Schumacher-Interview

Schumi-Interview

— 27.01.2010

"Ich werde nicht hinterherfahren!"

Vor seinem Formel-1-Comeback spricht Michael Schumacher im Interview über seine Vertragsverhandlungen, die Überredungskünste von Teamchef Ross Brawn - und den angepeilten achten WM-Titel.

Sie haben zum ersten Mal Ihren Vertrag selbst ausgehandelt. Wie lief das ab? Schumacher: Das ging alles ganz schnell. Ross rief mich an, und wir waren uns sofort einig. Es ging mir wirklich nicht darum, Geld zu verdienen, sondern Spaß zu haben. Ich will einfach unbedingt wieder in einem Formel-1-Wagen sitzen.
Was bedeutet der Wechsel zu Mercedes für Ihren persönlichen Fuhrpark? Müssen Sie Ihre Ferrari jetzt verkaufen?
Nein, ein Teil meines Herzens bleibt immer rot und ein Teil meiner Garage auch. Ich kann ja nicht von heute auf morgen Ferrari vergessen – und das habe ich auch nicht vor. In meiner privaten Garage steht zum Beispiel mein letztes Rennauto der Saison 2006. Der ist sogar fahrbereit, hat aber natürlich keine Straßenzulassung. Den werde ich sicher nicht abgeben.
Haben Sie schon einen Mercedes-Dienstwagen?
Ja klar, ich fahre jetzt ein C 63 T-Modell. Ich brauche Platz für die Hunde.
Gab es irgendjemanden, der Ihnen vom Comeback abgeraten hat?
Ehrlich gesagt, nein. Alle, die mir nahestehen und wichtig sind, haben mit mir Vor- und Nachteile aufgezählt. Auch Corinna natürlich. Aber abgeraten hat mir keiner.
Mal ehrlich: Wie hat Brawn Sie rumgekriegt?
Der Anfang war nach dem letzten Rennen in Abu Dhabi. Abends beim Feiern, bei einer guten Zigarre. Da hat Ross noch etwas halbherzig gefragt. Und dann habe ich zurückgefragt: "Ist dir eigentlich klar, was du da fragst? Bist du dir sicher, dass du die Frage im Ernst stellen möchtest?" Und dann sagte er: "Wenn du motiviert bist, habe ich überhaupt keine Sorge. Fahrerisch und vom Talent her habe ich keine Zweifel." Und als er dann später angerufen hat, war mir sofort klar, warum.

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"Ich werde nicht hinterherfahren! Ganz sicher!", gibt sich Schumi kämpferisch.

Hatte Brawn es früher schon mal probiert, Sie für ein Comeback zu gewinnen?
Er hat vor zwei Jahren angefragt, er hat vor einem Jahr wieder angefragt. Aber da war ich noch nicht so weit. Er hatte mir die ganze Situation erklärt, mit dem Honda-Ausstieg, mit dem Einbau der Mercedes-Motoren – ich habe artig zugehört und dann gesagt: "Viel Spaß damit!" Denn aus meiner Sicht war nicht abzusehen, dass man bei dieser Ausgangslage vorn mitfahren kann. Da lag ich wohl knapp daneben  ... (Anmerkung der Redaktion: Brawn GP wurde 2009 auf Anhieb Weltmeister.)
Jetzt haben Sie für drei Jahre unterschrieben. Warum so lange?
Das war erst einmal gar nicht mein Wunsch. Diese Idee kam vom Team, und ich sehe das als Vertrauensbeweis. Das Schöne ist, dass Mercedes an mich glaubt und mir drei Jahre lang die Möglichkeit gibt, miteinander Erfolg zu haben. Aber nach drei Jahren muss nicht Schluss sein.
Hören Sie nach diesem Jahr schon wieder auf, wenn Sie den Titel holen oder weit hinterherfahren?
Ich werde nicht hinterherfahren! Ganz sicher! Weltmeister im ersten Jahr zu werden ist vielleicht ein bisschen optimistisch, aber es muss unser Ziel und Antrieb sein. Ich habe mir wirklich alles sehr gründlich überlegt: Bin ich nur spontan high von dieser Idee, oder hält meine Begeisterung langfristig an? Und ich bin jetzt schon über einen langen Zeitraum sehr heiß. Ich kann mir gut vorstellen, das hier ein paar Jahre zu tun ...
Würden Sie auch für Ihren Teamkollegen Rosberg fahren, falls sich abzeichnet, dass er schneller ist?
Es war auch in der Vergangenheit so: Wenn nur noch ein Fahrer Weltmeis­ter werden kann, konzentriert sich das Team auf ihn. Das ist dann auch die Aufgabe für den Fahrer. Ich habe das – nicht oft, aber zwischendurch doch auch mal – für meinen Teamkollegen gemacht. Ich bin ja 1999 zum Beispiel für Eddie Irvine gefahren. Ihm habe ich damals gut geholfen. Und so würde ich es diesmal bei Nico auch tun.

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