Sanktionen gegen Fahrradrüpel

— 01.02.2013

Höhere Bußgelder für Radler geplant

Rüpel-Radler sollen künftig tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. Das wird viele Autofahrer freuen, doch auch auf sie warten höhere Bußgelder, wenn sie Radler behindern oder gefährden.



(dpa) Die Verkehrswege in deutschen Städten sind für alle da – im Prinzip. Autofahrer, Radler und Fußgänger sollen Rücksicht nehmen und sich nicht gefährlich in die Quere kommen. Doch Ärger kocht leicht hoch. Wenn im Dunklen plötzlich ein Schatten auf zwei Rädern über eine Kreuzung schießt, kann es schnell brenzlig werden. Experten sind wegen rüpelhafter Radler alarmiert. Nun sollen höhere Geldbußen Rowdys zur Räson bringen, und zwar auch auf vier Rädern.

Das soll im Bußgeldkatalog geändert werden

Fahren ohne Licht: Statt zehn Euro sollen dafür bald 20 Euro fällig werden.

Auf Initiative der Länder sollen bestimmte Verstöße für Radler "moderat" um fünf oder zehn Euro teurer werden. Fahren ohne Licht soll zum Beispiel bald 20 Euro kosten und damit doppelt so viel wie bisher. Fürs Radeln durch die Fußgängerzone werden 15 statt zehn Euro fällig. Das Ziel laute, "die Fahrt mit dem Verkehrsmittel Fahrrad sicherer und damit auch attraktiver werden zu lassen", heißt es in der Empfehlung der zuständigen Bundesrats-Ausschüsse. Erwartet wird, dass das Plenum der Länderkammer sie am 1. Februar 2013 beschließt. Das Bundesverkehrsministerium hat schon angekündigt, die Änderungen dann auch umsetzen zu wollen. Geplantes Inkrafttreten: 1. April 2013.

So gefährlich sind Radler im Verkehr

Klagen über "Kampfradler" oder "Rüpelradler" sind zuletzt lauter geworden. "Kaum ein Radler fährt mit vorgeschriebener Beleuchtung, kaum ein Radler kümmert sich um Fahrtrichtung oder um Ampeln", schimpfte erst kürzlich der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar, Kay Nehm. Die "offensichtliche behördliche Duldung lebensgefährlicher Verhaltensweisen" vieler Fahrradfahrer sei ein Skandal.
Aktuelle Bußgelder für Radfahrer
Radfahrer kommen bei Verstößen bislang meist glimpflich davon. Die "Höchststrafe" liegt bei 350 Euro Bußgeld, wenn ein Bahnübergang trotz geschlossener Schranke überquert wird. 180 Euro sind zu zahlen, wenn es beim Überfahren einer roten Ampel zum Unfall kommt. Ist die Ampel länger als eine Sekunde rot, gibt es obendrauf einen Punkt in Flensburg. Telefonieren auf dem Rad kostet 25 Euro. Die Nichtbenutzung des vorhandenen Radwegs und das Fahren gegen die Einbahnstraße schlagen mit jeweils 15 Euro zu Buche. Die Missachtung des Zebrastreifens kostet 40 Euro, freihändig fahren 5 Euro.
Nach Ansicht des Radfahrerverbandes ADFC verstoßen Fahrradfahrer nicht häufiger gegen Verkehrsregeln als Autofahrer. "34 Millionen Menschen fahren fast täglich Fahrrad. Selbstverständlich benehmen sich die allermeisten davon im Verkehr sehr vernünftig", sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork nach Verbandsangaben. In der Summe begingen Radler nicht mehr Verkehrsverstöße als Autofahrer. Die Länder verweisen darauf, dass etwa jeder zehnte Verkehrstote in Deutschland ein Radler sei – auf zwei Rädern fehlt auch die Karosserie als Knautschzone wie im Auto.

Das soll sich für Autofahrer ändern

Allein die Radler ins Visier nehmen wollen die Länder nicht. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) begrüßte denn auch, dass zugleich Verstöße von Autofahrern teurer werden sollen, die Radler behindern oder gefährden. So soll das Zuparken von Radwegen zum Beispiel bald 20 statt 15 Euro kosten. Insgesamt seien die Anhebungen für Radler nun tatsächlich moderat, heißt es selbst beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club. Nicht erneut teurer werden schwere Vergehen wie Fahren über rote Ampeln. Hierfür wurde die Buße schon 2009 auf 45 Euro erhöht, dazu kommt ein Punkt in der Sünderkartei in Flensburg.

Höhere Bußgelder allein schaffen nicht mehr Sicherheit

Dass schon happigere Verwarngelder allein mehr Sicherheit bringen, glauben auch die Experten nicht. Wichtige weitere Elemente seien etwa Verkehrserziehung und Aufklärungskampagnen, sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU). Der Chef-Unfallforscher der deutschen Versicherungen, Siegfried Brockmann, mahnte auch mehr Kontrollen an – und warb für Polizeistreifen auf Fahrrädern. Nötig seien auch mehr Radwege, forderte VCD-Expertin Anja Hänel. Denn das Verkehrssystem sei immer noch maßgeblich auf Autos ausgerichtet.

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