Fahrbericht Seat Leon Cupra

Seat Leon Cupra: Fahrbericht

— 13.02.2014

Erste Ausfahrt im feurigen Leon Cupra

Mit bis zu 280 PS lehrt der neue Seat Leon Cupra den sportlichen Konzernbrüdern das Fürchten. Wir haben die kompakte Rakete ausprobiert.

Gegen den Trend gewachsen, auf vielen Märkten im Plus, die Händler wieder profitabel und die Orderbücher voller Aufträge: Bei Seat haben sie endlich wieder Grund zum Lachen. Und weil der VW-Konzern zugleich ein bisschen die Leine lockert, erlauben sich die Spanier jetzt sogar ein wenig Unvernunft: Als Krönung für ihre viel gelobte Leon-Familie bringen sie deshalb Anfang März 2014 das Sportmodell Cupra in Stellung und stehlen damit den kompakten Kraftmeiern der anderen Marken gehörig die Schau. Nicht nur der Octavia RS der strebsamen Schwester Skoda verblasst gegen den feurigen Eintänzer aus Barcelona. Sondern vor allem der Golf GTI wirkt seltsam blass und blutleer, wenn man einmal seinen spanischen Vetter gefahren hat.

Gegen Aufpreis mobilisiert der Cupra 280 PS

Mit 265 PS aus zwei Litern Hubraum steht der Cupra gut im Futter, und es gibt noch Chiptuning ab Werk.

Kunststück, werden jetzt die VW-Fans sagen. Im Golf ist für den zwei Liter großen Turbo-Direkteinspritzer ja diesseits des R-Modells auch schon bei 230 PS Schluss, während Seat schon im Cupra-Basismodell mit 265 PS protzt und gegen 1300 Euro Aufpreis sogar einen Chip für 280 PS einsetzt. Das macht den neuen Cupra nicht allein zum stärksten Serien-Seat aller Zeiten. Mit einem Sprintwert von bestenfalls 5,6 Sekunden liefert er auch die beste Sprintzeit ab. Und würde bei 250 km/h nicht elektronisch der Anker geworfen, würde er als erster Seat in Serie auch mehr als 260 Sachen schaffen. Doch die Leidenschaft ist nicht nur eine Frage der Leistung. Sondern der Leon ist dem nur etwa 2000 Euro billigeren Dauerbrenner aus Wolfsburg auch in vielen anderen Disziplinen voraus: Er klingt kerniger, wenn man in den Sportmodus wechselt. Er wirkt leichtfüßiger, wenn man den gegenüber seinem Vorgänger um zwei Zentner abgespeckten Löwen flott durch die Kurven tanzen lässt. Und vor allem sieht er besser aus: Das Golf-Design mag für die Ewigkeit gemacht sein und auch in zwei Jahrzehnten noch klassisch-modern wirken. Doch während sich nach dem GTI nur Kenner umdrehen, ist der Leon ein Blickfang auf Rädern – selbst wenn sich die Kriegsbemalung des Cupra bis dato noch in engen Grenzen hält.

In Sachen Design gibt es noch eine Zugabe

Der Seat Leon Cupra bekommt seine Kraft überraschend gut auf die Straße und wirkt dabei kein bisschen verwegen.

Ein größerer Kühlergrill, ein paar neue Schwellerleisten, die 19-Zöller in den Radkästen und ein Windabweiser über der Heckscheibe – das ist alles, was die Spanier ihrem Star auf dem Weg ins Fitnessstudio mitgegeben haben. Wer mehr Show machen möchte, der muss auf den Sommer 2014 warten. Dann soll es spezielle Performance-Pakete mit zusätzlichem Zierrat geben. Die Musik zum feurigen Flamenco unter der Sonne des Südens spielt der bekannte TSI-Motor, der neben seinen 280 PS auch noch bis zu 350 Nm mobilisiert. Natürlich erreicht der Frontantrieb damit so langsam seine Grenzen. Nicht umsonst schließlich hat VW den nur 20 PS stärkeren Golf R mit Allrad entwickelt. Doch bekommt der Spanier seine Kraft überraschend gut auf die Straße und wirkt dabei kein bisschen verwegen. Klar flackert zwischendurch mal die ESP-Lampe, und beim Beschleunigen in engen Kehren scharrt er auch mal nervös mit den Hufen. Doch wer nur mutig genug auf dem Gas stehen bleibt, der schießt danach mit einer Verve davon, dass einem das Blut zu kochen und der Puls zu rasen beginnen – nicht umsonst hat die Drehmomentkurve eher ein Plateau als einen Gipfel und weist das Maximum auf dem gesamten Band zwischen 1750 und 5600 Touren aus.

Sicherer und schneller mag es mit Allradantrieb gehen. Aber mehr Spaß macht es mit dem Fronttriebler. Und wer, wenn nicht ein feuriger Spanier, darf dabei auch mal ein bisschen mit dem Hintern wackeln. Mit dem Gaspedal lenken und mit der Physik spielen – das macht hier den Reiz des Rasens aus. Dafür hat Entwicklungschef Matthias Rabe nicht nur den Motor getunt. Sondern seine Ingenieure haben auch das Fahrwerk um knapp drei Zentimeter tiefergelegt, die Lenkung neu programmiert und eine elektronische Vorderachssperre eingebaut. Sie leitet immer ein bisschen mehr Drehmoment ans kurvenäußere Vorderrad und bringt den Wagen so noch schneller um die Ecken: Wenn sie zupackt fühlt es sich an, als würde der ganze Vorderwagen förmlich in die Kurve gedrückt.

Auf Knopfdruck entspannt sich der ganze Wagen

Moderat: Wer im Cupra die Fahrstufe "Comfort" wählt, erlebt ein langstreckentaugliches Auto.

Spätestens dann versteht man auch, weshalb die Sitze höhere Seitenwangen haben und das Lenkrad ein bisschen griffiger ist. Denn dieses Auto muss man gut in der Hand haben, wenn man seinen Lockungen nachgibt. Aber bei aller Lust an der Leistung, erliegt Seat nicht vollends dem Charme der Unvernunft. Nur weil der Cupra ein Adrenalin-Bomber ist, darf der Alltag nicht auf der Strecke bleiben, sagen die Spanier und haben dem Sportler deshalb auch eine softe Seite anerzogen. Man muss dafür das Fahrprofil von "Cupra" auf "Comfort" ändern und merkt förmlich, wie die Anspannung aus dem Auto weicht: Die Bodenwellen schlagen nicht mehr ganz so heftig durch, aus dem lustvollen Dröhnen in den Endrohren wird ein zahmes Säuseln, man braucht zum Lenken nicht mehr so viel Kraft, und bei den Versionen mit Doppelkupplung fällt die Drehzahl mal eben um 700 Touren. Man braucht dann vielleicht ein bisschen länger, aber mit diesem Setup taugt der Cupra auch für die Langstrecke. Die Kombination aus Vernunft und Vergnügen, aus Leidenschaft und Alltagstauglichkeit, die ist es, die Seat-Chef Jürgen Stackmann mit dem Cupra perfektionieren möchte und deshalb nach Drei- und Fünftürer sogar mit einem Cupra Kombi liebäugelt. Denn kein anderer Seat zeige diese Symbiose besser als der neue Sportler, sagt der Chef und legt wieder sein zufriedenes Lachen auf.

Das rührt aber sicher nicht allein von den Testfahrten und von der Rückschau auf die guten Verkaufszahlen. Sondern das strahlt auch im Wissen dessen, was da nach dem Verkaufsstart des Cupra am 8. März 2014 so alles kommen mag. Denn auch wenn der Leon noch rund 8000 Euro billiger ist als der VW Golf R, kostet er eben auch 2000 Euro mehr als ein normaler GTI. Bei einem Grundpreis von 30.810 Euro für den dreitürigen SC sowie 500 Euro mehr für die fünftürige Version, dürfte deshalb auch die Aussicht auf den nächsten Kassensturz ein Lächeln über die Lippen des Seat-Chefs treiben.

Autor: Thomas Geiger

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