Sanierungskurs bei VW

Sanierungskurs bei VW

— 10.05.2006

"Schließungen? Logisch!"

Laut VW-Boss Wolfgang Bernhard gibt es für 1200 Beschäftigte in Wolfsburg demnächst keine Arbeit mehr. Der Betriebsrat wehrt sich.

VW-Chef Wolfgang Bernhard will trotz Gegenwinds aus dem Betriebsrat am Sanierungskurs für die Wolfsburger Kernmarke keine Abstriche machen. Es gebe bei VW Bereiche, die nicht wettbewerbsfähig seien. "Daran hat sich nichts geändert", sagte Bernhard. Auf die Frage, ob damit weiterhin auch die Schließung von unrentablen Teilbereichen in Frage komme, sagte Bernhard: "Ja, logisch." Ihm liege nicht an Konfrontation mit den Arbeitnehmern, ihre Einsicht in die Notwendigkeit der Sanierung sei wichtig. Bis zum Jahresende müsse aber eine Einigung erreicht sein, sagte er.

Die Neuordnung wird in jedem Fall Jobs kosten. So fallen durch das Auslaufen der Produktion des aktuellen Golf Variant im Stammwerk in Wolfsburg demnächst 1200 Stellen weg. Der Nachfolger des Kombi-Golf soll im mexikanischen Werk Puebla gebaut werden. "Im Moment gibt es für diese Leute keine Arbeit", sagte Bernhard. Der Betriebsrat reagierte umgehend auf die Äußerungen Bernhards und sprach von einem "Armutszeugnis" für den Vorstand. "Diese Situation ist genau so wenig überraschend gekommen wie Weihnachten", hieß es.

Betriebsratschef Bernd Osterloh wies darauf hin, daß VW sich verpflichtet habe, bis 2011 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. "Die Aussage von Dr. Bernhard konterkariert die Vorstellungen des Vorstandes, pauschal die 35-Stunden-Woche einführen zu wollen", wird Osterloh zitiert. Offensichtlich gebe es mit der 28,8-Stunden-Woche nicht genügend Arbeit für die Beschäftigten. Vor einigen Monaten schon hatten Äußerungen von Bernhard über eine mögliche Schließung unrentabler Bereiche Streit mit dem Betriebsrat ausgelöst. Volkswagen stellt im Zuge der Neuordnung bis zu 20.000 Arbeitsplätze in Frage – ein Fünftel der westdeutschen Belegschaft.

Bernhard machte deutlich, daß auch die jüngst gestiegenen Verkaufszahlen der Marke VW kein Grund für ein Aufweichen des Sanierungskurses seien. In den ersten vier Monaten verkaufte die Marke weltweit 1,077 Millionen Fahrzeuge. Das seien 14,5 Prozent mehr als vor Jahresfrist, teilte VW mit. Im April seien weltweit 281.000 Fahrzeuge der Marke verkauft worden, ein Plus von 10,9 Prozent.

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