

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Russischer Tuner Topcar: Vorstellung

— 09.11.2010

Tuninggrüße aus Moskau

Moskau entwickelt sich mehr und mehr zur pulsierenden Tuning-Metropole. Der russische Veredler Topcar hat sich mit seinem Premiumprogramm dort fest etabliert. AUTO BILD SPORTSCARS war zu Besuch.

2004 gründete der ehemals im Immobiliengeschäft tätige Oleg Egorov seine Tuning-Schmiede Topcar in Moskau. Erklärtes Ziel: eine Alternative zu den etablierten Tuningfirmen deutscher Herkunft sein. Die genießen in Moskau einen guten Ruf, gelten aber als teuer. Topcar will günstigere Preise bieten, bei einwandfreier Qualität. Damit wir uns ein Bild machen können, reisen wir nach Moskau. Bei der Ankunft nehmen uns Pressechef Anton Anufriew und Dolmetscherin Olga in Empfang. Wir starten Richtung City. Je näher wir dem Zentrum kommen, desto höher wird der Anteil deutscher Fahrzeuge. Der VW Golf der hiesigen Oberschicht scheint der Mercedes S 500 4Matic zu sein. Wir stellen fest: Je kostspieliger das Auto ab Werk, desto höher die Tuningquote. Topcar fing mit umgebauten Posche Cayenne an. "Damals ein Riesenhype und der Grundstein unseres Erfolgs", erklärt Anton.

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Brandaktuell: Das Bodykit für den neuen Cayenne steht kurz vor der Vollendung.

Populär ist das Auto unverändert, weshalb es beim Tuner nach wie vor einen hohen Stellenwert genießt. Zwei Cayenne der ersten Generation hat der Veredler noch im Fuhrpark – 550 und 600 PS stark. Für den Moskauer Stadtverkehr stellen die Autos die perfekte Wahl dar: Die hohe Sitzposition gewährt einen erhabenen Blick aufs chaotische Geschehen, die bissigen Motoren zeigen sich spontanen Zwischenspurts nie abgeneigt. Der extreme Spritdurst der getunten V8-Biturbos interessiert kein Stück, zumal Benzin in Moskau maximal 70 Cent pro Liter kostet. Auch die Tatsache, dass – zumindest wenn das Auto im strapaziösen Tagesbetrieb eingesetzt wird – alljährlich eine Überholung des kompletten Tunings ansteht, juckt nicht die Bohne.

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Verschönerter Mini-Hintern: Für das Dekor hat Topcar den Moskauer Künstler Denis Simachev verpflichtet.

Neben dem Cayenne gewinnt der Panamera an Bedeutung, obwohl man auf den Straßen der Stadt nur wenige Exemplare der Zuffenhausener Luxus-Limo sieht. Wir haben die Möglichkeit, ein Kundenauto zu pilotieren. Das basiert auf dem Turbo-Topmodell und leistet 550 PS. Obwohl der schwarze Lack viele Konturen schluckt, stechen die Anbauteile hervor: Front- und Heckschürze, Schweller, Heckflügel, Kotflügeleinsätze und markant gewölbte Karbon-Motorhaube. Bei alledem kommt der Gebrauchswert nie zu kurz. Ausreichend Bodenfreiheit ermöglicht die gefahrlose Überwindung fieser Temposchweller, die Räder schöpfen mit 21 Zoll die Grenze des Machbaren bewusst nicht aus, und der milde Auspuffsound verursacht auch auf Langstrecken keinen Tinnitus. Dennoch sieht das Auto hinreichend martialisch aus und verfügt sogar im unübersichtlichen Moskauer Verkehr über eine eingebaute Vorfahrt.

Doch selbst in Moskau müssen repräsentative Autos inzwischen nicht mehr zwangsläufig groß sein. Weshalb Topcar sich auch des Mini annimmt. Der 200 PS starke "Bully" trägt nicht nur die klassischen Tuningzutaten, sondern auch ein abgefahrenes Dekor zur Schau. Der Moskauer Künstler Denis Simachev zeichnet für dessen Gestaltung verantwortlich. Er mixt gefühlige Folklore-Elemente mit russischer Gegenwart. So geben sich auf der Mini-Haut Rosen, Herzen, Schlagringe und Handfeuerwaffen ein Stelldichein. Zudem demonstriert der Bully, dass auch Kleinwagenpiloten in Moskau auf Automatik bestehen – um den Dauerstau nervlich zu überstehen. Wie bei den anderen Topcar-Fahrzeugen schauen wir auch hier genau hin – und registrieren mit Wohlgefallen die lupenreine Verarbeitung des 53.650-Euro-Zwergs.

Topcar auch in Deutschland

Einen alten Militärlaster möbelt Topcar gerade mit aufgeladenem Ami-V8 und Karosserieteilen aus Karbon auf, M6-Technik wird mit der Karosserie eines 70er-Jahre-BMW verheiratet. Trotz voller Auftragsbücher: Russland genügt Topcar nicht. Schon bald will der Veredler Deutschland erobern – eine Dependance ist im Aufbau, TÜV-Gutachten in Planung. "Ein schwieriges Unterfangen", weiß Anton. "Wenn wir uns im Mutterland des Tunings durchsetzen, verfügen wir über genug Reputation für den Rest der Welt." Nach zwei Tagen fliegen wir zurück – um viele Eindrücke und eine Erkenntnis reicher: Deutsche Straßen sind etwas Feines.

Autor: Ben Arnold

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