Seat Leon Cup Racer (2017)

Seat Leon Cup Racer (2017): Fahrbericht

— 04.05.2017

Cupra für die Rennstrecke

Der Seat Leon Cup Racer ist ein echter Rennwagen mit 350 PS. AUTO BILD macht den Test: Wie viel Serientechnik steckt im Cup Racer?

Rennwagen und Straßenversion des Seat Leon Cupra teilen sich rund 70 Prozent der Bauteile.

Lautstark und tatendurstig meldet sich der Seat Leon Cup Racer zur Arbeit. Mit einer Mischung aus krawalligem Motorsound und dem Scheppern diverser Bleche, deren einzige Verkleidung aus einem dünnen, weißen Lacküberzug besteht, rollt der Cup Racer zum Ausgang der Boxenstraße. Damit es kein Blitzer-Ticket gibt, lässt sich das Tempo per Speed-Limiter auf 40, 50, 60, 80 oder 120 km/h begrenzen. Die gut vier Kilometer lange Rundstrecke bei Castellolí in der Nähe von Barcelona ist mit ihrem guten Dutzend Kurven relativ hügelig angelegt. Rennfahrer Jordi Gené prügelt den Cup Racer um die Kurven und knallt über den langen Schaltstock des sequenziellen Getriebes durch die Gänge.

Seat Leon Cupra Facelift (2017): Vorstellung

DSG oder sequenzielles Getriebe?

Der Innenraum des Rennwagens hat nichts mehr mit der Serienversion gemein.

Den Seat für Tourenwagen-Rennen gibt es alternativ auch mit einem sechsstufigen DSG-Getriebe – aber Gené ist lieber mit dem ebenfalls sechsgängigen sequenziellen Getriebe unterwegs. Das erleichtert den Wagen mit nun 1150 Kilogramm Gesamtgewicht um 40 Kilogramm gegenüber der DSG-Version. Die paar Kilo weniger machen den 4,36 Meter langen Renn-Leon noch einen Tick schneller und agiler. Die Gewichtsverteilung ist auf 60 Prozent Front und 40 Prozent Heck ausgelegt. Für eine bissige Verzögerung sorgen innenbelüftete Scheibenbremsen mit einem Durchmesser von 378 mm vorne und Scheibenbremsen mit 275 mm hinten. Über einen Drehknopf im Cockpit kann der Fahrer die Bremsbalance zwischen Vorder- und Hinterrädern einstellen. Das Lenkrad dient mit elf griffigen Knöpfen als Schaltzentrale: Funk, Frischluft, Speedlimit, Wischer und mehr.

40 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer

Der Zweiliter-Vierzylinder kommt auch im straßenzugelassenen Seat Leon Cupra zum Einsatz.

Der Motor kommt aus der Serienfertigung und ist praktisch der gleiche, der auch den "zivilen" Leon Cupra antreibt: vier Zylinder, 1984 ccm Hubraum, Direkteinspritzung, turbobeatmet. Während sich der Cupra allerdings mit 300 PS und einem maximalen Drehmoment von 380 Nm begnügen muss, legt die Rennversion nach dem Besuch im Seat-Sportstudio noch einmal 50 PS drauf und sorgt für ein Drehmoment von bis zu 420 Nm. Macht 3,28 Kilogramm, die ein PS zu bewegen hat. Das reicht dem Fronttriebler dann für eine Beschleunigung auf 100 km/h in 5,2 Sekunden und für eine mögliche Höchstgeschwindigkeit von 267 km/h. Der Serien-Cupra braucht für den Spurt 5,8 Sekunden und macht bei 250 km/h dicht. Der Durst des Rennmotors ist gewaltig: Umgerechnet zwischen 37 und 42 Liter Kraftstoff – mindestens Super Plus – setzen die vier Brennkammern pro 100 Kilometer in Vortrieb um. Entsprechend fasst der Tank 100 Liter.

Neue Seat (2017, 2018, 2019, 2020 und 2021)

Kundendienst wie im Supermarkt

Der "Basispreis" für einen Leon Cup Racer liegt bei 90.000 bis 115.000 Euro – je nachdem, ob mit DSG oder sequenziellem Getriebe. Im Schnitt soll der Renn-Kilometer acht Euro kosten. Mit im Preis: Komplettbetreuung. Die 220 Wagen sind rund um den Globus und übers Jahr bei etwa 230 Rennen in 21 Rennserien auf der TCR-Plattform unterwegs. In Bahrain, Monaco und Abu Dhabi gehören die TCR-Rennen zum Vorprogramm der Formel 1. Immer mit dabei: Service-Trucks von Seat oder lokalen Partnern. Der Kundendienst funktioniert wie ein Supermarkt: Fällt während des Rennens ein Teil an einem der Cup Racer aus – Ersatz aus dem Regal im Servicetruck besorgen, bezahlen, einbauen und weiterfahren. Die Rennteams selbst müssen keine umfangreichen Ersatzteillager mehr vorhalten.

Seat Leon Cup Racer (2017)

Autor: Jürgen Wolff

Stichworte:

Rennwagen

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