Fahrbericht Saab 9-3 Cabrio

Saab 9-3 Cabrio Saab 9-3 Cabrio

Saab 9-3 Cabrio

— 06.06.2003

So schnell kommt der Sommer

Auf die Plätze, fertig – los: In nur 20 Sekunden lässt das neue Saab Cabrio sein Top fallen. Zügiger strippt kein anderer offener Viersitzer. Aber schnelles Ausziehen ist nicht alles.

Scheint die Sonne, muss es schnell gehen

Schneller ist kein anderes Cabrio. Nicht von Höchstgeschwindigkeit oder Beschleunigung ist hier die Rede, nein, vom rasanten Tempo, in dem sich das neue Saab Cabrio entkleidet. Knopfdruck genügt: Nach nur 20 Sekunden ist das Dach verschwunden. Nie zuvor zog der Sommer so schnell in einen offenen Viersitzer.

Das VW New Beetle Cabrio strippt sich zwar sein Top noch etwas zügiger vom Leib. Doch beim Retro-Käfer bleibt der Stoff sichtbar und türmt sich als unordentlicher Klamottenhaufen überm Hintern. Wer sich die Mühe macht, den Textilberg unter der Persenning zu verstecken, ist mehrere Minuten beschäftigt. Zu lang für die Schweden. Im Norden muss es schnell gehen. Scheint einmal die Sonne, will man schließlich was davon haben.

Möglich macht den Verdeck-Rekord ein zweistufiger Dachmechanismus, der einem neuen Ablauf folgt. Anders als bei der Konkurrenz öffnet sich die Verdeckklappe nicht steil nach oben. Sie schiebt sich stattdessen flach übers Heck. Dann falten E-Motoren das dicke Stoffdach nahezu lautlos ins Staufach. Anschließend surrt der Schiebedeckel zurück in seine Ausgangsposition. Eleganter geht's kaum.

"Sesam, öffne dich!" während der Fahrt

Das Prozedere klappt sogar während der Fahrt. Bis 30 km/h ist die Verdecktaste aktiv und öffnet oder schließt den Saab je nach Bedarf. Ideal für die kleine Show vor großem Publikum. Das lässt sich zudem per Funkfernbedienung beeindrucken. Hält der Fahrer den Entriegelungsknopf auf dem Schlüssel gedrückt, setzt sich das Dach in Bewegung. Kein Zweifel: Mit diesem Wunderverdeck liegen 9-3-Fahrer ganz vorn.

Aber nicht nur auf die vornehme "Sesam, öffne dich!"-Kinematik sind die Saab-Ingenieure zu Recht stolz. Die zweite Generation des offenen 9-3 glänzt vor allem mit Innovationen unterm Blech. Die Karosserie soll mit einem Torsionswert von 11.500 Newtonmetern pro Grad gleich dreimal steifer sein als beim Vorgänger. Der musste viel Kritik einstecken, weil er weich wie Butter war. Nun hat Saab sie ins Tiefkühlfach gelegt.

Die Folge: Um das Chassis des Neuen minimal zu verwinden, muss ein Gewicht von 1,15 Tonnen über einen ein Meter langen Hebel an die Blechstruktur gehängt werden. Bombenfest also. Zumindest theoretisch. Und praktisch?

Dreilagiges Verdeck, aufwändig verarbeitet

Auf schlechten Straßen steckt das Cabrio Bodenwellen und Unebenheiten erfreulich gut weg. Zwar zittert der Rückspiegel bei der Fahrt über Schlaglöcher hin und wieder, aber cabriotypische Karosserieschwingungen hat Saab auch subjektiv auf ein Minimum reduziert. Das Gefühl, ein weiches Auto zu bewegen, bleibt jedenfalls aus.

Optisch ein großer Gewinn sind die in die Sitze integrierten Sicherheitsgurte. Sie befreien den Bereich hinter den Türen endlich von den hässlichen Halterungsdomen. Die Draufsicht erscheint jetzt in einer dynamisch-glattflächigen Keilform.

Aber auch mit Dach wird der 9-3 keineswegs hässlich. Das dreilagige Verdeck ist aufwändig verarbeitet, geschlossen erinnert fast nichts an ein Cabriolet. Der Himmel ist aus hochwertigem Bezugsstoff in gleicher Farbe wie Sitze und Armaturenträger (Beige oder Hellgrau). Sechs massive Spriegel (vorher fünf) spannen die Stoffhaube so glatt und stramm, dass der Zweitürer eine coupéhafte Silhouette bildet. Wie falten- und kantenfrei der 9-3 ist, belegen die sehr geringen Windgeräusche bei höherem Tempo.

Enge Serpentinen mag das Cabrio nicht

So wird schnelles Reisen zur Domäne des Saab. Weniger dagegen die Fahrt durch enge Serpentinen. Für zügige Rechts-links-Kombinationen reagiert die Lenkung zu träge. Bei zackigen Manövern reagiert das Saab Cabrio mit eher unsportlichen Rollbewegungen auf der Vorderachse. Das können zweisitzige Roadster und Spider deutlich besser.

Selbst die 210 PS starke Spitzenversion 2.0T Aero geht nicht als Sportmodell im engeren Sinn durch. Das ist auch gut so: Im Vergleich zur extrem straff ausgelegten Aero-Limousine ist die Federung komfortabler abgestimmt und passt besser zum Charakter des Cabriolets.

Genauso wie die Fünfgangautomatik. Sie reduziert zwar die Fahrleistungen und erhöht den Verbrauch spürbar, sorgt aber für entspannteres Fahren. Manuelle Gangwechsel sind auch hier möglich – per Schaltstock oder Lenkradtasten.

210 PS starker Turbomotor lässt's krachen

Neben dem Top-9-3 ist das Saab Cabrio auch als 2.0t mit 175 PS sowie als 1.8t mit 150 PS zu haben. Den größten Fahrspaß bietet natürlich der 210-PS-Turbomotor. Ab 2500 Touren drückt der Lader mit 0,85 Bar Luft in die Brennräume. Der Schub setzt ausgesprochen gleichmäßig ein und gipfelt in einem Drehmoment von 300 Newtonmetern. Mehr hat ein Dreiliter-Sechszylinder auch nicht zu bieten.

Trotz des kraftstrotzenden Motors ist der schwedische Luftikus ein Vollcabrio für Genießer. Auf den Rücksitzen finden zwei Erwachsene ausreichend Platz, und wer zu zweit in den mehrwöchigen Urlaub verreist, kann dort das große Urlaubsgepäck lagern. Wird das Verdeck geschlossen, vergrößert sich der Kofferraum automatisch. Eben ein Cabrio für alle Fälle.

ESP und ein umfangreiches Sicherheitspaket gehören zur Serienausstattung bei allen Versionen. Der 2.0T Aero ist ab September im Handel und kostet ab 39.500 Euro. Schon im August kommen 2.0t ab 37.500 sowie 1.8t ab 32.500 Euro.

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