Schadenregulierung

Tuning mit Recht

Schadenregulierung

— 24.03.2003

Tuning mit Recht

Bei veredelten Autos dürfen die Reparaturkosten nach einem Unfall den Wiederbeschaffungswert überschreiten, sagt Verkehrsanwalt Günter Göppl.

Wertfaktoren und Integritätsinteresse

Tagtäglich werden Sachschäden durch Unfälle nach folgender Regel abgewickelt: Das Auto des Geschädigten wird in den Zustand versetzt, in dem es vor dem Unfall war. Voraussetzung: Die Reparatur ist technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Grundsätzlich hat der Geschädigte Anspruch auf Ersatz der von einem Gutachter konkret nachgewiesenen und tatsächlich entstandenen Reparaturkosten. Aber was ist, wenn das Auto durch Tuning aufgewertet wurde?

Wichtig: Nennen Sie dem Sachverständigen alle am Fahrzeug vorgenommenen Veränderungen – es könnten "wertbildende Faktoren" sein. Ob der Wagen als Totalschaden abgeschrieben werden muss, weil die Reparaturkosten den Zeitwert übersteigen, entscheidet der Sachverständige. Aber: Im Einzelfall können die Instandsetzungskosten auch dann noch beansprucht werden, wenn sie den Wiederbeschaffungswert um bis zu 30 Prozent übersteigen. Dazu muss der Geschädigte ein "hohes Interesse" an seinem Fahrzeug dokumentieren.

Das heißt: Er zieht eine Reparatur vor, weil ihm sein vertrautes Fahrzeug lieber ist als gleichwertiger Ersatz. Dieses so genannte "Integritätsinteresse" ist immer dann relevant, wenn der Geschädigte zum Beispiel wegen bestimmter Tuning-Maßnahmen oder Sonderausstattungen die Reparatur wünscht. Der dreißigprozentige Zuschlag setzt allerdings voraus, dass der Geschädigte die Reparatur (von Profis und fachgerecht ausgeführt ) tatsächlich durchführen lässt. Und er muss dieses – zum Beispiel durch eine Rechnung – beweisen können.

Rat vom Tuning-Rechtsexperten

Der Restwert des Autos wird durch die 130-Prozent-Grenze nicht angetastet. Das heißt: Die Reparaturkosten sowie der verbleibende Minderwert werden ins Verhältnis gesetzt zum Wiederbeschaffungswert ohne Abzug des Restwertes. Übrigens: Selbst die beschriebene 30-Prozent-Barriere gilt nicht als starre Grenze. Es ist vielmehr ein Richtwert, der im Einzelfall auch überschritten werden kann. Denn nach einer Entscheidung des OLG Dresden (Az. 6 U 2824/00) ist der Integritätszuschlag auch dann zu bezahlen, wenn die Reparatur nach gutachterlicher Schätzung mehr als 130 Prozent des Wiederbeschaffungswertes kosten würde, die Reparatur aber tatsächlich mit einem Kostenaufwand von weniger als 130 Prozent durchgeführt worden ist.

Das alles gilt nur, wenn das Auto nach der Reparatur auch wieder genutzt und nicht sofort verkauft wird. Das Reparaturrisiko trägt im Übrigen grundsätzlich der Schädiger. Das bedeutet, dass dann, wenn die tatsächlich durchgeführte Reparatur des Fahrzeugs Kosten verursacht, die über dem vom Sachverständigen ermittelten Betrag liegen, vom Unfallverursacher der volle Geldbetrag zu bezahlen ist.

Günter Göppl (42), Rechtsanwalt aus Leonberg, hat sich auf Verkehrsrecht spezialisiert und wird in AUTO BILD test & tuning künftig über Themen rund um "Tuning und Recht" berichten. Er ist seit 1990 als Rechtsanwalt zugelassen und vertretungsbefugt bei allen Amts- und Landgerichten. Göppl ist Vertrauensanwalt des AvD sowie Mitglied der Arbeitsgemeinschaften Verkehrsrecht und Strafrecht. Wer eine Rechtsfrage in Sachen getuntes Fahrzeug oder Verkehrsrecht hat, kann sich auch direkt per E-Mail an ihn wenden: g.goeppl@rhs-partner.de

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