Taxi Shanghai

Schanghai: Erfahrungsbericht

— 21.04.2013

Unterwegs auf den Straßen von Schanghai

Rotzende Fahrer, Staus und ständiges Gehupe – eine Taxifahrt durch Schanghai ist anstrengend und zugleich erlebnisreich.

Schanghai – die Stadt der Superlative. Hier geht alles schneller als anderswo. Wo vor wenigen Jahren noch kahle Felder waren, stehen jetzt Wolkenkratzer. Am Fluss Bund, dem Wahrzeichen der Stadt. Und es werden immer mehr. Eine Mischung aus Manhattan und Dubai. Aber der normale Chinese kommt bei dem Tempo nicht mit. Porsche, Ferrari, Bentley teilen sich die überfüllten Straßen mit Elektrorollern, Elektrorädern, hoch bepackten Dreirädern, Handkarren und Fußgängern, die auf der Straße um ihr Leben laufen.

Skyline von Schanghai: Nicht immer sind die Aussichten so gut – Smog ist in der chinesischen Metropole ein großes Problem.

Grün? Na und! Ich bin stärker. Überwege haben nicht einmal Empfehlungscharakter, Ampeln – na ja, bloß auf nichts verlassen. Und überall kreuzen die zweifarbigen Taxis. Unten silber, oben gelb, grün, rot, blau, braun. Meist VW Santana – wir erinnern uns mit Schrecken. Wer im Taxi ans Ziel kommen will, muss selbiges in chinesischen Schriftzeichen mit sich führen. Die Fahrer sprechen keine lebende Sprache. Und auch das aufgeschriebene Ziel reicht nicht immer aus. Da keiner sein Gesicht verlieren will, wenn er zugibt, das Ziel nicht zu kennen, fahren sie erst einmal los.

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Keiner weiß Bescheid, aber alle machen mit. Mein Chauffeur zieht ständig den Rotz hoch und spuckt im hohen Bogen aus dem fahrenden Auto. Er hat nur eine Hand frei – mit der anderen muss er hupen. Das am meisten strapazierte Teil in chinesischen Autos. Seine Hupe ist schon völlig heiser, klingt wie ein ermattetes Kalb auf der Suche nach Mutti. In vermeintlicher Zielnähe werden andere Taxifahrer befragt, die aber auch nicht von hier zu sein scheinen. Ist halt 'ne große Stadt. Und von unten sehen die Wolkenkratzer auch noch gleich aus. Erst eine Polizistin in adretter Uniform auf dem Elektroroller mit den Insignien der Macht (Blaulicht, Funkgerät, Gummiknüppel) weiß Bescheid. Als Dank wird sie 100 Meter später weg gehupt, weil sie zu langsam rollert.

Wir sind am Ziel. 70 Yuan stehen auf dem Taxameter (den gibt's tatsächlich), knapp zehn Euro. Trinkgeld ist weder im Restaurant, noch hier üblich. Ich zahle 70 Yuan – aber er gibt mir 20 zurück! Weil er so durch die Gegend geirrt war. Ich staune. Taxi-Irrfahrten habe ich in Deutschland auch schon einige erlebt – aber auf Geld hat da noch niemand verzichtet. Manche Sitten haben eben auch ihr Gutes: Er wollte wohl sein Gesicht nicht verlieren.

Autor: Joachim R. Walther

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