Sanierungspläne bei VW

Sanierungspläne bei VW

— 14.02.2006

Fabriken mit Fragezeichen

VW-Markenvorstand Bernhard bezeichnet die Lage als ernst: Unrentablen VW-Fabriken droht das Aus. Der Betriebsrat ist empört.

Der Ton zwischen VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard und den Arbeitnehmern verschärft sich. "Einfach Tafelsilber zu verscherbeln hat nichts mit intelligentem Management zu tun", kritisierte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh. Bernhard hatte zur Sanierung der Volkswagen-Kernmarke auch Schließungen von Betriebsteilen ins Gespräch gebracht. Statt Komponentenwerke zu schließen, könne VW auch Partner für diese Standorte finden. Die Chancen, einen Interessenten für die Komponentenwerke zu finden, werden in der Branche allerdings als gering angesehen – immerhin haben die Beschäftigen einen VW-Arbeitsvertrag, der um bis zu 20 Prozent über dem Flächentarif liegt.

Konzern-Chef Bernd Pischetsrieder hatte am Freitag (10. Februar) erklärt, ein Verkauf von Werken stehe zur Zeit nicht an. Die Komponentenfertigung werde aber neu geordnet. VW baut im Gegensatz zu anderen Herstellern Sitze, Achsen, Dämpfer oder Abgasanlagen noch selbst. "Wir alle sind gefordert", betonte Bernhard in der Mitarbeiterzeitung "autogramm". Die westdeutschen VW-Werke hätten 2005 einen hohen dreistelligen Millionenverlust eingefahren. Ein Ausgleich habe für die Marke nur erreicht werden können, weil andere Unternehmensteile dieses Defizit ausgeglichen hätten.

"Die Lage ist ernst", sagte Bernhard. Für Bereiche, die weit von einer Wettbewerbsfähigkeit entfernt seien, müsse die Schließung ins Auge gefaßt werden. "Es kann nicht unser Ziel sein, langsam niederzugehen wie Wettbewerber in den USA." Bernd Pischetsrieder hatte eine tiefgreifende Restrukturierung von VW angekündigt, von der bis zu 20.000 Beschäftige betroffen sein könnten. So soll die Produktivität auf das "internationale Maß" gebracht werden. Für die Beschäftigten könnte dies die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche bedeuten. Derzeit gilt in den westdeutschen VW-Fabriken die Vier-Tage-Woche mit einer Regelarbeitszeit von 28,8 Stunden.

Erwogen wird offenbar auch, den Haustarif durch das Modell Auto 5000 zu ersetzen. Die dort Beschäftigten bauen den VW Touran und erhalten 2556 Euro für bis zu 42 Stunden Arbeit pro Woche. Die nach dem Haustarif bezahlten Mitarbeiter erhalten dieselbe Summe für 28,8 Stunden Arbeitszeit. Betriebsratschef Osterloh rief das VW-Management zu Fairneß auf: "Die Belegschaft ist kein Kaninchen, das ängstlich und gelähmt vor der Schlange hockt, sondern will hoch erhobenen Hauptes die eigene Zukunft mitgestalten", sagte er.

Unterdessen wies Porsche-Chef Wendelin Wiedeking darauf hin, daß Einschnitte nicht die einzige Möglichkeit zur Sanierung seien. "Man kann sich gesundschrumpfen – oder den Angriff wagen", sagte er der "Automobilwoche". Er wolle mithelfen, das Problem der Überkapazitäten "mit neuen Ideen" zu lösen. Porsche ist größter VW-Aktionär.

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