Schützenpanzer Puma

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Schützenpanzer Puma: Neue Mängel

— 08.06.2015

Stärkster Panzer zu stark

Die Bremsen des Puma haben mit den 1088 PS Probleme. Jetzt muss der stärkste Schützenpanzer der Welt von 70 km/h auf 50 km/h gedrosselt werden.

Mit 1088 PS ist der Puma der stärkste Schützenpanzer der Welt – eigentlich. Denn offenbar kann das Bremssystem des hochmodernen Panzers nicht all diese Kraft bändigen. Wie DIE WELT berichtet, zeigten Test des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw), dass die ersten 20 Puma-Modelle aus der Vorserie bei Geschwindigkeiten über 50 km/h nicht mehr zuverlässig bremsen können. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit des Pumas liegt bei Tempo 70. Das Problem sei laut BAAINBw bereits im Teststand für die Motoren aufgefallen.

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Schuld ist der sogenannte Retarder des Herstellers Voith Turbo. Die Mängel haben dazu geführt, dass die Höchstgeschwindigkeit nun auf 50 km/h statt der vorgesehenen 70 km/h begrenzt wurde. "Jetzt müssen die 20 bereits gelieferten Modelle wieder umgebaut werden", wird ein Sprecher des BAAINBw zitiert. Ein weiterer Rückschlag, nachdem bekannt wurde, dass der Puma vorerst nicht die Waffenanlage namens MELLS bekommt. Das "Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörper-System" dient dazu, Raketen abzufeuern. Eine wichtige Waffe zu Bekämpfung stark gepanzerter Ziele.

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Seit April 2015 werden Soldaten an sieben Puma geschult. Zuvor durchlief er zahlreiche Tests. Zur finalen Testphase 2013 schickte die Bundeswehr den stärksten Schützenpanzer (1088 PS) der Welt in die Wüste. Nach der Kälteerprobung in Norwegen 2012, ging es von August bis Ende Oktober 2013 zur Heißklimaerprobung in die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort musste sich der Puma bei Schieß- und Fahrerprobung unter Wüstenbedingungen beweisen. Zusätzlich wurden die Temperaturverläufe im Fahrzeuginneren im Vergleich zu den Außentemperaturen gemessen. Laut Verteidigungsministerium zeigten sich noch während der Erprobung Probleme. Unter anderem bei der Elektronik und Software sowie der "Sichtmöglichkeit" für den Fahrer bei Tag wie bei Nacht. Positiv sei die hohe Wendigkeit und "das stimmige Turmkonzept", hieß es in den Prüfberichten.

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Die Optik des Schützenpanzers (kurz: SPZ) Puma wird von einer niedrigeren Silhouette mit glatter Außenfläche dominiert. Wie bei einem fürs gegnerische Radar beinahe unsichtbaren Stealth-Jet verringern diese Maßnahmen die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden. Im Vergleich dazu wirkt sein Vorgänger Marder plump wie ein Propeller-Flieger. Zukunftsweisend ist das zweistufige Schutzkonzept des Puma. In der Konfigurationsstufe A (Air-transportable) kann er mit einem Gewicht von 31,5 Tonnen im künftigen Airbus A400M auf Reisen gehen. Ein Vorteil gegenüber Kampfpanzer Leopard 2, der mit seinen mindestens 62 Tonnen nur in eine russische Antonov darf. Trotzdem soll der Puma bereits in der Basis-Konfiguration durch neueste Panzer-Technologie gegen Minen und Handfeuerwaffen gewappnet sein. Zusätzlich ist der Puma in der Stufe C (Combat) seitlich, am Heck und am Turm mit weiteren Schutzmodulen aufrüstbar. So kann der dann bis zu 43 Tonnen schwere Panzer auch in Hinterhalten bestehen, in denen er von allen Seiten beschossen wird.

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Gepanzert oder schwer gepanzert, das ist hier die Frage: Der Puma setzt mit dem modularen Schutzkonzept neue Standards bei Schützenpanzern.

Um auf alle Situationen reagieren zu können, steht der Puma-Besatzung mit 800 kW (1088 PS) bei 3800 U/Min doppelt so viel Leistung zur Verfügung wie im Marder. Kein anderer Schützenpanzer der Welt kommt an die Power des Zehnzylinder-Diesels von MTU ran. Der MTU-Motor 10V 890 bietet ein maximales Drehmoment von 2400 Newtonmetern bei 3000 U/min. Zum Vergleich: Der 313 PS starke V10 TDI aus dem VW Phaeton stemmt 750 Newtonmeter bei 2000 U/min auf die Kurbelwelle. Zudem zeichnet sich der Puma-Sondermotor durch ein niedriges Leistungsgewicht und kompakte, platzsparende Bauweise aus. So sind etwa die üblicherweise außen angeschraubten Baugruppen wie Ölfilter, Ölkühler und Ladeluftrohre in das Motorgehäuse integriert. Die Common-Rail-Direkteinspritzung ermöglicht bei einem Hubvolumen von 1,1 Litern je Zylinder eine Zylinderleistung von 80 kW. Beim Puma wirken bis zu 34 PS auf jede Tonne und dürften für atemberaubende Beschleunigungswerte sorgen. Vor allem im Vergleich zur internationalen Konkurrenz: der amerikanische M2 Bradley kommt z.B. nur auf 20 PS pro Tonne. Wichtig: Beschleunigung ist für einen Panzer im Gefecht wichtiger als Höchstgeschwindigkeit. Das Puma-Triebwerk umfasst neben dem Motor auch ein automatisches 6-Gang-Lenkschaltgetriebe der Firma Renk mit elektrohydraulischer adaptiver Steuerung, das quer vor dem Motor eingebaut ist. Die Augsburger sind Weltmarktführer bei Getrieben für Kettenfahrzeuge wie Leopard 2, Merkava und Leclerc Tropicalisé.

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Neun Soldaten passen in den Bauch des Puma. Irgendwann sollen Panzer auch unbemannt fahren – Zukunftsmusik.

Für die Sicherheit der Soldaten sorgen neben der Panzerung eine Brandunterdrückungsanlage im Besatzungsraum sowie eine Feuerlöschanlage im Triebwerksraum. Fahrer, Kommandant, Richtschütze und sechs weitere Soldaten haben Platz im 1,20 Meter hohen Bauch des Puma. Dort sind sie von High-Tech umgeben. Auf Displays sind Lagekarten und wichtige Fahrzeuginfos abgebildet. Andere Monitore zeigen Bilder des um 360 Grad drehbaren Kommandantenperiskops, der Tageslichtkameras und der Nachtsichtgeräte. Ansonsten sorgen Winkelspiegel für die Sicht nach draußen. Das Kettenlaufwerk ist vom Rumpf entkoppelt, dadurch kann man sich im Inneren des Puma auch ohne Bordverständigungsanlage unterhalten.
Technische Daten Puma
Gewicht max 43,00 t
Gewicht min 31,45 t
Länge 7,6 m
Breite Konfigurationsstufe A: 3,4 m / Konfigurationsstufe C: 3,9 m
Höhe 3,6 m
Geschwindigkeit vorwärts/rückwärts 70 km/h / 30 km/h
Motorleistung 800 kW (1088 PS) 10-Zylinder High Power Density Motor
Tankinhalt (Diesel) 900 l
Reichweite 600 km
Besatzung 9 Mann
Preis rund 7 Millionen

Puma: Das ist der neue Schützenpanzer

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Fotos: Bundeswehr/Hannemann

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