Seat Altea gegen VW Golf Plus: Test

Seat Altea 1.8 TSI DSG VW Golf Plus 1.4 TSI DSG Seat Altea 1.8 TSI DSG VW Golf Plus 1.4 TSI DSG

Seat Altea gegen VW Golf Plus: Test

— 28.06.2010

Zwei Kompakt-Vans mit starken Benzinern

Weg von sportlich-stressigen Manieren, hin zu beruhigend-seichten Tugenden – so ködern VW Golf Plus und Seat Altea die Kunden. Wie gut das klappt, klärt dieser Van-Vergleich.

Die Sitzposition aufrecht, um nicht zu sagen erhaben über den anderen thronend. Der Antrieb flüsterleise und geschmeidig – und natürlich automatisch. Die Leistung jederzeit ausreichend. Das klingt nach Rolls-Royce? Von wegen. So was gibt es auch in der Kompaktklasse. Typen wie Golf Plus 1.4 TSI DSG und Seat Altea 1.8 TSI DSG bringen dank feinen Antriebs und raumgreifenden Hochdachkonzepts reichlich herrschaftliche Attribute in den Fahr-Alltag. Okay, mit dem Image ist es nicht ganz so weit her – aber dafür gibt es das mobile Durchatmen viel günstiger als beim Rolls. Ab 26.375 Euro sind für einen Golf Plus mit 160 PS starkem 1.4er fällig, rund 23.690 Euro verlangt Seat für den gleich kräftigen Altea 1.8. Ein deutlicher Vorteil für den Spanier – der sogar noch wächst, wenn man den Ausstattungs-Stand des Wolfsburgers detailliert betrachtet.

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Günstigerer Preis, mehr Komfort- und Sicherheitsextras: Der Preisvorteil liegt beim Seat.

Denn bei den Komfortextras bietet VW zwar elektrische Fensterheber und Einparksensoren rundum serienmäßig, die Klimaautomatik des Seat fehlt dem Golf aber. Gleichfalls punktet der Altea mit zusätzlicher Sicherheit. Er glänzt mit serienmäßigen Nebellampen und einer Reifendruckkontrolle. Ganz klar also, der Preisvorteil liegt bei Seat. Golf-Fahrer werden dafür mit einem Plus an Platz fürs Gepäck entschädigt. Im vergrößerten Frachtabteil bleibt Luft für mindestens eine Tasche mehr, und gegen Aufpreis lässt sich der Beifahrersitz flach legen – so wird der hohe Golf zum Minilaster. Erstaunlich, dass trotz augenscheinlich größerer (weil kastigerer) Karosserie kaum mehr Platz für die Mitfahrer bleibt. Den Fondpassagieren zum Beispiel gesteht Seat mehr Ellbogen- und Kopffreiheit zu.

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Trotz aller Entspannung: Rentner-Kutschen sind beide Kandidaten nicht.

So oder so: Eng geht es in beiden Volumen-Modellen nicht zu. Und die Vorteile des hohen Sitzens (bessere Übersicht, leichter Einstieg) teilen sie sich ebenfalls. Rentner-Kutschen sind sie dennoch nicht. Speziell der Altea gibt den Kurvenkünstler, bleibt dabei aufrechter als der Golf und lässt das Heck frech mitlenken. Dabei federt er auch noch geschmeidiger als der Wolfsburger auf seinen optionalen 17-Zoll-Pneus (935 Euro). Der spritzige Antrieb beschert vor allem beim VW Fahrspaß und Reisevergnügen gleichermaßen. Die Vierzylinder-Maschine wird von Kompressor und Turbolader auf Zack gebracht, stemmt trotz Mini-Hubraums 240 Nm – und das gefühlt ab Leerlaufdrehzahl. Schön gleichmäßig zieht der TSI durch, weich und leise gibt er dabei seine Kraft ab.

Das ohne Zugkraftunterbrechung schaltende Getriebe mit Doppelkupplung macht seinen Job perfekt, senkt vor allem im letzten Gang die Drehzahl auf ein entspannt niedriges Niveau. Die hubraumstärkere Maschine des Altea surrt ebenfalls leise, muss aber aufgrund der einfach(er)en Aufladung stets erst einmal Luft holen, bevor es druckvoll zur Sache geht. Das ist allerdings nur gefühlt ein Nachteil – tatsächlich zieht der 1.8er sogar einen Wimpernschlag schneller durch, sprintet immerhin zwei Zehntelsekunden zügiger auf Tempo 100. So viel (mehr) Elan ist hier immerhin einen Punkt wert.

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Gravierender wirkt sich das Motor-Konzept des Seat auf den Verbrauch aus. Auf unserer Testrunde genehmigte sich der Altea fast einen halben Liter Super pro 100 Kilometer mehr. Gleiche Leistung und nahezu identisch effektiv arbeitendes Getriebe hin oder her – die größeren Brennräume wollen eben mit mehr Sprit gefüllt werden. Und dabei bleibt es leider nicht. Der Altea kostet höhere Steuern, muss jährlich zur Inspektion (der Golf bis zu zwei Jahre), wird teurer versichert. Am Ende stresst das, während der Golf Plus entspannt vorbeizieht.
FAHRZEUGDATEN SEAT VW
Motor Bauart/Zylinder/ Vierzylinder, Turbo, Vierzylinder, Twincharger,
Einbaulage vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette Kette
Hubraum 1798 cm³ 1390 cm³
kW (PS) bei U/min 118 (160)/4500 118 (160)/5800
Nm bei U/min 250/1500 240/1500
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 214 km/h
Getriebe Siebengang-DSG Siebengang-DSG
Antrieb Vorderradantrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 205/55 R 16 V 225/45 R 17 W
Radgröße 6,5 x 16“ 7 x 17“
Abgas CO2 157 g/km 147 g/km
Verbrauch* 8,9/5,5/6,7 l 7,9/5,4/6,3 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 55 l/Super 55 l/Super
Vorbeifahrgeräusch 71 dB (A) 68 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. 1400/740 kg 1400/740 kg
Kofferraumvolumen 409–1320 l 395–1450 l
MESSWERTE SEAT VW
Beschleunigung 0–50 km/h 3,3 s 3,2 s
0–100 km/h 8,3 s 8,5 s
0–130 km/h 13,3 s 13,6 s
Zwischenspurt 60–100 km/h 4,2 s 4,4 s
80– 120 km/h 5,4 s 5,6 s
Leergewicht/Zuladung 1476/539 kg 1488/522 kg
Gewichtsverteilung v./h. 61/39 % 61/39 %
Wendekreis links/rechts 10,9/10,9 m 10,8/10,8 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 36,7 m 36,4 m
aus 100 km/h warm 37,0 m 36,7 m
Innengeräusch bei 50 km/h 59 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 67 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 71 dB (A)
Testverbrauch – COπ 8,1 l S – 192 g/km 7,7 l S – 182 g/km
Reichweite 670 km 700 km


Mehr zum Test Seat Altea gegen VW Golf Plus sehen Sie oben in der Bildergalerie! Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
 
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Die Gelassenheit und die Ruhe, die diese beiden Alleskönner ausstrahlen, ist nicht zu verwechseln mit Langeweile. Die wird ohnehin von starken Motoren und dem jeweils verbauten DSG-Getriebe vertrieben. Der Golf überzeugt zudem mit der gelungenen Mischung aus Fahrspaß und Packeselqualitäten, der Seat liegt dabei dicht dahinter. Dessen sportlichere Hülle ist natürlich Geschmackssache – nur leidet so die Übersichtlichkeit.

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