San Francisco: Golden Gate Bridge ist 75

San Francisco: Golden Gate Bridge ist 75

— 29.05.2012

Geburtstagsparty am Goldenen Tor

Seit ihrer Eröffnung in 1937 sind knapp zwei Milliarden Autos über die Golden Gate Bridge in San Francisco gerollt. Mehr als zehn Millionen Menschen pro Jahr besuchen die Brücke. Jetzt wurde ihr 75. Geburtstag groß gefeiert.

(dpa) Grauer Nebel beim Aufwachen, ein funkelndes Lichtermeer zum Ausklang: Die Golden Gate Brücke von San Francisco hat ihren 75. Geburtstag am 27. Mai 2012 gebührend gefeiert. Die kalten Nebelschwaden, die die beiden Türme am Morgen noch in den typischen Sommer-Dunst hüllten, hatten sich schnell aufgelöst. Mit der Sonne strömten nach und nach zehntausende Gratulanten zu der kilometerlangen Strandpromenade, die der "Red Lady" zu Füßen liegt. Die einst längste Hängekonstruktion der Welt hat vermutlich mehr Verehrer als jede andere Brücke. Der Anstrich in "International Orange" verleiht den 227 Meter hohen Art-Déco-Türmen noch mehr Eleganz, als ihre schlanke Formen ohnehin schon an Schönheit ausstrahlen. Die wohl meist fotografierte Brücke der Welt war am Sonntag - wie ein Model auf dem Laufsteg - pausenlos im Rampenlicht. Als beim nächtlichen Feuerwerk silberner Regen wie ein Wasserfall über das Geländer schoss, gab es Wow-Rufe und Applaus.

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Eine Nacht lang Party: Am 27. Mai 2012 wurde der 75. Geburtstag der Golden Gate Bridge in San Francisco ausgiebig gefeiert.

"Wie neu sieht sie aus", begeisterte sich Michael Hess aus Lohr am Main für die Golden Gate in der Bucht von San Francisco. Bei einer Rundreise durch Kalifornien sei er mit seiner Familie zufällig mitten in die Geburtstagsparty geraten. "Das ist eine super Baukunst", sagte Hess. Sie seien natürlich auch schon mit dem Auto über die Brücke gefahren. 75 Jahre nach der Einweihung genießt die Golden Gate Brücke immer noch den Ruf, ein einzigartiges Bauwerk zu sein, das nach Einschätzung Vieler gar nicht zu bauen war. Vor dem Spatenstich stritten sich die Experten, ob die tückischen Strömungen und der enorme Abstand zwischen San Francisco und dem gegenüberliegenden Marin-Bezirk überhaupt zu bezwingen seien. Am Ende setzte sich der Ingenieur Joseph Strauss mit seinem kühnen Konzept und Überzeugungskraft durch.

"Die Brücke war nicht nur 215 Meter länger als alle bestehenden Hängekonstruktionen, sie wurde zudem bei starken Strömungen, hohen Wellen, bei Wind und Nebel gebaut", erzählte Paul Giroux vom Bauingenieurs-Verband. Während der Feier stand er den Besuchern Rede und Antwort. Strauss sei damals von seinem "Meisterwerk" fest überzeugt gewesen. "Sie wird für immer stehen", soll er bei der Einweihung 1937 getönt haben. "Bei guter Pflege wird sie sicher noch weitere 75 Jahre halten", prophezeite Giroux. Daran ist Dennis "Rocky" Dellarocca beteiligt, der seit 28 Jahren die Brücke mit Farbe in Schuss hält. "Ich bin stolz, hier dabei zu sein, das ist fast wie der eigene Geburtstag", sagte der Maler, der inzwischen ein Team von 40 Arbeitern leitet.

Die Brücke der Selbstmörder

Die berühmte Brücke ist auch ein Magnet für Lebensmüde. 1558 Menschen sprangen hier von 1937 bis 2012 in den Tod.

Für David Hull und seine Frau Jean gab es jedoch nichts zu feiern. 2003 war ihre damals 26 Jahre alte depressive Tochter Kathy von der Brücke 70 Meter tief in den Tod gesprungen. "Ich bin mir sicher, hätte die Golden Gate Brücke ein höheres Geländer, dann wäre meine Tochter heute noch hier", sagte Hull. Er engagiert sich mit dem Verein "Bridge Rail Foundation" dafür, eine Auffangvorrichtung für Selbstmörder zu installieren. Nach offiziellen Angaben haben sich seit 1937 auf der Golden Gate 1558 Menschen das Leben genommen, die Dunkelziffer ist weitaus höher, vermutete Hull. 1558 Paar Schuhe hatten die Angehörigen der Suizidopfer am Sonntag als Mahnmal nebeneinander aufgereiht. Als Künstlerin sei seine Tochter möglicherweise von der "wunderschönen Konstruktion mitten in der schönsten Lage" angezogen worden, sagte Hull.

Das erste Opfer sprang drei Monate nach der Eröffnung über das nur brusthohe Geländer in den Tod. Bis zu 40 Menschen sollen jedes Jahr sterben, die genauen Zahlen werden nicht bekannt gegeben. Seit Jahrzehnten wird der Bau einer Schutzvorrichtung diskutiert. Nach den jüngsten Plänen will die Brückenverwaltung an dem Geländer ein Fangnetz aus Stahl anbringen, allerdings fehlen noch geschätzte 45 Millionen Dollar. Ausgerechnet am Golden-Gate-Geburtstag wurde unweit der Brücke die Leiche eines Mannes im Wasser gefunden, berichtete der "San Francisco Chronicle". Vermutlich das jüngste Opfer der "Red Lady", erklärten die Behörden.

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