Fünf Kompaktvans im Vergleich

Scénic gegen Touran, 307 SW, Zafira, Almera Tino Scénic gegen Touran, 307 SW, Zafira, Almera Tino

Scénic, Touran, 307 SW, Zafira, Almera Tino

— 16.07.2003

Mischt der Scénic die Szene auf?

Trendig wie Graffiti, nur viel praktischer: Kompaktvans. Die zweite Auflage des Renault Scénic trifft auf Nachahmer und Spätstarter. Liegt er gleich wieder vorn?

Kompakte Autos mit variablem Innenleben

Graffiti? Schmiererei! Die meisten jedenfalls. Gelegentlich aber entstehen durchaus Kunstwerke: schön anzuschauen, Farbe für den grauen Alltag. Eine größere Kunst jedoch ist es, kompakte Autos mit variablem Innenleben zu bauen. Bezahlbare Autos.

Renault hat damit 1996 angefangen, hat den Scénic erfunden und seitdem über zwei Millionen Mal gebaut. Jetzt kommt das Meisterstück in zweiter Auflage, ist inzwischen aber längst nicht mehr allein auf der Szene.

Opel zum Beispiel räumt seit 1999 mit dem Zafira ab (über eine Million Mal gebaut), seit März dieses Jahres ist auch VW mit dem Touran dabei. Bei beiden handelt es sich wie beim Nissan Almera Tino (seit Juli 2000 bei uns über 46.000-mal verkauft) um lupenreine Vertreter der Kompaktvan-Lehre. Peugeot dagegen hat nicht kopiert, sondern mit dem 307 SW (seit 2002 gebaut, bei uns über 17.000 Stück) einen Hochdach-Kombi mit der Inneneinrichtung eines Vans auf die Räder gestellt.

Scénic-Gestalter hatten Spaß bei der Arbeit

Neben dem neuen Scénic sehen alle anderen aber richtig alt aus, hier hatte der Gestalter so viel Spaß bei der Arbeit wie der Sprayer bei der Nachtschicht. Ob auch die Cockpit-Landschaft mit den digitalen Instrumenten in der Mitte mal Mode wird, wage ich aber zu bezweifeln. Egal, eine Kunst ist das schon: Obwohl der Scénic vorn spürbar enger ist als 307 und Touran, wirkt alles hier ausgesprochen luftig. Vergessen ist auch die Buslenker-Sitzposition des Vorgängers, das Steuerrad steht jetzt steiler, der Fahrer sitzt entspannt. Auf allerdings zu weichen Sesseln.

In der zweiten Reihe bietet nur der VW mehr Platz, das Thema Variabilität konnte Renault nicht mehr kreativ erweitern. Die Franzosen haben aber brav alle Hausaufgaben erledigt. Die drei Einzelsitze lassen sich falten, kippen, nach innen versetzen und ausbauen. Ähnlich wie bei VW, Peugeot und Nissan.

Kein Kunststück, aber solide Arbeit haben die Fahrwerks-Ingenieure abgeliefert. Der Neue fährt komfortabel, gleichzeitig agiler und handlicher als sein Vorgänger. Die Lenkung arbeitet präziser, vermittelt jedoch wenig Gefühl wie viele der derzeit so angesagten elektrisch unterstützten Lenkhilfen. Eine nicht ganz so gute Figur macht der 1,6-Liter-Benziner. Er kommt mit seinen 113 PS schwer in die Gänge und beschleunigt eher phlegmatisch. Einziger Vorteil: Er lässt nicht viel von sich hören, ähnlich leise geht es nur noch im Touran zu.

Nicht schön, aber praktisch – der VW Touran

Der VW (1480 Kilo) bringt etwa das Gewicht des Scénic auf die Waage (1470 Kilo), und auch sein 1,6-Liter trägt schwer an den vielen Pfunden. Mit den 115 PS tritt er ziemlich zurückhaltend an. Die sechs gut sortierten Gänge helfen da auch nicht mehr viel. Aber: Die FSI-Direkteinspritzung spart tatsächlich, an den Verbrauch von 8,0 Litern – allerdings Super plus – reicht nur der Nissan mit 8,1 Litern heran.

Da scheint sich ja ein neuer Trend durchzusetzen. Bestimmt nicht modisch sind dagegen die Kastenform des VW und sein biederes Cockpit. Dafür hat der Touran den mit Abstand geräumigsten Innenraum und das größte Ladeabteil (695 bis 1989 Liter). Und er darf mit 610 Kilo viel mehr einpacken als alle anderen, immerhin satte 165 Kilo mehr als der Knauserigste in diesem Vergleich, der Scénic (445 Kilo).

Typisch VW: Die Trends setzen andere, aber niemand tüftelt dann so lange daran herum. Der Touran fährt jedenfalls komfortabel, handlich und leichtfüßig wie kein anderer hier, die elektromechanische Lenkung liefert gute Rückmeldung.

Zafira bietet stärksten Motor im Vergleich

Nur im direkten Vergleich mit dieser Präzision wird deutlich: Der Zafira ist in die Jahre gekommen. Er fährt bestimmt nicht unhandlich, erreicht aber die Agilität des VW eindeutig nicht. Der Opel liegt straff, federt harscher, in Extremsituationen reagiert das ESP weniger sensibel als beim Touran.

Aus der Mode ist der Zafira deshalb noch lange nicht. Sein Motor zum Beispiel spielt locker den Vorteil des größeren Hubraumes aus. Der 1,8-Liter mit 125 PS läuft zwar etwas brummig, zieht aber am kräftigsten durch und ist deshalb im Alltag souveräner als die kleineren 1,6-Liter. Mehr, als es die Messwerte aussagen. Schade nur, dass er mit 9,9 Litern/100 km altmodisch viel verbraucht.

Absolut zeitgemäß ist dafür immer noch sein geniales Sitzkonzept mit der verschieb- und klappbaren Sitzbank in der Mitte und den zwei serienmäßigen Klappsitzen in der dritten Reihe. Diese Raffinesse tröstet fast darüber hinweg, dass der Opel merklich enger ist als VW und Renault, schmaler vor allem.

Peugeot übertreibt es mit der Härte

Im Vergleich überrascht zudem, wie viel Platz Peugeot dem 307 SW mit auf den Weg gegeben hat. Vorn zumindest, nur der VW ist geräumiger. Außerdem sorgt das riesige Panorama-Glasdach im 307 für Open-Air-Atmosphäre. Ganz serienmäßig.

Im Fond hört der Spaß dann allerdings auf, hier geht es spürbar knapper zu als in Touran, Scénic und Opel. Und die drei zierlichen, schmalen Einzelsitze sind – ähnlich wie in Scénic und Almera Tino – nur für Heranwachsende wirklich bequem.

Voll im Trend liegt der Peugeot dann wieder mit seinem limousinenmäßigen, knackigen Fahrverhalten – ein Vorteil seines Konzepts. Allerdings haben die Franzosen mit der Härte übertrieben: Der 307 federt mürrisch, auf schlechten Strecken poltert es heftig. Viel kultivierter benimmt sich der Motor, läuft weich und über einen weiten Drehzahlbereich leise. Auch dieser 1,6-Liter geht aber mit dem Druck einer leergesprühten Farbdose ans Werk, die 109 PS reichen nur für bescheidene Fahrleistungen.

Nissans Almera Tino fährt sich träge

Einen Tick mehr Temperament entwickelt der 1,8-Liter im Nissan bei der Arbeit. Der 115-PS-Motor ist ein braves, unauffälliges, brummiges Aggregat, das wie alle anderen Benziner hier die Sehnsucht nach einem durchzugsstarken Diesel weckt.

Nicht mehr auf dem Stand der Technik ist das Fahrverhalten des Almera Tino. Er fährt sich gerade im Vergleich träge, die Lenkung spricht zäh an. Und als Einziger bringt er ESP nicht serienmäßig mit (520 Euro Aufpreis). Dabei ist es unbedingt zu empfehlen. Ohne das System bewältigt der Nissan zum Beispiel den VDA-Ausweichtest nur auf niedrigem Niveau. Die positive Seite des weichen Fahrwerks: eine ausgewogene Komfort-Federung.

Eine Auffrischung könnte das leicht antiquiert wirkende Tino-Interieur gebrauchen. So grobporiges Hartplastik ist eindeutig aus der Mode. Und mag das noch Geschmackssache sein, die Platzverhältnisse sind es nicht: Der Nissan zwickt vorn ähnlich stark wie der Zafira, geht hinten eher als Micro- denn als Kompaktvan durch. Kofferraum und Zuladung liegen knapp über dem Scénic.

Richtig Punkte sammelt der Nissan dann beim Preis, mit seinen 17.860 Euro ist der Basis-Tino schon um 740 Euro günstiger als der nächste, der Renault Scénic für 18.600 Euro. Knapp dahinter der Peugeot 307 SW mit 18.950 Euro. Die Deutschen, wie immer, am teuersten: Der Opel Zafira 1.8 steht mit 20.395 Euro in der Liste, der VW Touran FSI mit 21.100 Euro ganz oben. Und das ist keine Kunst.

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Fünf Vans im Test – welcher ist Ihr Favorit?

Testwerte sind harte Fakten, an denen nicht zu rütteln ist. Spätestens beim Design von neuen Autos scheiden sich aber bekanntlich die Geister. Ob ein Auto letztendlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst - also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig: Nehmen Sie sich einen Moment Zeit und vergeben Sie eigene Noten für den oder die Test-Teilnehmer. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Dirk Branke

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