Saab 9-5 Aero: Test — 31.08.2010
Ist der 9-5 ein echter Saab?
Eben noch kurz vor der Bruchlandung, will der schwedische Autohersteller mit Flugzeugbau-Wurzeln jetzt wieder durchstarten. Ob das mit der Neuauflage des 9-5 gelingen kann, verrät der erste Test.
Überblick: Alle News und Tests zum Saab 9-5
Technisch steckt dem noch zu GM-Zeiten entwickelten 9-5 der Insignia in den Knochen. Man merkt allerdings nichts davon, zumindest äußerlich, schon weil der Schwede seinen Genspender um 18 Zentimeter überragt. Mit 5,01 Metern streckt er sich sogar 14 Zentimeter weiter in die Länge als eine Mercedes E-Klasse und ist damit diesseits von Kampfjets und Verkehrsflugzeugen das Größte, was je die Werkstore bei Saab verließ. Der gute alte 900, für viele Fans die Blech gewordene Essenz der Schwedenmarke, wirkt im Vergleich zum Neuen filigran und zierlich, doch die Verwandtschaft fällt sofort auf. Auch der moderne Wiedergänger ist markant und charismatisch. Passanten drehen sich um, zücken gar ihre Handykameras – wann hat es das bei einem Saab zuletzt gegeben? Einsteigen, bitte. Sensible Näschen schnuppern Opel-Duft, auch die Schalter kennt man – trotz anderer Anordnung – aus dem Insignia. Wirklich stören kann das aber nicht. Im Cockpit finden sich genügend Elemente aus der Saab-Folklore, um bei Traditionalisten Heimatgefühle zu wecken – und Wiedersehensfreude.
Zukunftspläne: Auf diese neuen Saab können wir uns freuen
Tasten und Knöpfe haben sich gegenüber dem zum Abgleich mitgebrachten Ur-900 aus dem letzten Baujahr 1993 zwar vermehrt; damals gab es ja auch weder Stoßdämpferverstellung noch komplizierte Multimedia-Menüs. Der Fahrerplatz sieht heute aber mehr denn je nach Flugzeugkanzel aus – Saab war es immer wichtig, seine aeronautischen Wurzeln auch im Automobilbau aufscheinen zu lassen. Ein Head-up-Display (1000 Euro) projiziert wichtige Fahrdaten in die Frontscheibe. Mit der Night-Panel-Taste (Serie) lassen sich bei Nacht störende Lichtquellen abdunkeln. Und der Startknopf sitzt – Ehrensache – da, wo früher der Zündschlüssel war: zwischen den Vordersitzen. Klar, dass Neulinge ein paar Minuten brauchen, um sich einzufuchsen. Für vollendetes Jet-Gefühl müssten die Vordersitze etwas niedriger eingebaut sein; große Piloten thronen auf den üppig gepolsterten Ledersesseln eine Spur zu hoch. Hinten fühlt man sich wie in der Business Class. Beim Knieraum kommt der 9-5 dicht an chauffeurtaugliche Limos wie den Skoda Superb heran; nur mit Platz über dem Scheitel knausert er.Ready for take off? Dann los! Unter der Haube des Testwagens steckt ein schubstarker Zweiliter-Turbo – typisch Saab, obgleich es die vierzylindrige 220-PS-Maschine auch im Opel Insignia zu kaufen gibt. Das Leistungs-Loch von früher wurde zugeschüttet. Auch muss kein sperriger Schaltmast mehr durch die Kulisse geschoben werden wie einst im 900. Für 2200 Euro sortiert eine Automatik die sechs Fahrstufen – zügig, ruck- und hektikfrei. Der Vierzylinder macht gleichmäßigen Druck, gießt übers gesamte Drehzahlband harmonisch-lässig seine Newtonmeter aus und jubelt willig bis zum Rand der roten Skala. Akustisch hält er sich dabei diskret zurück, während sein hubraumgleicher Altkollege rauchig-sexy aus dem Auspuff röhrt.
Der 9-5 vermittelt ein sattes Fahrgefühl mit einer Prise Sportlichkeit
Wer das Steuer zu gefühllos findet, kann in den Menüs des Adaptivfahrwerks "DriveSense" (1160 Euro) den Lenkwiderstand erhöhen. Auto zu straff? Dann im Comfort-Modus einfach die Dämpfer softer stellen. Die Mittelstellung "I" wie "Intelligent" bemüht sich um den idealen Kompromiss. Kurze Wellen kommen wegen der flachschultrigen Räder aber immer durch – vor allem an der Vorderachse. Mit steigendem Tempo wächst das Feder-Feingefühl jedoch. Stoisch, wie von einem Laserstrahl geführt, läuft der 9-5 geradeaus. Winselnde Vorderräder beim Herauszoomen aus engen Kehren sind dank des Allradantriebs (2500 Euro extra) Geschichte. Am Limit verhindert das elektronische Hinterachsdifferenzial plumpes Schieben über alle viere, sorgt mit variabler Kraftdosierung zwischen den Rädern für eine sanft eindrehende Hinterhand. Das würzt das satte Fahrgefühl mit einer Prise Sportlichkeit.Beim Thema ESP folgt der 9-5 der von Opel bekannten Safety-first-Philosophie. Eingriffe erfolgen lieber etwas früher als zu spät – im Unterholz nordischer Nadelwälder lauern schließlich jede Menge Elche, die es im Notfall sicher zu umkurven gilt. Bleibt zu hoffen, dass auch Saab die Kurve kriegt. Mit diesem Auto könnte es klappen.
| Fahrzeugdaten | Saab 9-5 XWD 2.0T Aero |
|---|---|
| Motor | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Kette |
| Hubraum | 1998 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 162 (220)/5300 |
| Nm bei 1/min | 350/2500 |
| Vmax | 230 km/h |
| Getriebe | Sechsstufenautomatik |
| Antrieb | Allradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 245/40 R 19 Y |
| Radgröße | 8,5 x 19" |
| Abgas CO2 | 199 g/km |
| Verbrauch* | 12,4/6,5/8,6 l |
| Tankinhalt | 70 l/Super |
| Anhängelast gebremst/ungebremst | 2000/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 515 l |
| Grundpreis | 51.400 Euro** |
| * innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km; **inklusive Sentronic-Sechsgangautomatik für 2200 Euro | |
| Messwerte | Saab 9-5 XWD 2.0T Aero |
|---|---|
| Beschleunigung | |
| 0–50 km/h | 3,4 s |
| 0–100 km/h | 7,9 s |
| 0–130 km/h | 12,7 s |
| Zwischenspurt | |
| 60–100 km/h | 3,9 s |
| 80–120 km/h | 5,1 s |
| Leergewicht/Zuladung | 1798/562 kg |
| Gewichtsverteilung vorn/hinten | 58/42 % |
| Wendekreis links/rechts | 12,2/12,3 m |
| Bremsweg | |
| aus 100 km/h kalt | 37,1 m |
| aus 100 km/h warm | 36,9 m |
| Innengeräusch | |
| bei 50 km/h | 56 dB (A) |
| bei 100 km/h | 61 dB (A) |
| bei 130 km/h | 65 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 9,7 l S – 231 g/km |
| Reichweite | 710 km |
Kommentar verfassen










































Kommentare zum Artikel (33)
Erstellt
Inhalt
Funktion
Es ist gut zu wissen dass man bei der AUTO-Bild von Vorurteilen lebt. In jedem Bericht taucht diese typische Opel-SAAB Laier auf und damit man am Ende auch noch was Positives sagen kann, darf der Verweis auf irgendwelche traditionellen Werte von SAAB nicht fehlen (Flugzeug-Laier und Elche). Aber was solls...in Australien muss ich auf den 9-5 warten...und hier hat die Marke einen hoeheren Stellenwert als das langweilige Blech was von deutschen Herstellern aus Billiglohnfabriken gerollt wird.....
Ein altes Sprichwort sagt: "Totgeglaubte leben länger". ...und diese einfältige Quatscherei Saab-Opel-GM, bedenkt man(n) was VW/Audi so alles zusammenwürfelt und sich das teuer bezahlen läßt. In zwei Jahren werden die abfälligen Bemerkungen, die zwischen den Zeilen zu lesen sind, wesentlich weniger werden. Denn eines ist auch klar, hätte VW damals den Golf nicht entwickelt wären sie längst weg vom Fenster. Von Audi und Porsche ganz zu schweigen. Wie gesagt: "Totgesagte leben länger!". Saab 9-5, ein tolles Auto! s@
Dieser Saab ist wirklich sehr schoen - und auch wirklich sehr gross.
Saabs' der Vergangenheit waren interressanterweise weder das Eine noch das Andere, dies ist also eine voellig neue Kombination von Adjektiven fuer Saab.
Einige treue Kunden der Marke werden sich dieses Auto nun sicher schnell kaufen, und ich denke nicht zuletzt aus Solidaritaet. Dieser 9-5 muss voll ueberzeugen - oder Saab ist am Ende. Zuverlaessigkeit laesst sich aber ja bekanntlich nicht am Neuwagen testen, warten wir's also ab ... Saab - Toi Toi Toi!
sieht genial aus. der insignia ist schwul. opel autos sehen kacke aus.
Saab sieht genial aus, die haben mal was draus gemacht, opel hat nur quatsch gemacht, nur dreck.
vw ist das letzte
Die Kopf-Freiheit auf der Hinterbank fuer Design aufzugeben diese Dummheit kennen wir ja schon von anderen Herstellern. Trotzdem gelungen und die Feinarbeit hat sich wohl ausgezahlt.