Schumis Abschieds-Grand-Prix

Michael Schumacher vor dem Rennen in Sao Paulo

Schumis Abschieds-Grand-Prix

— 20.10.2006

"Der Akku ist zu leer"

Der Countdown läuft, der Abschied naht: Auf der Pressekonferenz in Sao Paulo gab sich Michael Schumacher dennoch betont unsentimental.

Ein emotionales Rennen? Für Michael Schumacher nicht: "Das liegt in meinem Naturell. Ich hatte in den vergangenen 16 Jahren jede Menge Gelegenheiten, mich ablenken zu lassen. Aber ich habe immer versucht, mich so gut es geht zu konzentrieren." Schumacher wird jeden Tag ein Stück mehr mit den Konsquenzen seines Rücktritts konfrontiert. Also was tun gegen die nachlassende Konzentration, die abschweifenden Gedanken?

Möglichkeiten der Zerstreuung gibt es reichlich. Sein Manager hat Freunde eingeladen, die mit ihm das Saisonfinale feiern sollen. "Es ist eine angenehme Atmosphäre, Freunde um sich zu haben", meint Schumacher. "Manchmal denke ich an Sonntag, dann ist es etwas komisch." Es ist seine letzte große Pressekonferenz, danach wird er sich noch von den deutschen Journalisten und einigen ihm eng verbundenen internationalen Medienvertretern mit einer Rede stilvoll verabschieden.

Schumacher begeht den Auftakt zu seinem letzten Rennen in der Metropole, in der Ayrton Senna am 21. März 1960 zur Welt kam, im Hotel Transamerica, nur wenige Kilometer entfernt von der letzten Ruhestätte des Brasilianers, dem Friedhof im Stadtteil Morumbi. Es gibt hier ein Aryton-Senna-Tunnel, eine Ayrton-Senna-Prachstraße, eine Ayrton-Senna-Stiftung.

Viele Diskurse sind geführt worden im Angesicht des Abschieds. Wer war nun der größte Fahrer aller Zeiten? Fangio, Senna, Prost oder Schumacher. Sieben Titel und alle Rekorde sprechen für Letzteren, aber nicht jeder stimmte in den Jubelchor ein. Am 19. Oktober aber wurden alle Kritiker eindrucksvoll widerlegt, was den Stellenwert Schumachers angeht. Es war, als ob die hektische Formel 1 eine Kunstpause einlegt. Und das im Eifer des größten WM-Gefechts.

Noch ein Rennen, dann heißt es: "Time to say good bye"! Ein Comeback schließt Schumi derzeit (noch) aus.

Das Rennen in Sao Paulo (am Sonntag, 22. Oktober, ab 19 Uhr im autobild.de-Ticker) wird eine Zäsur sein. Es wird das letzte Rennen für Michelin sein. Ab kommender Saison stattet Bridgestone alle Teams mit Reifen aus. Es wird Fernando Alonsos letztes Rennen für Renault. 2007 fährt der Spanier für McLaren-Mercedes. Es geht hier immerhin noch um eine WM, das kann man in all dem Abschiedstrubel leicht vergessen. "Ich bin hierher gekommen, um mich auf den Konstrukteurstitel zu konzentrieren", sagt Schumacher. Auf den Fahrertitel macht er sich keine Hoffnungen mehr.

Zum ersten Mal reflektierte er seine Rücktrittsentscheidung: "Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich keine Vision für mein Leben danach haben muss. Vielleicht wird sie kommen. Ich bin total relaxed. Das Leben eröffnet einem eine Menge Möglichkeiten. Ich glaube, dass ich nicht mehr die Kraft habe, gut zu sein. Ich hatte in der Formel 1 ein prima Leben. Alles hat irgendwann eine Ende, darüber gibt es sogar ein Lied. Der Akku ist zu leer." Er reicht nur noch für ein Rennen. Schumacher sagt: "Habt am Sonntag noch einmal richtig Spaß."

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