Schumachers Zukunft bei Ferrari

Schumis Zukunft bei Ferrari Schumis Zukunft bei Ferrari

Schumis Zukunft bei Ferrari

— 22.08.2006

Reizfaktor Räikkönen

Tolle News für Schumi-Fans: 15 Monate Hickhack um seine Zukunft sind vorbei. Er wird nicht wegen Kimi Räikkönen bei Ferrari weichen, sondern seinetwegen bleiben.

Schumi und Räikkönen – das Traumpaar

Gerüchte und Wahrheiten sowie Mischungen aus beidem gelangen dieser Tage in dosierten Häppchen ans Licht. Als vorige Woche Michael Schumacher mit Heidfeld-Vermarkter Werner Heinz fotografiert wurde, wähnte ein Berichterstatter gleich einen Managerwechsel bei unserem Rekordpiloten. Tatsächlich bleibt Willi Weber Schumis Geschäftsmann. Die Wahrheit hinter dem Foto war eine ganz andere. Schumi machte Urlaub auf Formentera. Angekündigt war aber eine legere Woche der Zukunftsplanung – mit Weber und Gattin Corinna in Südfrankreich. Das muss eine kurze Arbeitswoche gewesen sein. Denn spätestens vorigen Donnerstag weilte Weber schon wieder auf Mallorca, Schumi zwei Inseln weiter.

Allzu viel gab es ohnehin

Kimi Räikkönen als Lockente: Michael Schumacher bleibt bei Ferrari.

nicht mehr zu besprechen. Weber hatte seinem Star zwar zum Rücktritt Ende 2006 geraten – als strahlender Achtfach-Champion. Und der bestätigte: "Klar hat Willi mir geraten aufzuhören, wenn ich Weltmeister werde, aber ich fälle die Entscheidung." Und die lautet: "Er fährt weiter." Dies erfuhr AUTO BILD MOTORSPORT exklusiv aus Schumis nächster dienstlicher und privater Umgebung. Der 89-malige GP-Sieger, so die Einschätzung vertrauter Beobachter, wird einwilligen, bei Ferrari ein Jahr mit Option auf ein weiteres dranzuhängen. Er wird gemeinsam mit Kimi Räikkönen das Traumpaar bilden, das sich Hauptsponsor Philip Morris (Marlboro) und Teamchef Jean Todt wünschen.

Ferrari will die frohe Botschaft erst am 9. September verkünden, aber Schumis Fangemeinde darf trotzdem schon jubeln. Nun endet ein 15-monatiges Rätselraten nicht zuletzt um die Frage: Wird Schumi neben dem schnellen Räikkönen weitermachen und seinen Ruf riskieren? Diesen Gedanken hat der Kerpener, der in der Formel 1 noch keinen einzigen gleichwertigen Teamkollegen hatte, offenbar nie als problematisch erachtet. Einem Begleiter seit frühen Zeiten entgegnete er auf diesen Einwand: "Im Gegenteil, das wäre doch noch mal was anderes, ein Riesenspaß." Räikkönen als Reizfaktor. Offiziell hat Schumi bekräftigt: "Ich muss niemanden fürchten." Warum stand dann überhaupt die Frage, ob er zurücktritt, so lange im Raum?

"Corinna sagt, wann ich aufhöre"



Fest steht: Schumi ließ 2005 den turnusmäßigen Zeitpunkt für seine Vertragsverlängerung nach 2006 verstreichen. Fünf WM-Titel hatte er in Serie gewonnen. Doch plötzlich fehlte die Perspektive: Erstens hatten Teamchef Jean Todt und Technikchef Ross Brawn noch nicht entschieden, ob sie 2007 noch im Amt sein würden. Zweitens, und schlimmer noch, Schumi versank mit der Kombination Ferrari/Bridgestone ohne Siege in der Chancenlosigkeit. "Ich muss nicht gewinnen", erklärte er, "aber ich muss zumindest um Siege kämpfen können." Das konnte er 2005 gegen die überlegenen Michelin-Teams zu keiner Zeit. Er verlor Rennen um Rennen und sogar hier und da die Lust. Nach der Entthronung durch Alonso räumte Fleißmensch Schumi ein, dass er mangels Motivation nicht mehr alles getan hätte, etwa an seiner Fitness arbeiten.

Ferrari musste reagieren, um nicht eines Tages ohne Siegfahrer dazustehen. Und sicherte sich die Rechte an Kimi Räikkönen. Der McLaren-Mercedes-Pilot ist seit drei Jahren – offen ausgesprochen – Favorit von Teamdirektor Todt auf die Nachfolge Schumis. Am 7. August 2006, ein Jahr nach Inkrafttreten des Vorvertrags mit Räikkönen, löste die Scuderia ihre Fahrkarte auf den Finnen ein. Und hat nun ab 2007 zwei Asse im Ärmel. Beide sollen gleichberechtigt mit- und gegeneinander kämpfen – für Ferrari. Felipe Massa wird zu Toro Rosso transferiert oder erneut im Testteam geparkt. Denn Schumi hat seine Motivation wiedergefunden, den Glauben an die Scuderia, an weitere Siege und Titel. Vor allem an jede Menge Spaß. Er will sich, wie auf der Piste, nicht beiseite drängen lassen, will weitermachen. Zumal auch Ross Brawn, der ein Pausenjahr einlegen wollte, und Jean Todt ihre Vertragsdauer angeblich erneut an seine gekoppelt haben.

Mit Brawn gewann Schumi 86 seiner 89 GP. In der Woche nach dem Türkei- GP (27. August), will sich Fiat-Chef Luca di Montezemolo mit seinem Schlüssel-Trio zusammensetzen und klären, wie die Verkündung des neuen Deals ablaufen soll. Es dauerte lange, bis Schumi klar war, was er wollte. Die Siege in Imola, Nürburg und Indianapolis hatten ihn nicht überzeugt. Erst sein Triumph in Frankreich, wo er klar vor Alonsos Renault gewann, überwältigte den alten Skeptiker. Ferrari hatte mit einer neuen, reifenschonenden Hinterradaufhängung sichergestellt, dass Bridgestones

Corinna hat Einfluss auf Schumis Karriere und verfügt: Weitermachen!

weichste und am besten haftende Gummimischung auch lange genug hält. Schumi hat damit in Qualifikations- und Renntempo seine Vormacht aus den Jahren 2000 bis 2004 zurückerkämpft.

Drei Wochen später gestand Schumi, dass es "Momente wie in Frankreich" sind, die ihn das Altern vergessen lassen. Er wird im Januar 38. Aber seine Kollegen erkennen mit zurückkehrendem Erfolg eine Verjüngung: "Er ist viel motivierter als 2005. Er will wieder alles selbst ausprobieren. Bei den letzten Tests mussten wir ihn sogar mehrfach bremsen." Ferrari sieht auch Schumis verpatzten Ungarn-GP positiv, das Überholen unter roter Flagge im Training, das hoffnungslose, störrische Verharren auf Intermediate-Reifen, seine Überhärte in den Zweikämpfen. Das alles hat er 1994 in Silverstone bei seiner Disqualifikation schon in ähnlicher Form geboten. Als wären keine zwölf Jahre vergangen. "Er hat sich nicht sehr verändert", sagt Brawn grinsend. "Ich kann nicht anders", bekennt Schumi selbst. Die Entscheidung übers Karriereende hat Schumi schon vor Jahren seiner Frau übertragen. "Corinna sagt, wann ich aufhöre." Offenbar hat sie für den "rasenden Wüterich" (Süddeutsche Zeitung) zu Hause immer noch keine Verwendung.

Autor: Thomas Arndt

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