"Ferrari-Fälscher" vor Gericht

Schumi-Fans vor Gericht Schumi-Fans vor Gericht

Schumi-Fans vor Gericht

— 10.04.2002

Ich glaub, mich tritt ein Pferd!

Sie verehren Michael Schumacher und bauten in ihrer Freizeit sein Formel-1-Auto nach. Ferrari hat die vier Bastler aus Eisleben deshalb verklagt - und gewonnen.

5000 Euro Schadenersatz

Dies ist die Geschichte von vier Michael-Schumacher- Fans. Zugegeben, davon gibt es Millionen, aber die hier sind schon besonders. Und auch ihre Geschichte ist außergewöhnlich. Nur das mit dem Happyend wird nicht ganz so einfach. Denn am Ende steht eine Überweisung durch die Deutsche Bank Eisleben. Betrag: 5000 Euro, zahlbar ab 1. Juni 2002 in fünf Raten à 1000 Euro. Empfänger: Firma "Ferrari Società per Azioni Esercizio Fabbriche Automobile e Corse" in der Via Emilia in Modena. Kurz: Ferrari.

Jörg Heinze und seine Freunde vom Motorclub Eisleben bauen seit Jahren Schumis Formel-1-Autos nach, Maßstab 1:1. Aus Schrottteilen und alten Pkw-Motoren bastelten sie jeden Abend an ihrem Ferrari. Das Ergebnis ist verblüffend: Von außen ist kein Unterschied zum Original zu erkennen. Schluss damit, fordert Ferrari. Die Nobelmarke aus Modena verklagte Jörg Heinze auf über 7000 Euro Schadenersatz. Begründung: Der Motorclub, dessen Vorsitzender Heinze ist, habe die Ferrari-Nachbauten gewerblich genutzt – und damit gegen das Markengesetz verstoßen.

Am 10. April wurde die Sache unter dem Aktenzeichen 2-06 O 29/02 vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt. In der 14 Seiten langen Klageschrift wurde als Beweisstück K5 auch ein AUTO BILD-Artikel beigefügt. In der Tat spielte der Club mit dem Duplikat Geld ein. Ein Besuch bei der Fleischerei Tobarski brachte mal 200 Mark, der Freizeitpark Mack zahlte einen Tausender. Doch Heinze versichert: "Alles wanderte in den Verein. Keine Pelze für unsere Frauen, keine Weltreisen. Wir wollen nur Rennwagen bauen."

Beim Geld hört Ferraris Fan-Liebe auf

Ferrari zeigt da weit weniger Sportgeist. Man engagierte sogar ein Detektivbüro, um mit einem Scheinangebot zu beweisen, dass der Motorclub das Fahrzeug für Promotionzwecke nutzt. Auch wenn die Rechtslage für Ferrari sprechen sollte – die Kölner Rechtsanwältin Birgit Brömmekamp, die Heinze vertritt, appellierte an den gesunden Menschenverstand der Italiener: "Das Einzige, was die erreichen, ist, dass die sich ihre treuesten Fans kaputtmachen." Die 5000 Euro, die die Ferrari-Advokaten herausholten - mit Verlaub, ein Schiss für die Italiener. "Die haben das bestimmt durchgezogen, um ein Exempel zu statuieren", sagte ein merklich frustrierter Jörg Heinze nach dem Prozess.

Vergeblich suchte er zuvor Hilfe bei Schumis Manager. Ein Brief an Willi Weber blieb ohne Antwort. Ferrari scheint das Geld der Bastler aus Eisleben nötig zu haben. Immerhin zahlt die Scuderia ihrem Vorzeige-Mitarbeiter über 38 Millionen Euro pro Jahr. Von den anfangs geforderten 7066,91 Euro könnte Ferrari Schumacher knapp anderthalb Stunden bezahlen. Jörg Heinze muss für die 5000 Euro Strafe (plus zweidrittel der Gerichts- und Anwaltskosten) demnächst einen Kredit aufnehmen.

Was ihre Markenrechte betrifft, hat Ferraris Sensibilität Tradition. Auch Frank Starke aus Mücheln bekam anwaltliche Post im Auftrag der Roten. Starke wollte sein Restaurant mit einem springenden Pferd schmücken. Ferrari klagte auf Umsatzbeteiligung von 10.000 Mark pro Tag. Jetzt hängt das Pferd waagerecht. Es springt nicht mehr, Ferrari klagt nicht mehr. In einem Brief an Jörg Heinze betonte Ferrari-Anwalt Jan Müller- Broich: "Der Name, die Firma und die Marke 'Ferrari' genießen den allerbesten Ruf ..."

Zumindest was Eisleben betrifft, haben sie ihn verspielt. Der Ferrari ist längst zerlegt. Aus den Teilen haben die Beklagten nun ein neues Formel-1-Auto gebaut: den Toyota. Ebenfalls schon fertig: die Formel-1-Boliden von McLaren und von Williams.

Das sagt der Anwalt

Rolf-Peter Rocke, AUTO BILD-Rechtsexperte "Eigentlich hätten es die pfiffigen Hinterhofbastler aus Eisleben wissen müssen: In der Formel 1, in der jeder Schritt vermarktet wird, versteht man keinen Spaß. Und schon gar nicht, wenn dabei zur Finanzierung des Hobbys auch noch ein wenig Geld abfällt. Aber so traurig es ist: Im Recht sind sie schon, die Inhaber der Marke mit dem springenden Pferd. Die Paragraphen 5 und 15 Markengesetz und Paragraph 3 Wettbewerbsgesetz sind in diesem Fall eindeutig verletzt und Anwalts- und Lizenzgebühren daher als Schadenersatz zu Recht fällig. Aber muss man immer gleich mit scharfer Munition auf harmlose Fans ballern? Man wird den Eindruck nicht los, als sei hier nicht nur die schwarzweiße Zielflagge klein kariert."

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