Seat Tango

— 15.02.2002

Der Tango kommt

Die Aufforderung zum Tanz erfolgte auf der IAA. Mit der Studie Tango wollte Seat die Reaktionen des Publikums testen - und das war begeistert. Wir haben den Spider gefahren.

Seat-Studie: Tango, nicht Polka

Sie sind ungemein praktisch, doch bei Spöttern heißen sie nur Hacken-Porsche. Gemeint sind die zweirädrigen Einkaufswägelchen, mit denen Senioren und Hausfrauen ihre Einkäufe nach Hause transportieren. Gleich zwei davon fahren im Seat Tango mit. Gut versteckt unter lederbezogenen Deckeln in maßgeschneiderten Ablagen direkt hinter den Überrollbügeln. Wer den Tango deshalb für ein Rentner-Auto hält, liegt völlig verkehrt.

Das Gegenteil ist der Fall. Die Seat-Studie wirkt schon im Stand dynamischer als viele der so genannten Sportwagen. Dabei ist der Spider nur 3,69 Meter lang, also noch fünf Zentimeter kürzer als ein VW Polo. Und er reicht mir mit 1,18 Meter Höhe gerade mal bis zum Gürtel. Klingt nach Spielzeugauto. Doch auch das stimmt nicht.

Ex-Alfa-Designer Walter de Silva verpasste dem Auto eine Nase, die auch den nächsten Alfa Spider schmücken könnte, und gab ihm kurze Überhänge vorn wie hinten, dazu schwungvolle Kotflügel mit geradezu erotischen Rundungen. Dadurch sieht der winzige Spider erwachsen und kraftvoll aus. All das lässt Temperament erahnen und weckt Emotionen. Eben Tango, nicht Polka.

Neben feinen Linien stecken auch schlaue Ideen in der Aluminiumhülle. So Scheinwerfer, die beim Einlenken mitschwenken und in die Kurve hineinleuchten. Das gab es schon mal beim Citroën DS, hier nun in Verbindung mit Bi-Xenonlicht. Außerdem Nebellicht in LED-Technik, das als superschmales Leuchtband in der Zierleiste unter dem Kühlergrill steckt. Gleiche Technik finden wir auch am Heck - dort für Rückfahrscheinwerfer und Nebelschlussleuchte.

Viele verspielte Details

Zwischen den Rückleuchten versteckt sich eine Schublade. Darin befinden sich Etuis für Warndreieck, Verbandkasten, Werkzeug und eine Aktentasche. Solche verspielten Details sind typisch für De-Silva-Studien, dürften in der Serie aber kaum wieder auftauchen. Schade, denn alle Taschen sind aus dem gleichen feinen Leder gefertigt, mit dem auch Cockpit, Türverkleidungen und Sitze bezogen sind. Das hat Stil. Die Sitze selbst sind körpergerecht geformt und bieten unerwartet viel Komfort. Anders als bei normalen Autos steigt man in den Tango nicht ein, man schlüpft hinein wie in einen Schuh. Einmal drin, passt alles.

Nur lassen sich die Sitze nicht verschieben, weil die Gestelle in den Karosserieboden fest eingerastet sind - wie ein Handy in den Telefonhalter. Um meine Sitzposition zu finden, verschiebe ich mit Hilfe eines Elektromotors die gesamte Pedalerie. Knopfdruck reicht, die Pedale weichen zurück oder kommen mir entgegen. Dazu lässt sich das Lenkrad manuell in Höhe und Reichweite verstellen. Die drei großen Rundinstrumente (Tacho, Drehzahlmesser, Uhr) wandern dabei mit. So bleiben sie stets optimal im Blickfeld.

All das ist mit wenigen Handgriffen erledigt, und ich fühle mich inmitten der durchgestylten Alu-Knöpfe und -Hebel auf Anhieb heimisch. Lediglich der tiefe Windschutzscheibenrahmen stört etwas die Sicht nach vorn. Das erinnert an den legendären Porsche Speedster von James Dean.

Echtes Speedster-Feeling

Für Speedster-Feeling sorgt dann auch der 180-PS-Turbomotor aus dem León. Seat verspricht eine Spitze von rund 235 km/h. Für einen Spider völlig zweitrangig. Denn ohne Zweifel steht fest: Der Tango ist mehr als nur standesgemäß motorisiert. Anzug, Reaktion aufs Gas und Elastizität lassen ahnen, wie sich ein heißes Tänzchen mit dem Tango später mal anfühlen wird. Dabei unterstreicht das ebenfalls aus dem León stammende Sechsganggetriebe mit kurzer Abstimmung den sportlichen Charakter. Nur die Schaltwege sollten auch so extrem kurz sein wie beim Mazda MX-5.

Für das Fahrverhalten reicht ein Wort: knackig. Mit einem Minimal-Radstand von nur 2,20 Metern steppt der Tango unerhört leichtfüßig ums Eck. Die direkte Lenkung unterstützt das noch. ABS und ESP sorgen für souveräne Straßenlage. Auffällig verwindungsfrei wirkt schon jetzt die Karosserie. Das schafft Seat mit einem Rohrrahmen, der der verkürzten Ibiza-Plattform zusätzlich Festigkeit verleiht. So wird das auch bei Rallyeautos gemacht.

Beeindruckend: der Fahrkomfort zum jetzigen Entwicklungsstand. Obwohl die Tango-Studie weder Verdeck noch Windschott hat. Doch das wird sich ändern. Wenn der Vorstand grünes Licht gibt (und daran zweifelt bei Seat kaum einer), könnte der Tango zum Sommer 2004 antanzen. Mit Kapuze, aber ohne Hacken-Porsche.

Diesen Beitrag empfehlen

Artikel bewerten

Bewerte diesen Artikel

Fremde Bewertungen

Anzeige

Versicherungsvergleich

Neuwagen

NEUWAGEN zu Top-
Konditionen, mit voller
Herstellergarantie
und zu attraktiven
Zinsen finanziert.

Hier klicken zu den Top-Angeboten

Gebrauchtwagen

Günstige Gebrauchtwagen-Angebote

Finden Sie Ihren Gebrauchtwagen.

Gebrauchtwagen-Angebote
Anzeige