Seat Leon: Fahrbericht

— 09.11.2012

So fährt sich der neue Leon

Die dritte Generation des Leon soll Seat wieder über die Gewinnschwelle hieven. Ob der heißblütige Golf-Bruder tatsächlich das Zeug dazu hat, klärt der erste Fahrbericht.



Mit dem Mut der Verzweifelten bringt die krisengeschüttelte VW-Tochter Seat Ende November 2012 die dritte Generation des Leon in den Handel und wirft dabei so ziemlich alles in die Waagschale, was die Spanier zu bieten haben: Ein leidenschaftliches Design, bewährte VW-Technik für mehr Komfort, Leistung und Effizienz und vor allem attraktive Preise sollen den heißblütigen Bruder des VW Golf wieder ins Bewusstsein der Kunden rücken und Seat so die Zukunft sichern. "Der Weg ist länger als wir uns das wünschen", räumt Markenchef James Muir ein. "Aber mit Produkten wie dem neuen Leon werden wir wieder über die Gewinnschwelle kommen", schürt er die Zuversicht.

Überblick: News und Tests zum Seat Leon

Video: Seat Leon

Erste Fahrt im neuen Seat Leon

Wie der Golf basiert auch der Leon auf dem Modularen Querbaukasten. Er hat deshalb bei leicht gekürztem Format einen sichtlich größeren Radstand und eine breitere Spur und bringt bis zu 90 Kilo weniger auf die Waage. Das merkt man natürlich auch beim Platzangebot und beim Verbrauch, aber vor allem merkt man es beim Fahren: Als tanze der Golf jetzt Flamenco mit uns, gibt der Leon den feurigen Heißsporn, der Sportlichkeit aber nicht mehr falsch mit reiner Härte übersetzt. Sondern er steht viel satter und stabiler auf der Straße, bleibt deshalb länger ruhig und gelassen und schneidet wenn's sein muss trotzdem ziemlich scharf durch die Kurven. Da tanzt man förmlich über die Landstraße und ist auf der Autobahn schnell schneller als die Polizei erlaubt. Dabei helfen ihm auch die unterschiedlichen Fahrprogramme, die auf Lenkung, Motorkennung und Getriebe wirken, aber gerne noch ein bisschen stärker gespreizt sein dürften.

Lesen Sie auch: Seat Leon Coupé auf dem Genfer Salon 2013

Video: VW Golf VII

Erste Fahrt im neuen Golf

Zwar nutzen Golf und Leon den gleichen Komponentensatz. Doch wo der Besteller aus Niedersachsen die konservative Konstante in der Kompaktklasse ist, gibt der Leon einmal mehr den Latin Lover. Muskulös, mit klarem Strich und starken Proportionen gezeichnet, steht er stolz, sportlich und stramm auf der Straße. Der Blick ist fest und fesch, die Kanten sind scharf und die Flächen glatt und klar: "Das Auto strotzt vor Selbstbewusstsein und sieht auf den ersten Blick sehr entschlossen aus", sagt Designchef Alejandro Mesonero und freut sich über die scharfe Tornadolinie genauso wie über die brillanten Scheinwerfer, die erstmals diesseits der Premiumwelt mit LED-Technik strahlen. Für den neuen Auftritt hat Seat nicht nur an der Form, sondern auch am Format gearbeitet. Das Auto ist mit 4,26 Metern etwa fünf Zentimeter kürzer als früher, hat aber sechs Zentimeter mehr Radstand. Entsprechend kurz und knackig sind die Überhänge. Trotzdem reicht es für einen Innenraum, der spürbar mehr Platz auf allen Plätzen bietet. Und der Kofferraum wächst um fast 40 auf 380 Liter.

Lesen Sie auch: Seat Leon Cupra R im Vergleich

Aber wichtiger als der Raumgewinn ist den Spaniern der noble Eindruck, den der Innenraum hinterlässt. "Da hatten wir deutlichen Nachholbedarf", räumt Entwicklungschef Matthias Rabe ein und schwärmt von einem Cockpit aus einem Guss, von hochwertigen Anzeigen und jeder Menge Zierrat auf den Konsolen. Ganz auf Golf-Niveau ist der Leon damit noch nicht, weil manche Materialien nicht so recht zueinander passen wollen, die mechanische Handbremse seltsam antiquiert wirkt und der Bildschirm des Navigationssystems so gar nichts mit Brillanz und Schärfe aktueller Smartphones gemein hat. Doch alle Bedienelemente liegen perfekt zur Hand, die Instrumente sind eine Augenweide und das Ambiente ist stimmig.

Seat Leon FR: Fahrbericht

Seat Leon FR 1.8 TSI Seat Leon FR 1.8 TSI Seat Leon FR 1.8 TSI
Während die Spanier am Zeichenbrett ihre eigene Linie gefunden haben, nutzen sie unter dem Blech die Vorzüge des Konzernverbundes. Das bedeutet bis zu 90 Kilogramm weniger Gewicht, bis zu 22 Prozent weniger Verbrauch und jede Menge neuer Infotainment- und Assistenzsysteme. So wacht die Elektronik auf Wunsch über die Einhaltung der Fahrspur und greift zur Not auch korrigierend ins Lenkrad, warnt den Fahrer, bevor er zu müde wird, zündet automatisch das Fernlicht und steigt bei einer drohenden Kollision selbständig in die Eisen.

Anders als der Golf startet der Leon gleich mit einer Vielzahl von Motoren: Es gibt vom Start weg drei Diesel mit 90 bis 150 PS und vier Benziner von 86 PS bis 140 PS. Damit sind Geschwindigkeiten von 178 bis 211 km/h möglich. Die Verbrauchswerte liegen zwischen 3,8 Litern Diesel (Co2-Ausstoß 99 g/km) und 5,2 Litern Benzin (119 g/km). Und damit ist es noch lange nicht genug: Für das nächste Jahr hat Seat neben einem Spardiesel mit 3,3 Litern Verbrauch für sportliche Fahrer einen 1,8-Liter-Turbo mit 180 PS sowie einen 2,0-Liter-Diesel mit 184 PS angekündigt. Außerdem stellen die Spanier eine Erdgasvariante sowie einen neuen Cupra mit mehr als 250 PS und Allradantrieb in Aussicht, den es dann auch für die zivilen Varianten geben wird.

VW GOLF VII: Erste Typberatung

VW Golf VII GTI VW Golf VII GTI VW Golf VII BlueMotion
Auch bei den Karosserievarianten setzt Seat auf eine neue Vielfalt: Schon im Frühjahr sollen dem Fünftürer deshalb ein noch sportlicherer Dreitürer und im Spätherbst erstmals bei Seat in dieser Klasse ein Kombi folgen. Und wenn alles läuft wie geplant, dann könnte sich das spanische Sorgenkind demnächst sogar ein paar richtig neue Modelle für neue Segmente gönnen, deutet Designchef Mesonero an: "Wir hier im Design sind so etwas wie die Traumfabrik von Seat und haben viele Ideen. Und je besser das Geschäft läuft, desto mehr können wir davon auch wahr machen."

Solide Golf-Technik in leidenschaftlicher Verpackung, kräftige Motoren und ein knackiges Fahrwerk – für Firmenchef James Muir ist der Leon das beste Auto, das Seat je gebaut hat. Doch allein auf die Überzeugungskraft des Produktes wollen die Spanier offenbar nicht setzen. Sondern zugleich polieren sie auch noch einmal am Preis: Mit 15.390 Euro ist der neue Leon deshalb sogar noch billiger als der Alte. Wenn das mal keine guten Vorzeichen sind.

Autor: Thomas Geiger

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Weitere interessante Artikel

Weitere interessante Videos

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Versicherungsvergleich

Zum Motorrad-Versicherungsvergleich

Neuwagen

NEUWAGEN zu Top-
Konditionen, mit voller
Herstellergarantie
und zu attraktiven
Zinsen finanziert.

Hier klicken zu den Top-Angeboten

Gebrauchtwagen

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige