S6/550i xDrive/Charger SRT8: V8-Vergleich

— 08.10.2012

Potente V8-Limos mit über 400 PS

Wenn sich über 400 PS in Limousinen schmuggeln, ist auf dem Highway ganz schnell die Hölle los – zumal Audi und Dodge mit Turboladern kürzlich kräftig aufmunitionierten. Kommt der 550i noch mal davon?

Speziell der 550i könnte scheinheiliger kaum sein. Titansilber, schüchterne Schürze, schmächtige Radialspeicher in 18 Zoll – dabei hat er es faustdick hinter den Nieren. Der 550i ist die Nummer zwei des 5er-Clans, sein Boss ist der M5, alle anderen sind nur Handlanger. Acht Zylinder, 4,4 Liter Hubraum und unterm Strich 408 PS, die er analog zu den frischen 50er-Motorisierungen in 5er GT und 7er aber alsbald auf deren 450 anfüttern wird. Die Vormachtstellung des 420 PS starken Audi S6 wird also eine befristete sein. Der lässt sich an Grill und Abgasanlage leichter als großer Fisch entlarven, bleibt in Eissilber aber dezent genug, um jederzeit in der Masse abzutauchen.

Übersicht: Alle News und Tests zum Audi S6

Gegen mausgraues Spießbürgertum ist der Dodge Charger SRT8 von Geiger die unterhaltsamste Waffe.

Den pomadigen V10-Sauger hat er im Zuge des Modellwechsels durch einen nominell schwächeren, aber ungleich elastischeren Achtender ersetzt, mit dem er dem 5er nun auch motorkonzeptionell ganz schön auf die Pelle rückt. Beide laden doppelt nach, beide knäueln sich die Abgasseite ihres Biturbos zugunsten spontanerer Gasreaktionen zwischen die Zylinderbänke, beide türmen ihr Drehmoment schon diesseits der 2000er-Marke zu voller Größe auf, und beide walzen es daraufhin zu Plateaus aus – Audi gut 1000 Touren breiter, BMW dafür 50 Newtonmeter höher. Und sogar die einst so gegensätzlichen Antriebsphilosophien nähern sich einander an. Einerseits sehnsüchtelt der quattro mit seiner heckbetonten Verteilung immer stärker nach dem Hinterradantrieb, andererseits erkennt BMW mit xDrive an, dass die Idee der vier angetriebenen Räder doch nicht die schlechteste gewesen ist. Unterschied: Während der Allrad bei Audi Bedingung dafür ist, das volle Potenzial auch ausschöpfen zu können, schränkt er es im 5er etwas ein. So blockiert das xDrive-System die sonst optionale Integral-Hinterachse, die das Abbiegegefühl über kleinere Lenkimpulse spürbar anspitzen würde.

Übersicht: Alle News und Tests zum BMW 5er

Der 550i kommt in Titansilber mit schüchterner Schürze und schmächtigem Radialspeicher, hat es aber faustdick hinter den Nieren.

Jammern auf allerhöchstem Niveau, gemessen an den Voraussetzungen des stets hinterradgetriebenen Dodge, den nicht nur die Folierung im Stile amerikanischer Highwaycops von vornherein in die Verfolgerrolle drängt. Um es krass zu formulieren: Neben den deutschen Premiumcomputern wirkt er so hoch entwickelt wie ein Rechenschieber. Sein serienmäßiges Adaptivfahrwerk hat Importeur Geigercars zugunsten einer statischen KW-Lösung ausrangiert; der V8 trägt seine Nockenwelle immer noch im Bauch anstatt wie inzwischen üblich je zwei davon in beiden Köpfen; und der Vorteil halbkugelförmiger – also HEMIsphärischer – Brennkammern schwindet im Zeitalter der Direkteinspritzung ebenso wie die Gültigkeit der alten Weisheit, wonach Hubraum nur durch Hubraum zu ersetzen sei. Und dennoch stockt der Saugrohreinspritzer gegenüber dem Vorgänger noch mal um 0,3 Liter auf. Ergebnis: 6410 Kubik, 477 PS und selbst in Relation zum hohen Leergewicht zunächst einmal die besten Karten im Vergleich. Bloß schafft er es nicht, die auch auf die Uhr zu bekommen.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Video: Audi S6

Vernunft mit 420 PS?

Das liegt zum einen am antiken Fünfstufenautomaten, den Ex-Gatte Daimler einst eingeschleppt hat. Zum anderen daran, dass der Hemi erst mit Drehzahl die Muskeln anspannt, mit seinen massigen Kolben – kurzhubig hin oder her – dafür aber nicht wirklich gebaut ist. Trotz mächtiger 637 Newtonmeter fühlt er sich im Antritt immer tranig an, Gangwechsel passieren in Zeitlupe dazu ziemlich ungehobelt, und oben, wenn die anderen recht unvermittelt gegen ihre Begrenzer titschen, ziehen die Übersetzungen den Weg bis 280 ganz schön in die Länge. Anders der 5er: Sein hauchzart kurzhubig ausgelegter Direkteinspritzer scheint regelrecht Richtung Begrenzer zu schnalzen, was in erster Linie am Getriebe liegt, das die 600 Newtonmeter in acht kurze Stufen teilt. Ganz klar: Die Sportautomatik ist das Filetstück am 550i. Sie kombiniert die Eleganz eines Wandlers mit kurzen Reaktionszeiten, greift blitzschnell zu, wenn man nach ihr paddelt, lauert im Sportmodus am Fuße des Drehmomentberges und fläzt sich ansonsten meist regungslos im großen Gang. Auch der Audi ist kein Hektiker, allerdings wirkt er im Antrieb nicht ganz so gelassen. Münchener Gelassenheit, oberbayrische Kampfeslust und Detroiter Machogehabe – in der Bildergalerie gibt's alle Fakten. Den kompletten Vergleich mit allen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv. Mehr zum Thema Dodge Charger Tuning.

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Audi S6, BMW 550i xDrive, Dodge Charger SRT8

Veröffentlicht:

04.10.2012

Preis:

1,00 €

Autor:

Stefan Helmreich

Fazit

Im Film enden Verfolgungsjagden in der Regel happy, doch hier sind die Bösen schlicht zu gut. Allen voran der S6, der mit dem neuen TFSI nicht nur seine kopflastige Balance abschwächt, sondern nun auch motorisch zu seinem straffen Fahrfeeling passt. Der 550i ist mit seinem gediegenen Fahrverhalten letztlich schlicht zu weich, um ihm ein harter Gegner zu sein. Am Ende liegt es sogar nur an seiner außergewöhnlich leichtfüßigen Antriebseinheit, dass ihn der knorrigere und reizvollere Dodge nicht noch über die Kapitel Herz und Verstand abfängt.

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