Schrauber-Show "Pimp my Ride"

— 22.03.2006

Nur Schein und Schummel?

Ist die Aufmotz-Serie von MTV eine riesige Augenwischerei? AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube schaute in Los Angeles hinter die Kulissen.



Zuhältere meine Fahrt... nein, Pimp my Ride ist nicht direkt übersetzbar. Aber im Rapper-Slang steht es für "Motz' meine Karre auf". Und beim Musiksender MTV für die Mutter aller Auto-Shows im Reality-TV, die mit der Erstausstrahlung im März 2004 spontan zum Quotenkracher wurde. Oft kopiert, nie erreicht – "PMR" ist Kult. Weltweit. Die Choreographie ist seit über 200 Episoden stets gleich. Du bist jung, wohnst in Südkalifornien, hast null Kohle. Deine Kumpels frotzeln dich, weil du mit einem peinlichen Haufen Altmetall rumcruist. Du bewirbst dich bei MTV. Wie jede Woche rund 200.000 andere. Deshalb brauchst du Glück. Hast du es, kommt Xzibit – kurz X – zu Besuch, ein etwas abgemeldeter Rap-Star. 

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X ist der "Host" von PMR, quasi der Gastgeber. Eine Art böse guckender Dieter Thomas Heck der Hitparade der Rostlauben. Er sieht dein Auto, lacht sich halbtot und bringt es zu West Coast Customs, kurz WCC. Die harten Jungs bei WCC fallen beim Anblick der Karre kollektiv in Ohnmacht, hocken sich an den Tisch und brainstormen, was das Zeug hält. Zusätzlich zum Standardprogramm – schriller Lack, bunte Sitze, 3000-Watt-Soundpaket, 20- bis 26-Zoll-Chromräder – ersinnen sie abgefahrene Spezialeinbauten, die zu deiner Lebensart passen. Eine Bowlingbahn mit Kugelputzer. Eine Popcorn-Maschine. Einen Wasserfall. Oder einen seifenblasenspendenden Auspuff. Das häkeln sie dann in deinen Pkw, Pick-up oder Van, und schon ist die Karre gepimpt. So läuft PMR ab. Reine Routine.

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... der Struwwelkopf Ryan mit seinem VW bewerben sich und bekommen mit etwas Glück Besuch von Xzibit (links), einem nicht mehr ganz angesagten Rapper, der sich erst mal über den ...

Zappelige Bildschnitte, Fäkalsprache? Geschmackssache. Die Ideen und Ausführung sind dagegen über jeden Zweifeln erhaben. Wie es aussieht. Es sollte eine ganz normale Reportage werden: ein Tag bei West Coast Customs. Die Autos zeigen, die Schrauber sprechen. Doch dann kommt alles ganz anders. Nach zweimonatigen Verhandlungen mit MTV steht endlich unser Termin bei WCC. Leider können wir trotz Zusage keine der berühmten Pimp-My-Ride-Kisten sehen – "Koordinationsprobleme". Der Laden in der Einflugschneise des Los Angeles Airport ist gesichert wie Fort Knox. Nach einer Stunde sind wir drin. Doch keiner weiß Bescheid, der uns genannte Ansprechpartner arbeitet seit einem Jahr nicht mehr bei WCC. Warten. Nach drei Stunden erscheint PMR-Produzent Larry Hochberg. Zwei, drei Worte, wir dürfen in die Werkstatt, alles sehen, mit allen reden. Mit Räder-Guru Alex. Mit Big Dane, dem Gott der Specials.

Mad Mike, der Elektronik-Magier, ist als erster dran. Mike ist ein bescheidener Typ. Nicht der Popstar, den er im TV mimt. Die Popularität nervt, sagt er. Wie MTV, ergänzt ein Kollege: ständig Druck, schmaler Etat, nie hat man Ruhe zum Arbeiten. "Andere Kunden schätzen wenigstens unsere Jobs. Wie Schwarzenegger etwa." Plötzlich werden wir rausgeschmissen. Mit massivem Nachdruck, aber ohne Begründung. Anruf bei MTV: Nein, die Pressedame ist nicht da. Wann wieder? Nie mehr. Hmm... was tun? Wir überlegen. Ein Assistent von MTV hat Pause, kommt zu uns rüber. Er denkt, wir seien "die Neuen" im Team. Wir widersprechen nicht. Und er plaudert los. "Wißt ihr, die ganze Show ist gefaked. Die Ideen für die Einbauten diktiert MTV. Die WCC-Jungs müssen sie nur irgendwie echt aussehen lassen. Und die Gags, die funktionieren, brauchen nur solange zu halten, bis die Aufnahme im Kasten ist. Und dann die Lackarbeiten: Rostlöcher zuspachteln, Farbe drüber – fertig." Langsam wird ein Schuh daraus, daß wir kein gepimptes Auto sehen dürfen.

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Später fragen wir inkognito bei West Coast Customs an: "Könnt ihr unseren Hummer mit ein paar Specials à la PMR aufrüsten?" Die Absage ist deutlich: Pimp My Ride machen wir nur fürs Fernsehen, heißt es. Im wahren Leben konzentrieren wir uns auf machbares Customizing. Was sagt MTV Deutschland zum offensichtlichen Schmu der US-Kollegen? Immerhin startet bald die erste PMR-Europastaffel. "Bisher produzierten wir 'Pimp My Fahrrad' und 'Pimp My Whatever' selbst", meldet Programmdirektor Giglinger: "Alle gepimpten Drahtesel, Hundehütten und Toiletten funktionieren einwandfrei."









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