Schriebers Stromkasten, Teil 147

Bilder: Besuch der ersten Akku-Wechselstation Bilder: Besuch der ersten Akku-Wechselstation

Schriebers Stromkasten, Teil 147

— 06.10.2011

Auf Tauschstation

Reinfahren, Akku tauschen, rausfahren, fertig. So sieht das Prozedere der ersten Akku-Wechselstation für E-Autos von Better Place und Renault-Nissan bei Kopenhagen aus. Doch es gibt Zweifel, dass sich das Prinzip durchsetzen wird.

In Gladsaxe in der Nähe von Kopenhagen steht die erste Akku-Wechselstation für Elektroautos. Aufgestellt vom E-Mobilitäts-Dienstleister Better Place. Das Prinzip: Ein E-Auto mit fast leerer Batterie fährt durch die Station, die einer Autowaschanlage ähnlich sieht. Ein Roboter entnimmt die alte Batterie und baut eine frische ein (siehe Grafiken in der Galerie). Dauer: keine fünf Minuten. Ich durfte die Station in einem Renault Fluence Z.E. ausprobieren. Ergebnis: Das Ganze ist tatsächlich so kinderleicht wie das Benutzen einer Waschstraße. Nicht mal aussteigen muss man. Für Better Place und Fahrzeughersteller Renault-Nissan sieht so die Zukunft der E-Mobilität aus.

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Johnny Hansen will Dänemark zum europäischen Zentrum der E-Mobilität machen.

Und was kostet das? Johnny Hansen, Dänemark-Chef von Better Place, erklärt das Geschäftsmodell, das in seinem Land in den kommenden Monaten anläuft: Kunden kaufen die Stufenhecklimousine Renault Fluence Z.E. für umgerechnet rund 28.000 Euro. Gleichzeitig werden sie Better-Place-Mitglied. Die Aufnahmegebühr beträgt rund 1350 Euro. Je nach Laufleistung werden monatliche Mitgliedsbeiträge fällig. Beispiel: Wer zwischen 15.000 und 20.000 Kilometern im Jahr fährt, zahlt pro Monat rund 250 Euro an Better Place. Dafür erhält der Kunde den kompletten Strom, eine Ladestation für zu Hause und einen 24-Stunden-Dienst für Wartung und Service. Johnny Hansen verspricht: "Die Kosten für einen Better-Place-Kunden sind über die gesamte Lebensdauer des Fluence Z.E. um zehn bis 20 Prozent geringer als für ein konventionelles Auto."

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Sieht aus wie eine Waschstraße und ist ähnlich leicht zu durchfahren: Die Wechselstation bei Kopenhagen wurde im Juli 2011 eröffnet.

Ab April 2012 sollen 500 Renault Fluence Z.E. pro Monat verkauft werden. "In einem Jahr ist das E-Auto das meistverkaufte Modell in Dänemark", glaubt Hansen. Bei uns kommt der Fluence Z.E. 2012 für 26.000 Euro plus 79 Euro pro Monat Akkumiete. Den Kangoo Z.E. gibt es bei uns ab Ende 2011 für 20.000 Euro plus 72 Euro pro Monat. Abgesehen von Renault-Nissan bleibt die Autoindustrie jedoch skeptisch. Neben dem Problem einer Standardisierung der Akkus und Schächte müssten die Hersteller das Auto quasi um den Akku herumbauen. Auch die Unsicherheit über Alter und Zustand der eingesetzten Zellen sei ein Problem. Volvo-Chef Stefan Jacobi erklärte mir: "Die vielen teuren Batterien an einer Wechselstation – das kann nicht wirtschaftlich sein. Außerdem werden die Akkus von jedem Hersteller auf dessen E-Modell individuell abgestimmt. Ich glaube nicht an das Akku-Wechseln, dafür ist das Thema viel zu komplex." In Dänemark sollen bis April 2012 neben 1000 öffentlichen Ladesäulen zwölf Wechselstationen in Autobahnnähe entstehen. Die Abstände zwischen den Stationen betragen maximal 65 Kilometer.

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Autor: Hauke Schrieber

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