Schwedische Studie

Schwedische Studie

— 23.05.2008

Airbags sind für Männer gut

Für Frauen ist die Schleudertrauma-Gefahr bei Auffahrunfällen dreimal so hoch wie für Männer. Das könnte an männlich genormten Crashtest-Dummies liegen, wie eine Studie der Umea Universität in Schweden nahelegt.

Frauen setzen sich anders ins Auto als Männer. Sie sitzen höher, klemmen sich dichter hinter das Lenkrad und stellen die Rückenlehne oft steiler ein. Das alles berücksichtigt der Crashtest von Euro NCAP, ein gängiger Test in der Auto-Entwicklung, bisher nicht. An der schwedischen Universität untersuchte Bertil Johnson zunächst die Daten von 400 Unfallopfern, welche die Versicherungsagentur Folksam zur Verfügung stellte. Das besondere Augenmerk galt dem Auftreten von Schleudertraumata im Geschlechtervergleich. Danach studierte er das Sitzverhalten von 200 männlichen und weiblichen Probanden im Auto. Die Ergebnisse wurden analysiert, und mit dem Standard-Crash-Test-Dummie BioRID verglichen.

Optimale Sitzeinstellung mitentscheidend

Männlich genormte Crashtest-Dummies könnten die Ursache für die erhöhte Schleudertrauma-Gefahr bei Frauen sein.

Das Ergebnis: Die Körpergröße der am häufigsten verwendeten Dummies orientiert sich am Durchschnittsmann. Mit der Folge, dass nur sehr große Frauen repräsentiert werden. Dadurch entwirft man Sitze, die wenig frauengerecht sind, die fatalen Folgen machen sich in der Unfallsituation bemerkbar. Einen technischen Grund für die Zahlen der Studie möchte ein Sprecher der Firma Mira Ltd nicht annehmen. Die Firma verkauft Sicherheitstechnik für Autos. "Vielleicht stellen die meisten Frauen ihre Sitze nicht optimal ein", sagt er dem Fachblatt "Legal & Medical". Zwar können Fahrer beider Geschlechts tatsächlich ihre Sicherheit erhöhen, indem sie die optimalen Sitzeinstellungen für sich vornehmen. Doch "die Reichweite bei der Verstellbarkeit ist oft zu klein", sagt Maximilian Maurer vom ADAC.

Verletzungsrisiko für Halswirbel stark reduziert

Auch er sieht Probleme für Menschen, die körperlich aus dem genormten Raster fallen. "Meine Frau ist 1,50 Meter und sitzt beim Fahren auf einem Kissen, natürlich ist sie stärker gefährdet", sagt Maurer. In einem solchen Fall sei sogar der genormte Airbag wenig hilfreich. Auch verweist er auf den Einfluss von Trainingszustand und Nackenmuskulatur auf das Verletzungsrisiko - einer der Gründe "warum ein Formel-Eins-Fahrer nach der Kollision unverletzt aussteigen kann". Solche Einflüsse ließen sich an Dummies nicht testen, die nicht jedem gerecht werden könnten.

Wichtigster Gefahrenpunkt für ein Schleudertrauma ist der Abstand zwischen Kopf und Nackenstütze, der nicht mehr als fünf Zentimeter betragen sollte. Das Trauma wird mit dem Fachbegriff Halswirbelsäulen-Distorsion bezeichnet, und entsteht durch die ruckartige Überstreckung oder Beugung des Kopfes, was bei einem Auffahrunfall gegeben ist. Betroffene leiden an einer schmerzhaften Versteifung der Halses, bis hin zur Bandscheibenverletzung. Durch gezielte Forschung konnte das Risiko für derartige Unfallfolgen in der Vergangenheit bereits um 50 Prozent reduziert werden. Nun gilt es, die schwedischen Studienergebnisse umzusetzen. Interesse daran dürften auch Unfallversicherungen haben. Vorerst fordern die Schweden weitere Untersuchungen und eine BioRID-Frau.

Autor: Irene Habich

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