Wendelin Wiedeking

Schlechte Porsche-Bilanz

— 19.06.2009

Verdunklung am Hexensabbat

Einige Tage war es ruhig um Porsche, jetzt geht es wieder rund. Schlechte Zahlen, viele offene Fragen und immer mehr Feinde für Wendelin Wiedeking. Immerhin überstand das Unternehmen den sogenannten Hexensabbat.

(dpa/cj) Der hoch verschuldete Sportwagen-Hersteller Porsche hat in den ersten neun Monaten seines Geschäftsjahres 2008/2009 (dauert noch bis Ende Juli) ohne seine VW-Beteiligung einen Rückgang bei Umsatz, Absatz und operativem Ergebnis verzeichnet. Der Umsatz sank im Vergleich zur Vorjahresperiode von August bis April um 15 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag (19. Juni 2009) in Stuttgart mitteilte. Der Absatz der Baureihen 911, Boxster/Cayman und Cayenne ging im Zuge der allgemeinen Branchenkrise um 27,6 Prozent auf 53.635 Einheiten zurück. Das operative Ergebnis lag unter dem Vorjahr. Auch für das gesamte Geschäftsjahr rechnet der Konzern im Vergleich zum Vorjahr mit einem geringeren Absatz und Umsatz. Dagegen sei das Ergebnis aus VW-Aktienoptionsgeschäften durch den hohen Kurs der VW-Stammaktie "deutlich angestiegen".

Viele Fragen, keine Antworten

Zu den wirklich akuten Fragen blieb Porsche dagegen am Freitag die Antworten schuldig: Wie hoch ist die Verschuldung nach der mehrheitlichen Übernahme von Volkswagen? Wie steht es um den Zusammenschluss mit Europas größtem Autobauer? Welche Risiken bergen die Optionsgeschäfte mit VW-Aktien? Wie ist der Stand der Gespräche mit dem finanzstarken Emirat Katar über einen Einstieg? Kommt der erhoffte Milliardenkredit von der staatlichen Förderbank KfW? Für die Börsianer war der Zwischenbericht von Porsche dann auch ein Non-Event. Sie warteten gespannt auf den Ausgang des sogenannten "Hexensabbat". So nennen die Händler den immer wiederkehrenden Tag, wenn Aktienoptionen massenhaft verfallen und die Kurse beeinflussen. An diesem Freitag waren es ungewöhnlich viele Optionen auf VW-Papiere, die ungenutzt auslaufen. Porsche ist gleich doppelt davon betroffen: Zum einen sind die Stuttgarter selbst viele derartige Geschäfte eingegangen, zum anderen sind sie mit knapp 51 Prozent größter Aktionär von VW und damit trifft sie jede Kursveränderung besonders hart.

Wiedeking droht Piëch und Huber

Unterdessen gerät Porsche-Chef Wendelin Wiedeking Medienberichten zufolge immer mehr in Not. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" spitzt sich der Machtkampf des Konzernchefs mit dem Porsche-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch zu. So habe Wiedeking dem Firmenmitbesitzer vorgeworfen, Porsche mit öffentlichen Attacken möglicherweise schwer geschadet zu haben. Dafür müsse Piëch notfalls "persönlich haften", habe Wiedeking in einem Brief gewarnt, der bereits vom 13. Mai stamme. Und auch mit IG-Metall-Chef Erwin Huber liegt der mehrfach ausgezeichnete Manager im Clinch, wie die BILD-Zeitung berichtete. Auf dessen Kritik an Porsches Kreditantrag bei der KfW über 1,75 Milliarden Euro habe Wiedeking auch ihm per Fax Konsequenzen angedroht. Antwort des Gewerkschaftsvorsitzenden in einem geharnischten Brief: "Ich bin weiter der Meinung, dass es für das Unternehmen Porsche die beste Lösung ist, die Schwierigkeiten (...) selbst zu bewältigen, nicht zuletzt vor dem Hintergrund Ihres Gehalts und der entsprechenden Diskussion in der Öffentlichkeit."

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