Seat Leon Cupra trifft VW Golf GTI

Seat Leon Cupra/VW Golf GTI: Vergleich

— 10.03.2014

Der Leon Cupra schlägt den Golf GTI

Jahrelang schleppte VW die kränkelnde Konzerntochter Seat durch. Und als Dank lassen die Spanier jetzt den Leon Cupra auf den GTI los.

Die Politesse am Flughafen in Barcelona sieht richtig nett aus, ist es aber nicht. Wild gestikulierend bedeutet sie uns, wir mögen uns verp..., na ja, unseren Standort verändern. Sofort. Und so streng, wie sie guckt, ist das kein Spaß. Dumm nur, dass wir verabredet sind. Unser weißer Golf GTI soll hier den neuen Seat Leon Cupra treffen. Also jenen spanischen Bruder, der dem GTI künftig die Leviten lesen will und sich nicht viel um dessen großen Namen kümmert.

Optisch schlägt der Leon Cupra den Rivalen deutlich

Video: Cupra vs. GTI

Cupra so gut wie nie!

Zum Glück erscheint der freche Cupra just in dem Moment, als Señora Gnadenlos mit gezücktem Strafzettel auf uns zustürmt. Und als der Seat die letzte Kurve zur Vorfahrt am Terminal nimmt, entspannt sich die Lage urplötzlich. Maria, die Politesse, verliebt sich spontan in den Cupra und vergisst ihren dienstlichen Auftrag. Am liebsten würde sie uns, also vor allem natürlich den Leon, jetzt gar nicht mehr weglassen. Doch das geht leider nicht, schließlich wollen wir die beiden Kompaktkracher noch ausführlich durch die Berge scheuchen. Schon sehr schnell können wir Maria verstehen. Der Cupra sieht wirklich gut aus, viel schärfer als der GTI. Wie er da so verwegen aus seinen LED-Scheinwerfern blinzelt, die üppigen 19-Zoll-Alus angriffslustig im Sonnenlicht blitzen und der opulente Heckspoiler respektlos den Hinterherfahrenden grüßt – beinahe möchte man "Olé!" rufen. Und ganz ehrlich: Im Serpentinengewirr rund ums Kloster Montserrat haben wir das dann tatsächlich auch gemacht. Ich "Olé!", der Fotograf auf dem Beifahrersitz "O weh!" – und ab dafür.

Dem Golf GTI merkt man seinen PS-Nachteil an

Etwas milder: Der Wolfsburger verbeißt er sich nicht so engagiert in den Asphalt wie sein spanischer Gegner.

Gnadenlos und auch ein wenig ungestüm zerren die 280 PS aus dem 2.0-Turbo den Cupra vorwärts. Den GTI mit gleichem Motor, aber 60 PS weniger lässt er beim Sprint klar hinter sich. Auch schnelle Kurven meistert der Leon dank mechanischer Sperre vorn, ohne zu zicken und mit atemberaubendem Tempo – großer Spaß für Adrenalin-Junkies, Folter für Menschen mit nervösem Magen. Der GTI, nur als Performance mit Differenzialsperre bewehrt, lässt in solchen Situationen den letzten Biss vermissen. Auch wenn der Wolfsburger kaum langsamer durch die Biegung schießt, verbeißt er sich nicht so engagiert in den Asphalt wie der Seat. Erst wirklich enge Kehren bringen den starken Leon an seine Grenzen. Die Tendenz zum Untersteuern bleibt zwar gering, beim Herausbeschleunigen werden die 280 PS an der Vorderachse aber zur echten Belastungsprobe. Immer wieder mal geht die Kraft in rauchenden Reifen auf – wie mag das wohl erst bei Nässe sein? Der Golf macht es uns an gleicher Stelle etwas leichter, weil sich die geringere Leistung besser dosieren lässt.

Leon also der harte Hund, der Golf die alltagstaugliche Fahrmaschine? Nee, so nun auch nicht. Denn der Cupra kommt immer mit adaptivem Fahrwerk, das uns die Wahl zwischen absolut bissfest (Modus Cupra) und noch recht kommod (Komfort) lässt. Auch wenn wir uns die Spreizung zwischen den Modi größer gewünscht hätten: Der Cupra  wird so zum familientauglichen Renner, der auch bei schlechter Straße nicht wehtut.

Der Aufpreis für die Mehrleistung ist gering

Überholvorgang an der Kassse? 60 zusätzliche PS kosten beim Seat nur erträgliche 495 Euro.

Die Abstimmung des GTI erweist sich ebenfalls als ausgewogen und frei von unnötiger Härte. Weil er serienmäßig aber ohne DCC vorfährt, fehlt ihm die Flexibilität des Leon. Beim Blick in die Preisliste dürfte selbst Maria der Bleistift abbrechen. Ein Leon für 33.810 Euro – klingt happig. Relativiert sich aber schnell wieder. Der Golf GTI startet als 220 PS starker Dreitürer mit DSG zwar bei 30.600 Euro, zum Cupra fehlen dann aber noch DCC (1000 Euro), 19-Zoll-Alus (1255 Euro) und Bluetooth-fähiges Radio (460 Euro). Macht unterm Strich 33.315 Euro. Oder gerade noch 495 Euro Aufpreis für den 60 PS stärkeren Cupra. Den Maria – na klar – nicht nur wegen der vielen Muskeln viel schärfer findet.

Technische Daten Seat Leon SC Cupra DSG Vierzylinder, Turbo, vorn quer • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 1984 cm³ • Leistung 206 kW (280 PS) bei 5700/min • max. Drehmoment 350 Nm bei 1750/min • Vorderradantrieb • Sechsgang-Doppelkupplunggetriebe • Leergewicht 1395 kg • 0–100 km/h in 5,7 s • Spitze 250 km/h • Reifen 225/35 R 19 • Länge/Breite/Höhe 4271/1816?1975/1434 mm • Verbrauch EU-Mix 6,4 l Super plus • CO2 149 g/km • Preis ab 33.810 Euro.

Technische Daten VW Golf GTI DSG: Vierzylinder, Turbo, vorn quer • 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 1984 cm³ • Leistung 162 kW (220 PS) bei 4500/min • max. Drehmoment 350 Nm bei 1500/min • Vorderradantrieb • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe • Leergewicht 1370 kg • 0–100 km/h in 6,5 s • Spitze 244 km/h • Reifen 225/45R 17 • Länge/Breite/Höhe 4268/1799?2027/1442 mm • Verbrauch EU-Mix 6,4 lSuper • CO2 148 g/km • Preis ab 30.600 Euro.

Autor: Gerald Czajka

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