Schlagloch-Beseitigung

Schlagloch-Beseitigung in Berlin

— 29.03.2010

Schlaglochflicker machen Straßen flott

Krater, Furchen, Risse: Der harte Winter hat vor allem für Autofahrer seine Spuren hinterlassen. AUTO BILD begleitet einen Straßenbautrupp bei seinem Kampf gegen Schlaglöcher.

Manche sehen aus wie Schuhe, andere wie Fische mit großen Flossen. Es gibt Seelandschaften und Mondkrater. Im Grunde haben Schlaglöcher nur eines gemeinsam: Keines von ihnen ist wie das andere. Tim Grolewsky (22) kennt alle Arten von Schlaglöchern. Er ist Straßenbauarbeiter und hat zurzeit einen der wichtigsten Jobs in Berlin: Er beseitigt die Winterschäden. Unter Fachleuten heißt es allerdings nicht Schlagloch, sondern "Ausbruch", erklärt Grolewsky. An guten Tagen schaffen er und seine drei Kollegen bis zu 30 Ausbrüche. Dann haben sie zehn Tonnen flüssigen Asphalt verarbeitet und 200 Meter Straße ausgebessert.

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Durch die Bauarbeiten entstehen Staus – viele Autofahrer reagieren genervt.

Ein Kampf gegen Windmühlenflügel. 40 Prozent des Berliner Straßennetzes sind marode, schätzen Experten. Macht gut 2,1 Millionen Meter, die dringend saniert werden müssten. Die 60 Bauteams in der Stadt stehen auf verlorenem Posten. Grolewsky kämpft trotzdem. Jede Woche. Von Montag bis Freitag. Morgens um halb sechs beginnt für ihn der Arbeitstag. Mit dem Lkw holt Mike Somann (40) im Süden der Stadt den flüssigen Asphalt und seine Kollegen ab. Ihr Revier ist der Bezirk Mitte. Um sieben Uhr kommen sie auf der Baustelle an. Die Bauarbeiter sperren einen Fahrbahnstreifen, im dichten Berufsverkehr bildet sich sofort ein Stau. Viele Autofahrer sind genervt, von Verständnis oft keine Spur. "Die werfen auch schon mal mit Müll oder beschimpfen uns", sagt Polier André Großer (48).

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Die Verarbeitung des flüssigen Asphalts ist eine schweißtreibende Angelegenheit.

Das würde er wenige Minuten später allerdings nicht mehr hören. Mit ohrenbetäubendem Lärm bricht er den alten Asphalt rund um die Ausbrüche mit einem Dampfhammer auf. Kollege Somann baggert das Loch aus. Dann muss es schnell gehen: Norman Plötz (31) bringt mit einem Handwagen den 230 Grad heißen Asphalt. Je mehr er auskühlt, desto schlechter lässt er sich verarbeiten. Und so verteilt Tim Grolewsky das flüssige Flickmaterial im Akkord in den Löchern. Straßenbau ist eine Knochenarbeit, schnell werden die Arme der Arbeiter schwer. Trotzdem gibt es keine Mittagspause, sie arbeiten bis 16.30 Uhr durch. Sonst würden sie ihr Pensum nicht schaffen. "Wir tun, was wir können, aber wir kommen im Moment nicht hinterher", sagt Verkehrsstadtrat Jens-Holger Kirchner. Täglich würden neue Schäden gemeldet. Nachdem der Frost den Boden zusammengehalten hat, zerbröselt jetzt alles.

Mehr als Flickschusterei sei wegen der Menge nicht drin. Wenigstens ist Geld für die Flickerei vorhanden. Der Senat hat zusätzlich 25 Millionen Euro für die Beseitigung der Schlaglöcher bewilligt. Trotzdem wird auch das nicht ausreichen. Der Städte- und Gemeindebund schätzt, dass Berlin 100 Millionen Euro braucht, um das komplette Straßennetz wirklich zu sanieren. Geld, das die Stadt nicht hat. Unseren Bautrupp stört das nicht. Seit Januar hat er rund 5000 Schlaglöcher beseitigt, bis zum Ende der Saison im Oktober werden es wohl weitere 10.000 werden. Für die verschiedenen Formen haben die Männer übrigens schon lange kein Auge mehr. Ob Seelandschaft oder Mondkrater: "Hauptsache ist doch", sagt Bauarbeiter Grolewsky, "dass die Straße schnell wieder in Ordnung kommt."

Fazit von AUTO BILD-Reporter Stefan Voswinkel: Respekt, ich ziehe meinen Hut vor den Straßenbauarbeitern dieser Republik. Kaum zu glauben, was sie täglich leisten – obwohl der Erfolg nicht von Dauer ist: Kaum sind die Straßen geflickt, tauchen neue Schlaglöcher auf. Auch wenn die öffentlichen Kassen leer sind: Es muss Geld für eine echte Sanierung der Straßen her. Sonst ist der tägliche Kampf der Arbeiter umsonst.

Autor: Stefan Voswinkel

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