Scheibenversiegelungen im Test

Scheibenversiegelungen im Test Scheibenversiegelungen im Test

Scheibenversiegelungen im Test

— 19.12.2003

Ab in die Tonne!

Zwölfmal auf die Frontscheibe aufgetragen und ein eindeutiges Ergebnis: absolut ungeeignet.

Lotus-Effekt für die Scheibe

Wie wäre es denn einmal mit einem Besuch im botanischen Garten? Wir hätten da einen Pflanzentipp für Sie. Die Lotusblume. Die wächst im Teich und hat einen Trick drauf, auf den die Techniker neidisch wie Bolle sind: Ihre Blätter lassen Wasser und Schmutz glatt abperlen, bleiben so immer trocken und sauber. Diesen Trick nennen Wissenschaftler Lotus-Effekt und versuchen ihn unter anderem auf Autoscheiben zu kopieren.

Die Grundidee solcher Beschichtungen überzeugt: Bei Regen perlt das Wasser von der Frontscheibe ab, der Fahrtwind pustet es beiseite. Scheibenwischer ade. Theoretisch zumindest. Wir wollten aber wissen, wie der künstliche Lotus-Effekt in der Praxis funktioniert, und haben zusammen mit der DEKRA zwölf Scheibenversiegelungen im Labor und auf der Straße getestet.

Zwischen 4,90 Euro (Nanogate) und 39,99 Euro (Nanoplux) kosten die Scheibenversiegelungen im Handel. Die Anwendung ist denkbar einfach: Nach einer gründlichen Reinigung der Scheibe wird die Beschichtung per Tuch oder Schwamm aufgetragen, muss danach kurze Zeit trocknen. Das kann jeder selber machen. Teilweise bildet sich ein feiner Grauschleier auf dem Glas, der mit einem weichen Baumwolltuch wegpoliert wird.

Ein Trick mit Nachteil

Der gewünschte Effekt ist für alle zwölf Versiegelungen identisch: Sie sollen – genau wie die Lotusblume – das Wasser abperlen lassen, sodass der Fahrtwind es einfach wegpustet. Der Trick: Die Versiegelungen schmieren mikroskopisch kleine Löcher in den Scheiben zu und bauen eine spezielle Oberfläche mit Abperleffekt auf.

Im Test schafften elf von zwölf Mitteln freie Sicht. Nur Star Clean fiel durch. Erst bei einer Geschwindigkeit jenseits der 100 km/h weht der Fahrtwind das Wasser beiseite. Bei anderen Mitteln, wie "Rain away", "Rain-X"und "Nanogate duo sachet", reichten bereits 60 km/h. So weit, so gut.

Oder besser so schlecht! Denn erstens fährt man viel in der Stadt, also unter 60, und zweitens reicht der Effekt nicht aus, den Scheibenwischer komplett zu ersetzen. Und hier hakt ein generelles Problem ein: Scheibenwischer brauchen zum einwandfreien Funktionieren einen Wasserfilm auf der Scheibe. Genau der wird aber durch die Versiegelungen zerstört.

Blendendes Ergebnis, düsteres Fazit

Wischt der Gummi also über eine versiegelte Frontscheibe, passiert Folgendes: Er zerdrückt und zerquetscht die großen Tropfen zu Abertausenden winzig kleinen, schmiert diese großzügig über das Sichtfeld des Fahrers. Vor allem nachts im Gegenlicht ergibt das ein blendendes Ergebnis. Der Fahrer blickt nicht mehr durch eine saubere Scheibe, sondern auf eine verschmierte, undurchsichtige Wand. Folglich heißt unser Ergebnis für alle zwölf Versiegelungen: Unbrauchbar – ab in die Tonne damit!

Fazit Finger weg von diesen Versiegelungen. Sie machen alles nur noch schlimmer, sind ihr Geld nicht wert. Dabei ist die Idee, den Lotus-Effekt auf Windschutzscheiben zu kopieren, prinzipiell interessant. Aber noch sind die Mittel nicht ausgereift und funktionieren in der Praxis mehr schlecht als recht. Das musste auch BMW Ende der 90er Jahre feststellen. Das 8er Coupé wurde damals mit einer ähnlichen Beschichtung auf der Windschutzscheibe geliefert. Nach schlechten Erfahrungen der Kunden, verzichten die Münchener heute darauf.

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