Scheibenwischer

Scheibenwischer wechseln

— 09.06.2016

Klare Sicht mit frischen Wischern

AUTO BILD erklärt, wie Sie Wischerblätter reinigen und pflegen. Dazu: eine Anleitung, wie Scheibenwischer am besten gewechselt werden.

Ratternde, rubbelnde oder quietschende Scheibenwischer sind störend, Wischer die schmieren oder Schlieren auf der Scheibe bilden, sogar riskant. Bei der Autopflege dürfen die Scheibenwischer daher nicht vergessen werden. Denn ob Sommer oder Winter, die Wischer müssen bei jedem Wetter und Tempo zuverlässig funktionieren. Wenn Schlieren beim Wischen auf der Frontscheibe so groß werden, dass die Sicht eingeschränkt ist, bedeutet das eine Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer.

Gut gepflegt heißt länger haltbar

Mit einem Lappen und Spülmittel ist das Säubern der Wischer schnell erledigt.

Das Reinigen der Scheibenwischer ist kein großer Aufwand. Die Wischerblätter regelmäßig von der Scheibe anheben und mit einem feuchten Baumwolltuch und etwas Spülmittel oder Autoshampoo abwischen. Bei hartnäckigem Schmutz hilft ein Küchentuch mit unverdünntem Frostschutzmittel für die Scheibenwaschanlage. Lösungsmittel wie Verdünnung oder Benzin sind ungeeignet, denn sie greifen das Gummi der Wischerblätter an. Da regelmäßige Pflege die Lebensdauer der Wischer erhöht, empfiehlt es sich zusätzlich einmal im Vierteljahr die Wischerlippen mit Silikonspray einzusprühen. So bleibt das Gummi geschmeidig und wird nicht so schnell porös.

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Alternativ zu den Haushaltsmitteln finden sich im Zubehörhandel spezielle Pflegesets für Scheibenwischer, die neben einem speziellen Reiniger auch ein kleines Schwämmchen enthalten. Doch die genannten Haushaltsmittel eignen sich zum Reinigen ebenso gut. Außerdem werden im Fachhandel sogenannte Riefenentferner angeboten. Sie lassen sich von Hand über das Wischerblatt ziehen, um diese – je nach gewähltem Aufsatz – zu reinigen, zu enteisen oder nachzuschleifen. Letzteres soll Riefen und damit das Entstehen von Schlieren beim Wischen verhindern. Tatsächlich dürfte sich die Lebensdauer der Wischer damit etwas verlängern. Allerdings ist zu bedenken, dass beim Schleifen des Gummis jedes Mal Material abgetragen wird. Der Effekt ist daher nur von kurzer Dauer.
Nicht nur die Scheibenwischer, auch die Scheibe selbst sollte regelmäßig von Schmutz und etwaigen Insektenresten gesäubert werden, damit die Wischerblätter nicht unnötig strapaziert werden. Wenn das alles nichts hilft, müssen neue Wischer her. Und auch das ist kein großer Aufwand. Selbst Ungeübte können den Job erledigen. Wie der Wechsel von Wischerblättern mit den unterschiedlichen  Systemen funktioniert, zeigen wir in der Bildergalerie.

Scheibenwischer wechseln: So klappt es

Wichtig beim Wischerwechsel: Niemals Gewalt anwenden und mit Vorsicht arbeiten. Denn wenn ein angehobener Wischerarm aufgrund des Federmechanismus gegen die Scheibe schnellt, kann diese beschädigt werden oder gar springen. Insbesondere wenn kein Wischerblatt montiert ist und der Metallarm gegen die Scheibe knallt. Vor der Demontage der alten Blätter müssen die Wischerarme bei vielen modernen Autos in die sogenannte Service-Stellung gebracht werden, bevor sie sich anheben lassen. Das funktioniert bei vielen Modellen über den Bordcomputer (siehe Betriebsanleitung des Autos), oder über einen kleinen Algorithmus, wie etwa beim Golf VI: Zündung einschalten • Zündung wieder ausschalten ohne dabei den Zündschlüssel abzuziehen • etwa drei Sekunden warten • Wischerhebel einmal nach unten antippen (1-mal-Wischen-Funktion). Nun fahren die Scheibenwischer in die Service-Stellung.

Zum Wechsel der Wischerblätter die Scheibenwischerarme anheben, so dass sie senkrecht zur Scheibe stehen. Vorsichtig den Scheibenwischer vom Arm lösen (die verschiedenen Systeme und Techniken erklärt die Bildergalerie oben). Wenn die Wischer sich nicht lösen, sachte hin und her bewegen. Im Zubehörhandel gibt es spezielle Abzieher, die die Sache erleichtern. Die neuen Scheibenwischer werden eingesetzt, indem sie von unten in die Halterung des Arms geschoben werden, bis sie mit einem hörbaren Klick einrasten. Danach den Wischer vorsichtig wieder auf die Scheibe aufsetzen, also nicht zurückschnappen lassen, um Schäden zu vermeiden. Bei herkömmlichen Scheibenwischern lassen sich auch nur die Wischergummis auswechseln, etwa sieben Euro werden für zwei Blätter fällig, die mit einem scharfen Messer auf die richtige Länge zugeschnitten werden müssen.

Kälte und Waschanlagen – Gefahren für den Scheibenwischer

Parkt das Auto bei frostigen Temperaturen im Freien, empfiehlt es sich die Scheibenwischer aufzurichten oder eine Folie über den Wischer zu ziehen, um ein Festfrieren der Blätter an der Scheibe zu verhindern.

Scheibenwischer sind bewegliche Teile und können daher abgerissen werden. Normalerweise gibt es keine Probleme mit Scheibenwischern in der Autowaschanlage, wenn man einiges beachtet: Die Wischer müssen in Ausgangsposition stehen und abgeschaltet sein. Sind sie während des Waschvorgangs in Betrieb oder nicht auf der üblichen Ruheposition kann es passieren, dass sie abgerissen werden. In manchen Waschstraßen erhält man günstig Halterungen, die die Wischer zusätzlich fixieren. Sie werden vor dem Einfahren in die Anlage angebracht. Zum Schutz der Heckscheibenwischer gibt es auch Plastiküberzüge. Sie verhindern, dass Borsten oder kleine Lappen sich im Wischerarm verfangen und ihn abreißen.

Bügel- oder Flachbalkenwischer

Regelmäßige Kontrolle des Wischergummis dient der Fahrsicherheit.

Jahrzehntelang im Einsatz muss der Bügelscheibenwischer inzwischen zunehmend dem Flachbalkenscheibenwischer weichen, der keine Metallgelenke mehr hat. Letzterer wird durch seine flache Form, anders als der Bügelscheibenwischer, bei Fahrtwind an die Scheibe gedrückt. Das bedeutet weniger Angriffsfläche für Luftströme und einer bessere Wischleistung bei hohen Geschwindigkeiten. Wischerarme mit Bügelwischer-Aufnahmen können mit einem Adapter auf das Flachbalkensystem umgerüstet werden. Hat das Fahrzeug aber serienmäßig Flachbalkenwischer können auch nur diese montiert werden. Im aktuellen ADAC-Test sicherten sich die modernen Balkenwischer die vorderen Plätze. Doch egal ob Bügel- oder Flachbalkenwischer: Zu empfehlen ist der Kauf eines Markenprodukts. Scheibenwischer der Marken Bosch oder SWF bieten für die meisten Fahrzeugtypen den passenden Wischer an, unter anderem den gelenklosen Flachbalken-Wischer Aerotwin (Bosch). Scheibenwischer dieser Firmen werden bei vielen Automodellen bereits ab Werk verbaut.
Scheibenwischertyp Funktionsweise
Bügelscheibenwischer Gelenke und Schienen bewirken die Anpassung an die Scheibenkrümmung; jahrzehntelang der Standardwischer, muss inzwischen zunehmend dem Flachbalkenscheibenwischer weichen. Bügelwischer können jedoch mit einem Adapter auf das Flachbalkensystem umgerüstet werden.
Flachbalkenwischer ohne Gelenke, wird durch seine flache Form bei Fahrtwind an die Scheibe gedrückt, dadurch optimales Wischergebnis auf der gesamten Fläche; eingebauter Spoiler, 30% höhere Lebensdauer.
Wischer mit Spoiler Der Spoiler am Mittelbügel wirkt ungefähr wie ein umgedrehter Flugzeugflügel; kaum Abhebekräfte auf der Beifahrerseite (bei Wischanlagen, bei denen beide Wischarme in die gleiche Richtung arbeiten), daher nur auf der Fahrerseite erforderlich; besonders gut für Fahrten bei hoher Geschwindigkeit.
Wischer ohne Spoiler Mit zunehmendem Tempo hebt der Fahrtwind den Wischer von der Scheibe ab; dadurch kein einwandfreies Wischen mehr möglich; gut nur bei geringen Geschwindigkeiten.

Scheibenwischerkauf: Qualität hat ihren Preis

Hier fehlt die Einsicht, dass der Durchblick fehlt. Neue Wischer müssen her.

Scheibenwischer erhält man überall dort, wo man Fahrzeugzubehör kaufen kann: Zum Beispiel in der Werkstatt, an der Tankstelle, im Zubehörhandel oder im Baumarkt. Welche Wischer zum jeweiligen Auto passen, steht auf der Verpackung. Die richtige Größe lässt sich auch über das Fahrzeugmodell bestimmen. Die Preisspanne beginnt bei etwa zehn Euro und geht bis rund 50 Euro. Von den ganz billigen Modellen sollte man die Finger lassen, stattdessen lieber günstige Scheibenwischer eines Markenherstellers nehmen. Die am besten getesteten Balkenwischer und Bügelwischer kosten um die 25 Euro.
Wischer in der Kältekammer: ADAC-Scheibenwischertest

Seit mehr als 100 Jahren im Einsatz

Seit 1903 sorgen Scheibenwischer für den richtigen Durchblick. Die Erfindung stammt übrigens von einer Frau, der Amerikanerin Mary Anderson. 1926 kam der Scheibenwischermotor hinzu, entwickelt von der Firma Bosch. Bis heute sind Funktionsweise und Aufbau von Scheibenwischern fast immer gleich und bestehen aus Wischerarm, Wischerblatt und Antrieb durch einen oder mehrere Elektromotoren, die sich permanent drehen. Die Kraft des Wischermotors wird meist durch ein Wischergetriebe übertragen. Dabei handelt es sich um ein Hebelgetriebe, das die Drehbewegung des Motors in eine oszillierende Bewegung der Wischerarme umwandelt.

Fast unverändert erfolgreich

Intervallschaltungen sorgen dafür, dass die Wischer bei wenig Feuchtigkeit nicht auf der Scheibe scheuern. Regensensoren erkennen, wieviel Regen oder Schnee auf die Scheibe fällt und steuern danach den Wischrhythmus. Seither gibt es jedoch keine weiteren nennenswerten Neuerungen im Bereich der Scheibenwischer – dafür jede Menge neuer Ideen. Mercedes hat 2012 mit der Magic Vision Control für den SL ein System entwickelt, bei dem das Wasser aus dem Wischerblatt durch winzige Öffnungen direkt vor der Wischlippe auf die Scheibe gesprüht wird. Bosch hat bei seinem sogenannten Jet Wiper statt in das Wischerblatt Wasserdüsen in den Wischerarm integriert. Bei dieser Konstruktion lassen sich – im Gegensatz zur Lösung von Mercedes – die herkömmlichen, vergleichsweise günstigen Wischergummis verwenden.
Geforscht wird auch an neuen Materialien für den Wischgummi, dessen Grafitanteil bislang die Haltbarkeit begrenzt. Gesucht wird auch nach neuen Lösungen für die Elektromotoren. Bislang werden vor allem sogenannte Rundläufermotoren eingebaut, bei denen man für die Hin- und Her-Bewegung des Wischers zusätzlich ein Gestänge braucht. Den dafür benötigten Platz würden die Autobauer gerne anderweitig nutzen und forschen daher an getriebelosen Systemen. Eine weitere derzeit erprobte Variante zur Scheibenreinigung: Vibrieren statt Wischen.

Autor: Brigitte Oesterle

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