Schlittentest auf der Nordschleife

Schlittentest auf der Nordschleife

— 24.01.2009

Gleit-Zeit am Ring

Winterzeit ist Rodelzeit! Das wissen auch die Autohersteller. Fast alle haben entsprechendes Equipment am Start. Zu Preisen von zwölf bis 400 Euro. autobild.de hat die Probe aufs Exempel gemacht: Schlittentest am Nürburgring.

Ziehen Sie sich warm an: autobild.de war bei klirrender Kälte auf dem Nürburgring unterwegs. Auf der Jagd nach Traumzeiten haben wir weder Sprit verbraucht noch Kohlendioxid in die Luft gepustet. Wie das funktioniert? Mit den heißesten Werks-Schlitten der Autohersteller! Und die haben so einiges an Wintersport-Material auf Lager. Unser Testfuhrpark reichte von einer simplen Kunstofftüte mit Citroën-Logo, die auf der Paris Motor Show 2008 gratis verteilt wurde, bis zum edlen Alu-Schneerenner aus dem Hause Porsche – erhältlich für stolze 399 Euro. Die Mission: Herausfinden, welcher Hersteller das ultimative Pisten-Geschoss anbietet. Im ersten Teil des Tests stand Zeitfahren auf dem Programm. Als Sprint-Strecke diente das Aushängeschild der Winteraction am Nürburgring, eine 36 Meter lange Rodel-Schanze direkt neben der Rennstrecke. Im zweiten Abschnitt ging es dann richtig zur Sache: Todesmutig haben sich die autobild.de-Schlittentester Mann gegen Mann die steile Fuchsröhre hinabgestürzt. Ein exklusiver Höllenritt auf der tief verschneiten Nordschleife.

Der Fuhrpark: Diese Werks-Schlitten haben wir getestet

Klarer Sieger im Kurzsprint: VW Snow Future GTI, dicht gefolgt von Peugeot Schneeflitzy (links) und Porsche Alu-Faltschlitten.

Citroën Messetüte (kostenlos, nicht im Handel erhältlich) • Smart funboard kids (zwölf Euro, nur noch Restbestände erhältlich) • Peugeot Schneeflitzy (16 Euro) • Traditioneller Davos-Holzschlitten (ca. 30 Euro) • Mercedes-Benz Alu-Rodel AlpenGaudi (ca. 50 Euro, Restbestände) • Nürburgring-Schneereifen Sportsstuff Hardbody (ca. 65 Euro) • Nürburgring-Schneereifen Neveplast (110 Euro) • Volkswagen Snow Shuttle (69,90 Euro) • Volkswagen Snow Future GTI (109 Euro) • Porsche Aluminiumschlitten, Modell 2007 (297,50 Euro, Restbestände) • Porsche Aluminiumschlitten, Modell 2008 (399 Euro) • Head Alpin-Ski (Neupreis ca. 200 Euro) • Nitro Snowboard (Neupreis ca. 250 Euro).

Sprint auf der Rodelschanze: Welches Modell fährt allen davon?

Souverän: Den lenkbaren VW Snow Future GTI bringt so leicht nichts aus der Spur.

Beim Kurzsprint auf der Nürburgring-Rodelschanze haben wir die Schlitten in drei Kategorien gegeneinander antreten lassen: Leerfahrt ohne Rodler, Fahrt mit leichtem (ca. 60 kg) Piloten, Fahrt mit schwerem (80 kg) Piloten. Die Testrecke misst 36 Meter bei 16 Prozent Gefälle, eine recht dünne Schneedecke mit einer schmalen Eisspur – vergleichbar mit dem typischen Rodel-Hügel im Park, wie er auch in nördlichen Gefilden anzutreffen ist. Schnell entpuppt sich der edle Porsche als klarer Favorit im Schnee: Das Teil geht ab(wärts) wie der Teufel. Vor allem die Spurtreue begeistert: Das hohe Gewicht der neuen Generation des Zuffenhauseners ist bergab ein klarer Vorteil, beim anschließenden Hochschleppen allerdings weniger. Enttäuscht auf ganzer Linie hat uns der Alu-Faltrodel von Mercedes. Sieht zwar extrem schick aus und ist mit Abstand das leichteste Testgerät, rutscht aber keine zehn Meter weit. Sehr ärgerlich, zumal der Zusammenbau des Benz-Schlittens eine recht friemelige Angelegenheit ist.

Ein echter Flitzer ist Peugeots kreisrunder Schneeflitzy: Die Scheibe rutscht wie eine Eins, ist mit 16 Euro ein echtes Schnäppchen, allerdings absolut unlenkbar. Nicht so der VW Snow Future GTI. Als einziger Schlitten im Test ist der Wolfsburger mit Lenkung und Handbremse ausgestattet. Extrem schnell und leicht bedienbar, brettert er souverän auf Platz eins der Wertung. Für besonders Mutige hatte der Nürburgring während der Winteraction (26. Dezember 2008 bis 6. Januar 2009) eine noch steilere "Super-Schanze" mit 18 Prozent Steigung aufgebaut. Klingt nach nix, aber das ist echt sehr steil. Wer nicht ähnlich tollkühn ist wie einst Eddie the Eagle, hat am obersten Ende nichts verloren. Hier wurden nur einige ausgewählte Modelle getestet, um eine Vergleichszeit zu erhalten – auch Redakteure haben eben ihre Grenzen. Besonders der Peugeot Schneeflitzy legte mit sagenhaften 3,5 Sekunden auf der steilen Strecke eine echte Fabelzeit hin. Die gemessenen Zeiten offenbaren aber auch: An Ski oder Snowboard kommt keiner der Schlitten ran – die "Klassiker" sind immer noch die schnellsten Bergab-Beschleuniger.

Weiße Hölle in der "Fuchsröhre"

Nach dem Speedtest auf der Rampe geht es ins Gelände. Und unseren Schlitten an den Kragen. Wie verhalten sich die Testobjekte auf schneebedecktem Asphalt? Diverse Rennen Mann gegen Mann sollen das klären. Und welcher Ort würde sich dafür besser eignen als die berühmt-berüchtigte "Grüne Hölle" der Nordschleife? Okay, im Januar ist vom grün dort wenig zu sehen, aber die kurvenreiche Rennpiste bietet spektakuläre Gefälle. Mit einer Ausnahmegenehmigung der Nürburgring GmbH in der Tasche entscheiden wir uns für den Streckenabschnitt "Fuchsröhre", eine langgezogene Gerade mit immerhin elf Prozent Gefälle.

Auf der Nordschleife trennt sich die Spreu vom Weizen

Vollgas in der Fuchsröhre: Der Porsche (vorn) liegt bei fast jedem Rennen vorn. Dicht dahinter: Smart funboard kids (links).

"In der Fuchsröhre ist man wie gelähmt, völlig unfähig, den Wagen in irgendeiner Art zu handhaben", hat Jochen Mass einmal gesagt. Kein Wunder, die extrem schnelle, etwa 300 Meter lange Bergab-Sektion wird von furchtlosen Piloten voll gefahren. Das tun wir natürlich auch. Hier profitiert Porsche einmal mehr von seiner Nordschleifen-Routine: Der schwere Aluschlitten, teuerster im Test, prescht allen davon. Einmal in Fahrt, ist er kaum zu einzuholen. Doch Vorsicht ist geboten: Die Strecke birgt ihre Tücken. Ein bisschen zu weit nach links oder rechts, schon kommt man von der Ideallinie ab und landet in den schneebedeckten Curbs, die sich als tückische Bremsmauern erweisen und den teuren Nobel-Schlitten hässliche Kratzer in die Kufen raspeln können. Auf der langen Rutschbahn liegen die spurtreuen Gleiter von VW und Porsche bei allen Rennen vorn. Die sprintstarken, aber unlenkbaren Rutsch-Geräte von Peugeot und Citroën haben in der "weißen Hölle" keine Chance. Mehr dazu in der Bildergalerie.

Fazit der autobild.de-Schlittentester

Anders als beim Auto gilt für die getesteten Gleiter: Man muss nicht horrende Summen investieren, um schnell unterwegs zu sein. Selbst die spartanische Plastiktüte bietet auf Kurzstrecken hervorragendes Rutsch-Potenzial und kommt richtig in Fahrt. Und das zum Nulltarif. Auch die Schlitten von Smart und Peugeot überzeugen mit hohem Fun-Faktor für kleines Geld. Vom lahmen Mercedes-Rodel lässt man dagegen besser die Finger – das Gerät ist ohnehin nicht mehr im Programm, wird aber im Internet noch in Restbeständen angeboten. Nichts falsch machen kann man dagegen mit den teureren Modellen von VW und Porsche, die Spaß in jeder Schneelage versprechen.
Autobild.de-Schlittentest 2009: Sekundenzeiten (Schanze am Nürburgring)
Schlittenmodell Flache Schanze (16 %) Leerfahrt Flache Schanze 60 kg Flache Schanze 80 kg Super-Schanze (18 %) Leerfahrt Super-Schanze 60 kg Super-Schanze 80 kg
Peugeot Schneeflitzy 9,2 6,3 5,5 keine Wertung 3,5 nicht gefahren
VW Snow Shuttle 6,3 6,6 6,4 5,1 nicht gefahren nicht gefahren
VW Snow Future GTI keine Wertung 5,1 5,2 5,9 nicht gefahren nicht gefahren
Porsche Aluschlitten (Aktuelles Modell) 5,5 5,8 5,2 4,4 nicht gefahren 4,3
Porsche Aluschlitten (Vorgängermodell) keine Wertung 6,8 5,0 3,7 3,8 nicht gefahren
Smart funboard kids 5,6 5,7 4,9 6,7 4,6 nicht gefahren
Mercedes-Benz Alu-Rodel AlpenGaudi keine Wertung 10,0 8,9 7,2 nicht gefahren nicht gefahren
Citroën Messetüte 13,5 6,8 7,0 keine Wertung 4,3 nicht gefahren
Nürburgring-Reifen Neveplast 8,7 7,6 7,8 4,7 4,5 nicht gefahren
Nürburgring-Reifen Sportsstuff Hardbody 6,7 6,9 8,0 4,5 3,9 nicht gefahren
alter Holzschlitten keine Wertung 8,3 7,7 6,6 nicht gefahren nicht gefahren
Head Alpin-Ski 5,2 nicht gefahren 4,3 3,8 nicht gefahren 4,2
Nitro Snowboard 5,2 nicht gefahren 5,8 3,8 nicht gefahren nicht gefahren

Autor: Jan Kretzmann

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.