Seat Arosa (ab 1997)

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Seat Arosa (ab 1997)

— 12.08.2003

Scheibenkleister!

Der Seat Arosa könnte als Muster eines soliden Kleinwagens gelten, wäre da nicht der ärger mit den Dichtungen.

Technik und Verarbeitung

Die Autowelt kann graumsam sein. Da testen Ingenieure ihre Prototypen über Hunderttausende Kilometer und beseitigen Probleme – aber im Alltag bei den Kunden geht dann etwas ganz anderes kaputt. So wie beim Seat Arosa die Dichtungen der vorderen Seitenscheiben. Bei denen handelt es sich um ein kompliziert geformtes Gummiteil, das gleichzeitig den Türrahmen abdichtet.

Leider versagt die Klebenaht gelegentlich. Dann flattert die Dichtung im Wind, und es ist mit der Ruhe vorbei im Arosa. So ein Scheibenkleister! Dabei sind es gerade Fahrkomfort und solide Verarbeitung, die den Reiz des Mini-Seat gegenüber der Konkurrenz ausmachen.

Aber nur solange die doppelten Türdichtungen halten, bleibt der Lärmpegel im Rahmen. Dann sind Langstrecken kein Problem, auch ein Verdienst der erwachsenen Sitze. Es sind die bequemen VW-Konzern-Stühle, die so oder so ähnlich bis zum Audi A6 im Einsatz sind.

Motor und Qualität

Das Gleichteilprinzip finden wir auch im Motorraum wieder: Das kleinste Aggregat mit 1,0 Litern Hubraum stammt aus dem VW Polo und scheint gegen Pannen immun zu sein. Nur in ganz seltenen Fällen verweigert es den Kaltstart, etwa wenn Kurzstreckenfahrten die Kerzen nass machen. Dafür zeigte unser Testwagen aus dem Baujahr 1999 am Getriebe erste Ölspuren an der Schaltwelle – schon nach 37.000 Kilometern. Vielleicht, weil viel geschaltet werden muss? Denn die 50-Basis-PS reißen keine Bäume aus. Im Verkehrsfluss mitschwimmen, bedeutet das Motörchen ausquetschen – und wird mit 7,5 Litern Super-Verbrauch bestraft.

Der 1,4-Liter mit 60 PS kann es billiger – 7,1 Liter (Automatik: 9,5). Dazu macht er den Eintonner so lebendig, dass sogar Fahrspaß aufkommt. Den haben auch Diesel-Fans: Der 1,7 SDI zieht sonor nagelnd seine Bahn und verteidigt mit kräftigem Drehmoment bei niedriger Drehzahl auch an der Ampel die Pole-Position. Der Diesel-Arosa empfiehlt sich als preiswerter Kilometerfresser mit einem Testverbrauch von 5,1 Liter Diesel. Allenfalls gebremst vom kleinen 34-Liter-Tank. Oder von einem defekten Steuergerät, das die Motorelektronik ins Notprogramm schickt – betrifft vor allem Baujahr 1999.

Unterm Strich ist jedoch das Risiko einer Panne beim Arosa gering. Nicht einmal die bei VW-Produkten oft anfälligen Zahnriemen sind im kleinen Spanier negativ aufgefallen. Deshalb wieht der Alltagsärger wie defekte Dichtungen und ausgehakte Schließzylinder doppelt schwer. Vielleicht sollten künftig auch mal die Kunden mit auf Entwicklungsfahrt gehen?

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 4/97 Neueinführung der komplett neuen Baureihe mit zwei Benzinmotoren: 1.0 (37 kW/50 PS), 1.4 (44 kW/60 PS) 12/97 Start des Saugdiesel-Direkteinspritzers 1.7 SDI (44 kW/60 PS) 1/00 neue Motoren: 1.4 16V (74 kW/100 PS) und 1.4 TDI (55 kW/75 PS) 12/0 Modellüberarbeitung. Front und Heck neu gestaltet, Übernahme der Armaturentafel aus dem baugleichen VW Lupo

Schwachstellen • Türschloss ist oft hakelig, in vielen Fällen versagt der Schließzylinder. Dann lässt sich die Fahrertür weder öffnen noch schließen • Batterie zeigt Schwächen, wenn ausschließlich im Stadtverkehr gefahren wird und die Ladezeiten im Kurzstreckenbetrieb nicht ausreichen • Motorelektronik legt erstaunlicherweise vor allem den SDI lahm, der ADAC registriert eine Häufung beim Baujahr 1999. Die Benziner dagegen bleiben nur selten liegen. Gelegentlich treten Kaltstartprobleme wegen feuchter Zündkerzen auf • Fensterdichtungen lockern sich – die Werkstätten wissen Bescheid

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Seat Arosa 1.4 Electron, 44 kW/60 PS, Baujahr 1998. Die Gestaltung der Preise orientiert sich an VW, das garantiert günstige AT-Teile. Nur die Lichtmaschine ist sehr teuer – aber auch selten defekt.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Der Seat Arosa gehört zu den besonders soliden Kleinwagen. Probleme mit Rost treten absolut nicht auf, auch die Auspuffanlagen sind sehr haltbar. Die Bremse jedoch kann Kummer bereiten: Zum einen zeigt sich an den vorderen Scheibenbremsen recht hoher Verschleiß, zum anderen zeigen die Bremsschläuche – wie bei vielen Fahrzeugen aus dem VW-Konzern – auch bei Seat bereits bei der ersten Hauptuntersuchung nach drei Jahren eine Beulenebildung." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Seat Arosa 1.4 (44 kW/60 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 168 Mark im Jahr/Euro 2 Testverbrauch: Werksangabe 6,2 Liter, gemessen 7,1 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (12/1000 Mark SB): 878 Mark. Teilkasko (19/300 Mark SB): 213 Mark. Haftpflicht (13): 1453 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 300 bis 450 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 40 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 1800 Mark Verlust

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