Sandsturm-Unfall auf der A19

Sandsturm-Unfall auf der A19

— 20.04.2011

War der Horror-Crash vermeidbar?

Es waren apokalyptische Bilder: Acht Menschen starben beim Horrorunfall in einem Sandsturm auf der A19 bei Rostock. Nach NDR-Informationen hatten die Behörden die Gefahr auf den angrenzenden Feldern offenbar unterschätzt.

Der Sandsturm-Unfall am 8. April 2011 auf der Autobahn 19 bei Rostock hatte möglicherweise verhindert werden können. Nach Informationen des Norddeutschen Rundfunks (NDR) war das Feld neben der Fahrbahn im Erosionskataster des Landes nur in der zweitniedrigsten Gefahrenstufe eingetragen. Danach mussten keine Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Experten kritisierten diese Einstufung im NDR. Auf dem Feld habe es ein lockeres Gemisch aus mehreren Sandarten gegeben. Zudem sei die Fläche sehr groß und eben gewesen – also windanfallig. Fachleute regen nun eine Überprüfung der Erosionskataster an. Bei dem Unfall am 8. April waren acht Autoinsassen ums Leben gekommen und 131 verletzt worden. Mehrere Hundert Menschen kamen zum Trauergottesdienst nach Rostock. Auf der Strecke gilt jetzt ein Tempolimit von 100 km/h.

Kurzinterview mit Agrarexperte Mathias Grünwald

"Es liegt Einiges im Argen auf den Äckern", sagte Mathias Grünwald, Professor für Landwirtschaftsarchitektur, im Interview.

AUTO BILD: Sind Sandstürme auf Feldern und Autobahnen bekannte Phänomene?
Grünwald: Dass unbedeckter Boden bei Trockenheit weggetragen wird, gehört zum Erfahrungsschatz der Bauern seit der Jungsteinzeit. Sinnvoll ist der Anbau einer Zwischenfrucht, die im Winter den Boden bedeckt und dann als Gründünger untergepflügt wird. Wo jetzt Winterweizen oder -raps wächst, gibt es das Erosionsproblem nicht. Gegen Winderosion helfen auch Strauchhecken. Gehen diese schützenden Hecken nicht zu Lasten der Nutzfläche? Sie machen den Flächenverlust mehr als wett. Erträge auf eingefriedeten Flächen sind besser, weil der Humus gehalten wird und die Luft- und Bodenfeuchtigkeit im Windschatten der Hecken größer ist. Das macht den Boden ertragreicher. Schädlingsfeinde finden in den Hecken ein Refugium. Warum macht das niemand? Hecken wie Winterbegrünung verursachen Kosten und Arbeit. Das ist der Grundkonflikt: Will ich nachhaltige Landwirtschaft betreiben, oder bin ich auf Profitmaximierung aus? Die Landwirtschaft ist bei uns vorwiegend an Großflächen interessiert, die sich gut bearbeiten lassen. Jetzt haben wir die Kehrseite davon gesehen. Auf den Äckern liegt einiges im Argen.

Mathias Grünwald ist Professor für Landschaftsarchitektur an der Hochschule Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern).

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