Schutz vor Geisterfahrern

— 19.11.2012

"Es gibt kein Allheilmittel"

In einem deutschen Pilotprojekt sollen Geisterfahrer mit speziellen Schildern gewarnt werden. Andere Länder verhängen drastische Strafen. Was bringen diese Maßnahmen?

(dpa) Für viele Autofahrer ist es eine Horrorvorstellung: Während man mit hohem Tempo unterwegs ist, meldet das Radio einen Geisterfahrer. Tödliche Unfälle mit Falschfahrern kommen zwar relativ selten vor. Doch am Wochenende starben sechs Menschen auf der A5 bei Offenburg – den Unfall hatte ein Geisterfahrer verursacht. Dieser und andere jüngste Fälle haben die Frage neu aufgeworfen, wie die Sicherheit erhöht werden kann. In Bayern läuft gerade ein Pilotprojekt, um Falschfahrten zu verhindern – Ende 2012 sollen dort erste Ergebnisse vorliegen. Auch andere europäische Länder ergreifen Maßnahmen gegen Falschfahrer.

Albtraum Geisterfahrer

Wie oft gibt es Geisterfahrer?

Laut ADAC werden im Jahr bundesweit 2800 Fälle gemeldet, davon 2000 auf Autobahnen. Die allermeisten gehen glimpflich aus. Geisterfahrer verursachten gerade einmal drei Prozent der tödlichen Unfälle auf Autobahnen.

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Pilotprojekt in Bayern: Schilder warnen vor Geisterfahrten

Pilotversuch: Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ließ in Bayern auffällige Warnschilder aufstellen.

Der Bund und Bayern starteten das Vorhaben Ende 2010. Große Schilder warnen an ausgewählten Autobahnabschnitten: Sie zeigen eine ausgestreckte, schwarze Handfläche mit den Hinweisen "Stopp" und "Falsch". "Man kann nur unabsichtliche Falschfahrten verhindern, vorsätzliche Falschfahrten lassen sich nicht verhindern. Es gibt kein Allheilmittel", sagte dazu ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums der Nachrichtenagentur dpa.

Chronologie der Geisterfahrten

1. Januar 2013

Ein betrunkener Lkw-Fahrer wendet auf der A1 bei Bremen seinen 40-Tonner. Mehrere Fahrzeuge können nicht ausweichen, zwei Menschen kommen ums Leben. Der Fahrer flüchtet und wird nach rund 25 Kilometern von der Polizei gestoppt.

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Am Wochenende starben sechs Menschen auf der A5 bei Offenburg. Schuld war ein Geisterfahrer.

Etwa 1700 Geisterfahrer würden pro Jahr im Verkehrsfunk auf deutschen Straßen gemeldet, teilte das Ministerium mit. Der ADAC spricht sogar von bis zu 2800 jährlich von Radiosendern gemeldeten Falschfahrern. Doch nicht hinter jeder Meldung steckt ein wirklicher Falschfahrer. "In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Geisterfahrer relativ konstant", sagte ADAC-Sprecher Klaus Reindl.

Forschung: Assistenzsystem gegen Fahlschfahrer

Aus dem Jahr 2007 stammt diese Idee: Siemens VDO wolltelpotenzielle Falschfahrer mit moderner Technik auf den rechten Weg bringen.

Die Möglichkeiten, Falschfahrten zu verhindern, sind aus seiner Sicht eingeschränkt. "Wenn jemand bewusst in falscher Richtung auf eine Autobahn auffährt, wird man gar nichts machen können", sagte Reindl. "Denn wir haben in Deutschland 13.000 Autobahnkilometer, wir haben etwa 2500 Anschlussstellen, Autobahnkreuze, Autobahndreiecke – nicht eingerechnet die ganzen Parkplätze." Krallen, die das Auffahren in falscher Richtung unmöglich machen, könnten Rettungsfahrzeuge behindern.

Vorbild für die Warntafeln bei dem Pilotprojekt in Bayern ist Österreich. Dort sehen Autofahrer ebenfalls eine große schwarze Hand und ein Stoppschild auf neongelbem Grund, die Schilder sollen Geisterfahrer direkt an der Auffahrt zur Autobahn bremsen. Es gibt sie seit Jahren, sie hätten sich bewährt, sagte der Sprecher des Verkehrsministeriums, Walter Fleissner, am 19. November 2012 in Wien. Zudem versuche man Um- und Neubauten von Straßen so zu gestalten, dass die Menschen intuitiv richtig fahren.

Auffällige Markierungen und Schilder sollen auch in Großbritannien Falschfahrten verhindern. "Am besten ist es, die Straßen so zu bauen, dass man kaum falsch auffahren kann", sagte ein Sprecher des Automobilclubs "The Automobile Association". Wer auf der Insel als Geisterfahrer unterwegs ist, dem drohen empfindliche Strafen. Nach Angaben des Automobilclubs kann Falschfahren in die Kategorien "gefährliches Fahren" oder "unaufmerksames Fahren" eingeordnet werden. Für "gefährliches Fahren" drohen Haftstrafen bis zu 14 Jahren, falls es bei Unfällen zu Toten kommt.

Da man auf italienischen Autobahnen meistens eine Mautstelle passieren muss, gibt es weniger Probleme mit Geisterfahrern. Deswegen sind dort auch keine besonderen Warnhinweise zu sehen. Im Schnitt machen monatlich zwei bis drei oft betrunkene oder unter Drogen stehende Falschfahrer Schlagzeilen, wenn sie etwa auf ihrer Straßenseite wenden. Dafür gibt es harte Geldstrafen, der Führerschein kann eingezogen und das Auto für Monate stillgelegt werden.

Ähnlich wie in Italien sind in Frankreich für Geisterfahrer Mautstationen ein Hindernis, denn sie können nur in eine Richtung passiert werden. Um Falschfahrten zu verhindern, sollen dort künftig noch spezielle Kameras auf Autobahnen installiert werden. Außerdem ist geplant, Warnschilder aufzustellen.

In Frankreich ist die Zahl der Unfälle durch Geisterfahrer auf Autobahnen in den vergangenen Jahren geringfügig, aber kontinuierlich gesunken. 2011 verursachten Falschfahrer 35 Unfälle mit 56 Verletzten, das geht aus einer Statistik der Behörde für Straßensicherheit hervor.

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