Vergleich: Kleinwagen mit 75 PS

Drei auf einer Plattform Drei auf einer Plattform

Seat Ibiza gegen Skoda Fabia und VW Polo

— 05.04.2002

Drei auf einer Plattform

Dank Plattformstrategie schwimmen die Kleinwagen VW Polo und Skoda Fabia bereits auf der Woge des Erfolgs. Jetzt schickt VW den neuen Seat Ibiza ins Rennen.

Am Anfang stand die Arbeitszeile: Drei auf einer Plattform. Da lag es nahe, diese Idee im Hamburger Hafen fotografisch umzusetzen. Resultat: siehe links. Seat Ibiza, Skoda Fabia und VW Polo stechen in See. Eine Kreuzfahrt unter Halb-Brüdern. Denn die drei Kleinwagen teilen sich zum Großteil die Technik aus dem VW-Konzern, stehen nicht nur für diesen Fototermin auf einer gemeinsamen Plattform. Am besten lässt sich das mit einem Tortenboden vergleichen. Auch der ist stets gleich, egal ob er nun mit Schwarzwälder Kirsch, Marzipan/Nuss oder Käse/Sahne bedeckt wird. So auch diese drei. Sie sehen zwar ganz verschieden aus, haben aber doch sehr viel gemeinsam.

75 PS - genug für den Alltag

Ahoi: Seat Ibiza, VW Polo und Skoda Fabia stechen in See. Alle drei VW-75-PS-Benziner fahren auf der gleichen Plattform.

So sind Ibiza, Fabia und Polo mit gleichen Achsen vorn und hinten, gleichem Fünfganggetriebe und gleichem Motor ausgerüstet. Das vereinfacht Entwicklung und Produktion, spart jedem der drei Hersteller viel Geld. Der gemeinsame Motor in unserem Test ist der 1,4-Liter mit 75 PS. Die reichen nicht, um das Blaue Band für die schnellste Atlantik-Überquerung zu gewinnen, wohl aber, um im Alltag flott mitzuschwimmen. Alle spurten in knapp über dreizehn Sekunden auf Tempo 100, schaffen um die 170 km/h Spitze (siehe Messwerte in der Tabelle). Über einen Kamm lassen sich die drei trotzdem nicht scheren. Wegen der Elektronik: Unterschiedliche Programmierungen der Motorsteuerung verleihen den Maschinen ganz spezielle Charaktermerkmale.

Fabia: sportlicher Motor

Betont sportlich gibt sich der Motor im Skoda. Er reagiert am spontansten aufs Gas, entwickelt einen kernigen Sound, ist drehfreudig und zeigt es auch. Ab 2500 Touren beißt er regelrecht zu und zeigt, dass für Fahrspaß schon 75 PS reichen. Im Polo benimmt sich die Maschine gesetzter und kultivierter. Der Sound ist stärker gedämpft, die Kraft wird über das ganze Drehzahlband gleichmäßig in Szene gesetzt. So wirkt der Motor hier unauffälliger. Unter dem Strich ist das die bessere Auslegung, weil der Polo am meisten Durchzugskraft besitzt. Ein souveräner Auftritt. Von dem ist der Seat-Motor weit entfernt.

Zwar dreht er leichtfüßig hoch, sportliches Flair will trotzdem nicht aufkommen, denn bei hohen Drehzahlen wird er laut und dröhnig. Dazu ist der Vierzylinder noch durstig wie ein Matrose nach drei Monaten auf See. 7,3 Liter genehmigt er sich im Schnitt. VW und Skoda benötigen rund einen halben Liter weniger. Ebenso krass fallen die Unterschiede im Fahrkomfort aus. Sehr harmonisch: die Federung des Fabia, an der am meisten die lauten Abrollgeräusche stören. Andere Reifen würden sicher schon Abhilfe schaffen. Der Polo meistert Straßenunebenheiten einen Hauch besser. Auf welliger Fahrbahn kommt allerdings ein wenig mehr Unruhe ins Fahrzeug.

Ibiza: der zittrige Wellenreiter

Wellen reitet der Ibiza völlig unbeeindruckt ab. Bei Schlaglöchern sowie eilig zusammengeflickten Asphaltdecken werden die Insassen jedoch fühlbar durchgeschüttelt. Die Schläge übertragen sich sogar ins Lenkrad – ­ es zittert. Zudem empfinde ich die Seat-Lenkung als zu leichtgängig, zu indirekt. Mir gefallen die strafferen Lenkungen von Skoda und VW besser. Ob leicht- oder schwergängig, aus dem Ruder läuft auch bei forcierter Fahrweise keiner der drei.

Sie lassen sich problemlos auf Kurs halten, reagieren gutmütig, vermitteln den Insassen das gute Gefühl, vor Überraschungen sicher zu sein. Skoda hält es deshalb sogar für unnötig, das elektronische Antischleuderprogramm ESP als Option anzubieten. Vermisst habe ich es bei normaler Fahrweise auch bei den Mitstreitern nicht. Bei VW kostet es 385, bei Seat 485 Euro. Warum eigentlich 100 Euro Unterschied? Und wieso ist dieses Extra bei Seat teurer als bei VW? Eigentlich steht doch VW in dem schlechten Ruf, die Preise mit teuren Extras höher zu treiben.

Polo: Inspektion nach Bedarf

Durchzugsstarker Motor, hoher Fahrkomfort und gute Geräuschdämpfung: Der Polo ist unser Testsieger.

Teurer Polo hieß es bislang auch bei den Wartungskosten. Vorbei! Hier stimmt es nicht mehr. Während Fabia und Ibiza noch nach jeweils 15.000 Kilometern zur Inspektion fahren müssen, bittet VW den Polo nur nach Bedarf. Im Schnitt und nach Fahrweise alle 25.000 bis 30.000 Kilometer. Der Kunde spart Geld, wir belohnen es mit Punkten (siehe Wertungstabelle). Und plötzlich rangiert der vermeintlich teure Polo im Kosten-Kapitel vor dem angeblich so preiswerten Fabia. Klarer Fall von denkste. Schade um Skoda.

Denn abgesehen davon, steht der solide Fabia dem Polo wirklich in nichts nach. Es sind nur Nuancen, die die beiden Autos trennen. Anders beim gerade erst vorgestellten Ibiza: Er besitzt erkennbare Schwächen. Weniger Platz, unbequemere Sitze, vor allem eine sichtbar schlechtere Verarbeitung (schief eingebaute Lüfterklappen, ungleich breite Fugen, scharfe Kunststoffkanten im Innenraum, schwer schließende Heckklappe, Klappern auf schlechten Straßen). So schwimmt der Neuling den beiden Konzern-Brüdern deutlich hinterher.

Preise und Betriebskosten

Kleine Extras zum Aufpreis: Für 1050 Euro liefert Skoda eine Klimaanlage mit temperiertem Handschuhfach mit.

Technische Daten

Der Unterschied zwischen Skoda Fabia und VW Polo besteht, abgesehen vom Design, nur mehr in der Feinabstimmung von Ausstattung und Technik. Beide setzten sich aber hinsichtlich Komfort und Fahrsicherheit Maßstäbe in ihren Klassen. Dem Seat merkt man das Bemühen um einen günstigeren Preis an, die erwünschte Sportlichkeit dokumentiert sich hauptsächlich in einem lauteren Motorgeräusch und einem minimal agiler ausgelegten Fahrwerk.

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