S-Klasse gegen Lexus LS 460

S-Klasse gegen Lexus LS 460

— 15.02.2007

Das wird eng

ber Lexus lchelt lngst niemand mehr. Mit dem LS 460 wollen die Japaner jetzt sogar Weltmeister gegen Titelverteidiger S-Klasse werden.

Preise, Ausstattungen und Garantien

Der Fuball-Weltmeister heit Italien. In der Formel 1 fhrt ein Spanier ganz vorn. Und beim Auto? Da heit der Meister aller Klassen natrlich Deutschland, werden Sie sagen. Doch genauso, wie wir im Sport mit Niederlagen leben mssen, kommen die Verfolger auch auf der Strae immer nher. Aus dem fernen Japan startet Toyotas Luxus-Label Lexus gerade wieder einen Angriff auf den Erfinder des Automobils. Der Lexus LS 460 versucht, den Mercedes S 450 vom Thron zu stoen. Ein hochklassiges und spannendes Match, in dem wir als Schiedsrichter mitmischen. Vor knapp zwei Monaten setzten die Japaner schon einen Warnschuss. In einem ersten Vergleich der Sicherheitssysteme musste Mercedes sich geschlagen geben was Lexus hier an Hochsicherheits-Technik auffhrt, ist absolute Weltspitze.

Doch das war nur die Aufwrmphase. Im Finale selbst geht es um Karosserie, Kosten und Fahrdynamik. Und hier holt die S-Klasse gleich auf. Etwa beim Bremsen, bei dem sie aus Tempo 100 zwei Meter eher steht als der LS mehr als eine Kleinigkeit. Auerdem fhrt der Stuttgarter auch deutlich angenehmer. Auf der abgesperrten Rundstrecke wirkt der S 450 leichtfiger, agiler, handlicher. Auch ein Verdienst der angenehm direkten Lenkung. Die liefert im Lexus eher vage Anhaltspunkte ber das Geschehen zwischen Rad und Asphalt, das Auto wirkt fast entkoppelt und vermittelt wenig Gefhl. Auch beim Federungskomfort setzen die Stuttgarter die Mastbe. Beide Kontrahenten verwhnen ab Werk mit Luftfederung und adaptiven Dmpfern, die auf Knopfdruck zwischen Sport- und Komfortprogramm wechseln. Damit schweben beide selbst ber Strecken, die in einem Audi A8 unangenehm aufstoen.

Den feinen Unterschied macht das Ansprechen auf Querfugen, das im Mercedes etwas sanfter ausfllt. Schuld daran tragen auch die optionalen 19-Zller mit 245/45er-Bereifung (1500 Euro, Serie 235/50 R 18) des Lexus, die den von Haus aus sehr guten Abrollkomfort beeintrchtigen. Im Komfortmodus wird der LS zwar besser, neigt auf langen Bodenwellen aber zum Nachschwingen. Sensible Gemter und empfindliche Kinder fhlen sich in der S-Klasse nicht nur in solchen Momenten wohler. Und das, obwohl auch der Benz die Rder eine Nummer grer trgt, auf 255/45 R 18 (ab 595 Euro) statt 235/55 R 17 rollt.

Im Innenraum spren wir in beiden Luxuslinern die groe Weite von mehr als fnf Meter Auenlnge. Whrend die S-Klasse auf den Vordersitzen opulentes Salon-Feeling spendiert, verlegt der Lexus den Schwerpunkt eindeutig nach hinten der LS empfiehlt sich unmissverstndlich als Chauffeurswagen. Der Fahrer sitzt vorn gemtlich, aber nicht feudal. Hinten genieen die Chefs dann frstlichen Beinraum und fr 4000 Euro extra auch erstklassige Unterhaltung per DVD. Dass der LS hinten messbar schmaler ausfllt als der S 450, strt dabei erst mal weniger mit mehr als zwei Bossen wird der Fond sicher nur in Ausnahmen besetzt.

Unterm Strich bleibt allerdings ein minimaler Platzvorteil fr den Benz. Gepckfragen lassen sich in der S-Klasse ebenfalls leichter lsen. Nicht nur, dass der gewaltige Kofferraum 55 Liter mehr schluckt mit den 505 Litern des Lexus lsst sich ganz sicher gut leben. Schwerer wiegt da schon, dass der LS mit fetten 2155 Kilogramm Leergewicht nur noch 340 Kilo Zuladung vertrgt. Im Klartext: Wenn vier erwachsene Mnner zum Flughafen fahren, dann mssen sie fr ihr Gepck eigentlich ein Taxi mieten. Peinlich! Immerhin reist das Quartett aber recht stilvoll. Klimaautomatik, Navigation, CD-Wechsler, Radio, elektrisch verstellbare Ledersitze eigentlich fehlt es an nichts. Und die Einrichtung verrt auch durchaus Geschmack.

Technische Daten, Fazit und Bewertung

Für Bedien-Fetischisten: Über 100 Knöpfe bietet der Lexus-Innenraum.

Dass in einem 82.000-Euro-Gefhrt aber mitunter das Armaturenbrett knarzt und die Materialauswahl der Schalter eher einfach wirkt, strt den Genuss dann doch ein wenig. Im Mercedes mssen Leder, Navigation und DVD-Wechsler zwar extra bezahlt werden, dafr lsst die Verarbeitung aber keine Schwchen erkennen, die Schalter wirken hochwertiger. Mit ihrer zum Teil jedoch eher an eine Handytastatur erinnernden Gre (zum Beispiel Spiegelverstellung rechts/links) stellen sie besonders ltere Fahrer aber durchaus vor Probleme. Immerhin fhrt das von BMW entliehene Bedienkonzept mit einem zentralen Dreh-Drck-Steller dazu, dass die Zahl der Knpfe berschaubar bleibt. Doch obwohl das Mercedes-Men gegenber der BMW-Bedienung klarer und logischer erscheint, erfordert auch die S-Klasse eine gewisse Eingewhnung. Lexus vertraut hier konsequent auf die klassische Knopf-Lsung. Fast jede Funktion wird ber einen eigenen Schalter gesteuert. Und weil so ein LS 460 unglaublich viele Funktionen bietet, tummeln sich im Cockpit ber 100 Schalter! Glcklich, wer sich die alle merken kann und sofort den richtigen findet.

Garantiert richtig liegen Lexus und Mercedes dagegen bei den Motoren. An diesen V8 lsst sich nur schwer herummeckern. Der 4,6-Liter-V8 des LS wirkt dabei noch ein wenig wacher und bissiger als der 4,7-Liter-V8 des S 450. Zum einen liegt das sicherlich an den 40 PS Leistungsvorsprung, zum anderen aber auch an der aufmerksamen Achtstufen-Automatik. Sie findet fr die 380 Lexus-Pferdchen einfach immer die passende Gangart, arbeitet dabei absolut unauffllig und blitzschnell. Nur das ehrgeizige Verbrauchsversprechen kann der LS 460 nicht ganz halten. Trotz der Doppelstrategie mit Saugrohr- und Direkteinspritzung genehmigt sich der LS 0,3 Liter mehr als die S-Klasse.

Die 340 PS des Mercedes zeigen sich ebenfalls topfit, knnen den Lexus auf dem Weg zur Hchstgeschwindigkeit (beide bei 250 km/h abgeregelt) aber nicht ganz halten. Trotzdem agiert der 450er so kraftvoll und kultiviert, dass den 500er mit 388 PS eigentlich niemand vermissen muss. Zumal auch dem kleinen V8 die annhernd perfekte Siebenstufen-Automatik zur Seite steht. Mit 79.254 Euro bleibt der Mercedes-Benz S 450 sogar knapp unter dem LS 460 (82.000 Euro). Jedenfalls beim Basispreis. Ausstattungsbereinigt kostet der Benz fast 8000 Euro mehr. Ist dafr aber Weltmeister genau wie unsere Handballer.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka:

Die Sensation bleibt aus, doch Mercedes muss auf der Hut sein. Der Lexus LS 460 prsentiert sich als ausgereiftes und sehr anspruchsvolles Luxus-Automobil. Wren da nicht die Patzer bei Bremsen, Zuladung und Wartungsintervall das Ergebnis htte leicht anders aussehen knnen. So bleibt der Mercedes S 450 aber weiterhin der Mastab auf unseren Straen. Toller Komfort, viel Platz, feine Verarbeitung, munterer Motor die Strke des Benz ist, dass er keine Schwchen hat.

Autor: Gerald Czajka

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