Schneeketten im Test

Vergleichstest: Zwölf Schneeketten – welche spuren? Vergleichstest: Zwölf Schneeketten – welche spuren?

Schneeketten im Test

— 10.10.2008

Welche Ketten spuren?

Zwölf Schneeketten und Anfahrhilfen müssen zeigen, wie gut sie greifen. Wichtigste Erkenntnis: Nicht erst mit dem Üben anfangen, wenn man hilflos festgewühlt an der Steigung steht.

Wer braucht denn schon Schneeketten? Fünfmal ging es nach Österreich zum Wintersport, fünfmal haben die rasselnden Teile Platz im Kofferraum weggenommen. Gebraucht? Niemals. Also gleich zu Hause lassen? Besser nicht. Der Teufel ist ein Eichhörnchen. Im letzten Jahr bremst der Vordermann drei Serpentinen vor dem Ziel. Die ganze Schlange stoppt, wühlt anschließend hilflos im losen Schnee. Wie war das – fünfmal nicht gebraucht? Raus in die frische Winterluft, Ketten anlegen, durch den Schnee graben, Glück gehabt. Vorbeugen ist eben besser als steckenbleiben. Wer in den Skiurlaub will, sollte deshalb jetzt nach der passenden Kette suchen. Zwölf Schneeketten – darunter vier verschiedene Funktions-Systeme – haben wir getestet: • Schneeketten mit Federstahlbügel: Der vorgespannte Bügel wird auseinandergezogen und von außen über das Rad gelegt. • Seilketten, teilweise selbstspannend: Die offene Kette wird von hinten ums Rad gelegt und über der Räderoberseite geschlossen. • Adapterketten: Ein fest am Rad montierter Halter sorgt für eine schnelle Montage der eigentlichen Schneekette. • Anfahrhilfen: Spikeplatte oder Kette wird mit Spanngurt am Rad befestigt, ohne es voll zu umschließen.

Ausgeklügelte, objektive Messtechnik

Was hilft wirklich auf Schnee? AUTO BILD hat zwölf Schneeketten – darunter vier verschiedene Funktions-Systeme – getestet.

Alle zwölf Kandidaten mussten in mehreren Durchgängen auf dem verschneiten Pirelli-Testgelände in Nordschweden zeigen, wie weit sie das Fahren auf Schnee meistern. Um subjektive Fehleinschätzungen auszuschließen, hat eine ausgeklügelte Messtechnik alle Daten aus Traktion, Slalom und Bremsen aufgezeichnet und ausgewertet. Ergebnis: Bis auf zwei Anfahrhilfen ist auf alle Schneeketten Verlass. Die Spike-Anfahrhilfe von Ottinger, um 15 Euro, bietet nur mäßig Traktion. Auf harter Schneedecke außerdem ein sehr unruhiges Abrollen. Eine Spikeplatte zerbrach deshalb sogar. Darum werteten wir sie auf mangelhaft ab.

Der Spikes Spider Sport, rund 380 Euro, enttäuschte beim Bremsen und der Traktion. Es scheint, als würden die um den Winterreifen gleichmäßig verteilten Kunststoffplatten die notwendige Zusammenarbeit zwischen Kette und Winterreifen verhindern. Dazu kommt der hohe Platzbedarf im Kofferraum. Einzig im Slalom konnte Spike Spider gegenüber seinen Konkurrenten punkten. Besser kann es die Seilkette Compact easy 2 go von Rud, 115 Euro. Mit guten Fahreigenschaften und einer einfachen Montage, bei der das Auto nicht einmal bewegt werden muss, spannt sie sich während der Fahrt sogar selbst nach. Für Fahrer, denen das Anlegen einer Seilkette zu schwer fällt oder bei Hecktrieblern der Platz im Radhaus zu eng ist, bieten sich Federstahlringketten an. Von außen über das Rad gelegt, müssen sie nicht fummelig hinter dem Rad geschlossen werden. Für rund 122 Euro bietet Pewag eine stabile Kette. Oberland lässt sich dank Verstellmöglichkeit verschiedenen Radgrößen anpassen.

So hat AUTO BILD getestet

Traktion Kommt der Wagen auch an steilen Auffahrten von der Stelle oder nicht? Für den besten Vortrieb sorgt die Seilkette Arktis Ice Blok. Dicht gefolgt von König No Problem T2, Pewag Ring Automatik S und Rud Compact easy 2 go. Schlusslicht Spikes Spider Sport enttäuscht auf der Schneedecke mit dem schlechtesten Ergebnis im Ketten-Test.
Slalom Wie sieht es mit der Seitenführung und der Spurtreue aus? Über die Messung der Querbeschleunigung wird in mehreren Durchgängen der Maximal-Wert beim seitlichen Fahrzeugausbrechen in m/s² gemessen und festgehalten. Hier liegen fast alle Schneeketten dicht zusammen. Nur der Spikes Spider Sport schießt aus der Reihe, ist in dieser Disziplin besser als die Ketten-Kollegen. Auf den Plätzen dahinter die Federstahlbügelkette Pewag Ring Automatik S und die Seilkette Rud Compact easy 2 go.
Bremsen Kommt der Golf rechtzeitig zum Stehen? Für die Schneeketten heißt das, mehrfach aus einer Geschwindigkeit von 40 Kilometer pro Stunde auf null herunterbremsen. Die Messtechnik an Bord des Volkswagen ermittelt im Anschluss aus allen aufgezeichneten Verzögerungen den Mittelwert in m/s². Ergebnis: Die Kette, No Problem T2 von König, hat eine um zehn Prozent bessere Verzögerung als die Schlusslichter Spikes Spider Sport und Ottinger Spike Anfahrhilfe. Ebenfalls mit anständigen Verzögerungen liegt die Seilkette, Ottinger 9 mm Reifenauflage, dicht bei den Werten der König-Schneekette.
Handhabung Lässt sich die Kette leicht montieren, ist die Bedienungsanleitung verständlich und wasserfest? Wie viel Platz braucht die Kette im Kofferraum? Für die Montage gilt: Federbügelketten verlangen ein wenig Kraft beim Auseinanderziehen. Bei Seilketten ist dagegen die Montage etwas fummeliger. Für den Adapter des Schnellmontagesystem Spikes Spider Sport müssen erst viele Einzelteile montiert werden, die eigentliche Kette lässt sich dann schnell aufziehen. Allerdings braucht Spikes Spider Sport viel Platz im Kofferraum. Gut ist die Verpackung der Thiele T3 Diamant – wasserfest, bedruckt mit einer Kurz-Anleitung, dient sie als Montage-Unterlage.

Tipps von AUTO BILD-Redakteur Bernd Volkens

... die Verzögerung, ...

Rauf mit der Kette, Testrunden gedreht und wieder runter mit den Eisengliedern – nach dem Schneeketten-Test war eines klar: Jede Kette hat ihre kleine Eigenheit. Hat man den Kettenkniff erst einmal begriffen, flutscht der Wechsel. Daher gilt: Nicht erst mit dem Üben anfangen, wenn man hilflos festgewühlt an der Steigung steht. Trockentraining in der heimischen Garage bringt Sicherheit. Und bitte rechtzeitig an einer geeigneten Stelle zum Auflegen anhalten. Für den Kauf gilt: Alle Ring- und Federstahlbügelketten haben anständige Fahreigenschaften gezeigt. Wer also für den nächsten Winter vor der Kaufentscheidung steht, kann beruhigt auf den Preis schauen. Noch preiswerter: Automobilclubs verleihen Ketten für wenig Geld. Kaufen muss nur, wer sie tatsächlich benutzt.

Wichtig: • Ketten immer auf die Antriebsräder montieren. • Schneeketten funktionieren nur im Zusammenspiel mit Winterreifen gut. • Beim Fahren mit Ketten nicht schneller als 50 Kilometer pro Stunde. • Sobald es die Straßenverhältnisse zulassen, die Kette runter.

Autor: Bernd Volkens

Stichworte:

Schneeketten

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.