Seat Ateca im ersten Vergleich

Seat Ateca/VWTiguan/Nissan Qashqai: Test

— 24.06.2016

Der Letzte will der Erste sein

Das erste SUV von Seat kommt spät – und trifft mit Nissan Qashqai und VW Tiguan I auf harte Konkurrenz. Wir machen den ersten Vergleich.

Video: Ateca vs Tiguan vs Qashqai (2016)

Seat-SUV im Vergleich

Das hatten sie sich im Volkswagen-Konzern so schön ausbaldowert. Wenn das erste SUV von Seat im Herbst 2016 an den Start geht, macht ihm der VW Tiguan einfach Platz – und wächst auf 4,50 Meter. Der Ateca hingegen bekommt das alte Tiguan-Maß und tritt gegen den Nissan Qashqai an. So weit die Theorie. In der Praxis treffen Seat und VW dann doch aufeinander. Denn während sich der Ateca gerade warmrollt und Anfang Juli in den Handel geht, stehen noch zahlreiche alte VW Tiguan mit satten Rabatten bei den Händlern. Aus dem geplanten Zweikampf gegen den Nissan Qashqai ist also unfreiwillig ein Dreikampf geworden.

Der Oldie im Testfeld kann immer noch überzeugen

Günstig: Der Nachfolger ist da, den "alten" Tiguan kann man aktuell schon für unter 20.000 Euro bekommen.

Zumal der Tiguan mit 122-PS-Benziner und ordentlicher Ausstattung für unter 20.000 Euro zu haben ist – und damit exakt so teuer ist wie das Einstiegsmodell des Ateca. Ist der VW also vielleicht die bessere Alternative? Beginnen wir beim Design – und einem klaren Nein! Sowohl Seat als auch Nissan wirken viel frischer als der in die Jahre gekommene VW. Dem Tiguan sieht man mittlerweile auf den ersten Blick an, dass er bereits seit 2007 auf dem Markt ist. Aber Design ist das eine, Nutzwert das andere. Und hier kann der Oldie im Testfeld überzeugen. Platzangebot und Raumgefühl sind top, vor allem der Nissan fällt dagegen deutlich ab. Dessen flottes Design kostet richtig Raum, selbst auf dem Fahrersitz findet sich keine vernünftige Sitzposition auf den weichen, zu hoch montierten Sitzen. In Reihe zwei kneift der Japaner spürbar – und auch der Kofferraum ist mit einem Volumen von 430 Litern kleiner als im Tiguan.
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An der Qualität des Seat Ateca lässt sich nicht viel kritisieren

Gut gemacht: Der Seat punktet mit hochwertiger Verarbeitung und guten Alltagsqualitäten.

Der Seat sortiert sich zwischen den beiden ein. Das Platzangebot geht in Ordnung, die niedrige Sitzposition auf den straff gepolsterten Vordersitzen ist sogar die beste im Vergleich. Und der Kofferraum schluckt mit 485 Litern einen Koffer mehr als die Konkurrenten. Also alles prima? Nicht ganz. Das Gepäck muss über eine recht hohe Ladekante gewuchtet werden – und bei umgelegter Rückbank bleibt eine Stufe im Kofferraum. Dafür kann der Seat mit seiner hochwertigen Verarbeitung und dem Ambiente punkten. Egal ob die extrem schmalen Karosseriefugen oder der fein zusammengebaute Innenraum hier lässt sich nicht viel kritisieren. Dazu kommt, dass das Cockpit für ein SUV sportlich flach wirkt und mit einer Menge Bling-Bling den sonst im VW-Konzern üblichen Grauschleier vertreibt. Hier zeigt sich erneut das wahre Alter des Tiguan. Er ist ebenfalls routiniert zusammengebaut, sein Interieur wirkt aber arg angestaubt. Das Cockpit ist vom alten Golf Plus übernommen und lässt sich gut bedienen, regt aber so gar nicht an.
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Und der Nissan? Dessen Bedienung könnte übersichtlicher sein, und die Verarbeitung zeigt deutliche Schwächen: Die Fugen der Motorhaube sind nicht nur breit, sondern auch ungleichmäßig. Immerhin ist das Cockpit mit den etwas billig wirkenden Kunststoffen ordentlich verarbeitet – hier knirscht und knarzt selbst auf fiesen Straßen nichts.

Ein wenig mehr Geschmeidigkeit würde dem Qashqai gut tun

Übertrieben hartes Fahrwerk: Absätze und Querfugen rumpeln deutlich in den Innenraum des Nissan.

Und das ist durchaus ein Kompliment bei der Fahrwerksabstimmung des Qashqai. Denn um den Nissan halbwegs sportlich wirken zu lassen, haben es die Japaner mit der Härte ein wenig übertrieben. Absätze und Querfugen rumpeln deutlich in den Innenraum und verpassen den Insassen unangenehme Schläge. Eigentlich total unnötig, denn die schlaffe Lenkung und die spürbare Seitenneigung ersticken jeden Sportgedanken eh im Keim. Wie es besser geht, zeigt ausgerechnet der alte Tiguan – er ist am ausgewogensten abgestimmt. Der Komfort passt, selbst ohne das sonst in Testwagen verbaute adaptive Fahrwerk verarbeitet er Straßenschäden erstaunlich geschmeidig. Und das, ohne bei flotter Kurvenfahrt den Spaßverderber zu geben. Einzig die Präzision des Ateca erreicht der Tiguan nicht – der wiederum kann nicht mit übertriebenem Komfort punkten. Seat hat den Ateca nämlich recht straff abgestimmt. Das sorgt für den größten Fun-Faktor in der Kompaktklasse, im Grenzbereich dreht sich der Spanier fast wie ein Sportwagen mit dem Heck in die Kurve. Zum Glück geht das Ganze nicht zu Lasten des Komforts, denn der geht in Ordnung.
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An der Kasse verlangt der Spanier den höchsten Einsatz

Preiskampf: In der Basisversion liegen die drei SUVs fast gleichauf – darüber wird's beim Seat teuer.

Passt zu dem quirligen Antrieb des Seat – zumindest wenn die ausgeprägte Anfahrschwäche überwunden ist. Turbo plus DSG erzeugen nämlich eine ausgeprägte Gedenksekunde. Keine Empfehlung, wie der Blick zum Tiguan zeigt. Der ist mit Schaltgetriebe ausgestattet, kommt so spürbar flotter in Fahrt. Der Nissan leidet unter seinem kleinen Hubraum und will gedreht werden, bevor der kleine 1,6-Liter-Diesel ansatzweise die Leistung spüren lässt, die auf dem Papier steht. Kommen wir zu den Preisen. Der Seat kostet mit kleinem Dreizylinder und 115 PS mindestens 19.900 Euro. Ein Lockvogel mit Stahlfelgen, denn schon der gleich starke Diesel ist rund 3000 Euro teurer. Und sicher kein Zufall: Der Nissan kostet mit gleicher Leistung doch exakt denselben Betrag. Und auch den alten Tiguan gibt es gut ausgestattet zum selben Preis, mit einem Vierzylinder unter der Haube.

Also alles nur eine Frage des Geschmacks? Nicht ganz. Denn zum selben Kurs fällt der Nissan in seinen Fahreigenschaften gegenüber Seat und VW ab, erreicht nicht deren hohes Niveau. Aber Abhilfe ist in Sicht, im Herbst steht bereits das erste Facelift des Qashqai an. Bis dahin heißt es Seat vor Volkswagen und Nissan – haben sie also ganz gut ausbaldowert.

Technische Daten Nissan Qashqai • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1598 cm³ • Leistung: 96 kW (130 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment: 320 Nm bei 1750/min • Vmax: 190 km/h • 0–100 km/h: 10,5 s • Antrieb: Allradantrieb, Sechsganggetriebe • Tankinhalt: 65 l • L/B/H: 4377/1806/1595 mm • Kofferraum: 430–1585 l • Leergewicht: 1535 kg • Verbrauch (EU-Mix): 4,9 l Diesel/100 km • Abgas CO2: 129 g/km • Preis ab 29.890 Euro.

Technische Daten Seat Ateca • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 1968 cm³ • Leistung: 140 kW (190 PS) bei 3500/min • max. Drehmoment: 400 Nm bei 1900/min • Vmax: 212 km/h • 0–100 km/h: 7,0 s • Antrieb: Allradantrieb, Siebengang-DSG • Tankinhalt: 56 l • L/B/H: 4363/1841/1625 mm • Kofferraum: 485–1579 l • Leergewicht: 1610 kg • Verbrauch (EU-Mix): 5,0 l Diesel/100 km • Abgas CO2: 131 g/km • Preis ab 35.580 Euro.

Technische Daten VW Tiguan I • Motor: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum 1968 cm³ • Leistung: 110 kW (150 PS) bei 3500/min • max. Drehmoment: 340 Nm bei 1750/min • Vmax: 193 km/h • 0–100 km/h: 9,8 s • Antrieb: Allradantrieb, Sechsganggetriebe • Tankinhalt: 64 l • L/B/H: 4426/1809/1703 mm • Kofferraum: 470–1510 l • Leergewicht: 1676 kg • Verbrauch (EU-Mix): 5,3 l Diesel/100 km • Abgas CO2: 140 g/km • Preis ab 31.525 Euro (ehem. Liste), aktuell im Internet ab 23.000 Euro.

Den kompletten Artikel inklusive Kaufberatung zum Seat Ateca gibt es als Download im Online-Heftarchiv.

Neuer Seat Ateca

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom Seat Ateca, VW Tiguan und Nissan Qashqai (Vergleich).

Veröffentlicht:

17.06.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Kam, sah und siegte? Ganz so einfach ist es für den Ateca dann doch nicht – dafür ist die Konkurrenz zu stark. Allerdings überzeugt er mit seinem sportlichen Charakter, kompaktem Format, hohem Nutzwert und fairen Preisen.

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