Sechs Diesel-Limousinen im Vergleich

Sechs Mittelklasse-Schlitten im Vergleich Sechs Mittelklasse-Schlitten im Vergleich

Sechs Diesel-Limousinen

— 22.12.2005

Welchen Schlitten soll ich nehmen?

Stille Nacht, eilige Nacht. Da ist Streß sicher und ein solider Schlitten Pflicht. Sechs Diesel-Limousinen bewerben sich: Ford Mondeo, Mazda6, Opel Vectra, Peugeot 407, Toyota Avensis und VW Passat.

Geräumig, günstig und schnell soll er sein

Liebe Kinder, Ihr müßt keine Angst haben. Zu Euch komme ich natürlich weiterhin mit dem Rentierschlitten – eben so wie es sich für einen rechtschaffenen Knecht Ruprecht gehört. Die Erwachsenen mit ihren ausgefallenen Wünschen besuche ich dann aber doch lieber mit einem modernen Gefährt, schließlich bin ich ja auch nicht mehr der Jüngste.

Eines, das groß genug ist, alle Geschenke einzuladen. Außerdem günstig in Anschaffung und Unterhalt. Und natürlich schnell, um rechtzeitig zu liefern. Ein ganz schön anspruchsvoller Wunschzettel, und ein langer obendrein. Sechs Mittelklasse-Limousinen mit den kleinsten lieferbaren Dieselmotoren habe ich als Weihnachts-Wagen mal in die engere Wahl gezogen. Also, bitte, AUTO BILD: Welchen Schlitten empfehlt ihr mir?

Bei Ford fährt der Mondeo mit 115 Diesel-PS vor – obwohl es darunter ja noch den 90-PS-TDCi gibt. Die stärkere Variante, die wohl ab Februar 2006 einen Partikelfilter bekommt, paßt aber besser zu den Konkurrenten in diesem Vergleich. Mazda empfiehlt den gerade gelifteten 6er mit 121 PS unter der Haube. Opel tritt mit dem 100 PS starken Vectra CDTI an, Peugeot offeriert den 407 HDi 110, der es tatsächlich auf 109 PS bringt. Alle drei übrigens serienmäßig mit Partikelbremse – da steht der weißen Weihnacht nichts mehr im Weg. Der Toyota Avensis geht als D-4D mit 116 PS ins Rennen. Bei VW steht der Passat TDI mit 105 PS im Angebot. Rußfänger bei diesen beiden allerdings Fehlanzeige – noch. Während die Japaner kurz nach dem Facelift im Sommer einen Rußstopper bringen (wohl ab September 2006) und dafür keinen Aufpreis verlangen wollen, rechnet VW schon im Frühjahr mit der Säuberungsaktion – will sie aber extra berechnen.

Ersatzradtrick beschert VW 80 Liter mehr

Überhaupt finde ich die gesamte Wolfsburger Preispolitik ganz schön dreist. 24.350 Euro verlangen die Niedersachsen für den Passat TDI. Dafür verdienen die VW-Verantwortlichen die Rute, schließlich kosten alle anderen ein paar hundert bis fast 2000 Euro weniger. Und bieten zum Teil auch noch die bessere Ausstattung. Dafür kann ich im VW ganz bequem noch vier Assistenten mitnehmen, ohne daß es auf den straffen Polstern ungemütlich zugeht. Nur der Seitenhalt kommt etwas kurz. Also übernehme ich lieber das Steuer und genieße das klare, funktionale Cockpit. Ist schon moderner als in meinem Schlitten ...

Als einziger startet der Passat übrigens per Druck auf den bartlosen Schlüssel, der in einem Schacht steckt. Der Vorteil erschließt sich mir ganz ehrlich nicht so recht. Ein Zündschlüssel zum Drehen ist nicht weniger komfortabel. Dafür hält VWs "Press & Drive"-System eine seltsame Überraschung bereit. Auch während der Fahrt kann der Schlüssel durch erneuten Druck aus dem Schloß genommen werden. Sollte hier nicht eine Sperre eingebaut sein – nur um alle Eventualitäten auszuschließen?!

Untadelig dagegen das großzügige Platzangebot, die saubere Verarbeitung und der gewaltige Kofferraum. Bei 565 Litern muß sich die Liebste nicht zwischen LCD-Fernseher und neuem Wintermantel entscheiden, hier geht locker beides mit. Ein Teil der Größe geht aber auf Kosten der üppigen Reserveradmulde, die ab Werk mitzählt und statt eines Ersatzreifens nur ein Reparaturset enthält. Wer lieber ein vollwertiges Ersatzrad an Bord weiß, muß 52 Euro extra zahlen und 80 Liter Kofferraum abziehen. Für das Upgrade vom Notrad zum Ersatzrad in Fahrbereifung verlangen Ford und Opel übrigens ebenfalls Aufpreis (jeweils 50 Euro). Bei den beiden Japanern gibt es dagegen nur die Behelfsbereifung, Peugeot vertraut auf fünf gleich große Räder.

Zu viele Knöpfchen im 407

Kaum habe ich im modern gestylten Franzosen Platz genommen, beruhigt mich der Bordcomputer mit einem "Ölstand okay". Nett, das erspart mir den Blick unter die Haube und das Fummeln mit dem Aufsteller, denn erstaunlicherweise verwöhnen nur Ford und VW mit einem Hydraulik-Dämpfer an der Motorklappe. Beim Mondeo entriegelt und öffnet die Haube zudem per Zündschlüssel – hinter der schwenkbaren Ford-Pflaume verbirgt sich ein Schloß.

Für den gehobenen Weihnachts-Dienst empfiehlt sich der 407 allerdings nur bedingt. Nicht nur, daß auf den ordentlichen Polstern am wenigsten Platz bleibt und mich die vielen kleinen Schalter in der Mittelkonsole (37!) verwirren. Auch der Kofferraum verfehlt mit 407 Litern wohl nicht nur meine Erwartungen. Seltsam, denn gleichzeitig stellen 525 Kilo Zuladung hier den Bestwert. Und als einziger kann der Peugeot auch die Fondbank (und nicht nur die Lehne, wie bei allen anderen) geteilt klappen. Wer will, kann sie sogar ausbauen, so auch einen kleinen Tannenbaum mitnehmen.

Ganz in Schwarz und sportlich-schick eingerichtet, empfängt mich der Mazda6. Und beruhigt als erstes mein Gewissen. Groß und gelb leuchtet "DPF" zwischen den Armaturen auf – im Klartext: weiße Weste dank Dieselpartikelfilter. Auch sonst weiß der Japaner zu gefallen. Bis auf die recht labberig wirkende Filzmatte im Kofferraum sind Verarbeitung und Materialien top. Die festen Sitze bieten in jeder Situation Halt, das Platzangebot gehört zum Besten im Test, 501 Liter Kofferraum fassen viele gute Gaben.

Vectra: Liebe auf den zweiten Blick

Der zweite Japaner verliert sich innen ebenfalls in Tastenvielfalt. Fast 40 Knöpfchen und Schalter regeln im Avensis Klima, Musik und Bordcomputer – wenigstens fallen sie größer aus als beim Peugeot. Wirklich winzig dagegen die Tasten auf der Fernbedienung für die ZV. Wer, wie ich, große Hände hat, tut sich da schwer.

Pluspunkte sammelt der Avensis für sein luftiges Platzangebot und die innen sorgfältige Verarbeitung. Meinen Unmut provozieren der Tankdeckel auf der Fahrerseite (wie Mazda; im Notfall stehe ich beim Nachfüllen im Verkehr), ungleiche Karosseriefugen und das nur einen Spalt breit öffnende Handschuhfach. Beim Transporttalent wurde aber nicht gespart. Mit 520 Litern läßt sich sogar eine Klasse höher noch gut mitspielen. Doch Geschirr oder andere empfindliche Geschenke wollen überlegt verstaut sein. Die riesigen Scharniere sind anders als im Passat unverkleidet, beim Schließen des Heckdeckels können sie zur Schrott-Presse werden.

Brav und aufgeräumt präsentiert sich der Vectra. Einer, den ich erst auf den zweiten Blick wahrnehme, dann aber freudig. Die klotzige Mittelkonsole des Rüsselsheimers hat zwar ein bißchen was von altdeutscher Schrankwand, Funktionalität und Verarbeitung gehen aber in Ordnung. Gleiches gilt für das Raumangebot auf den großen, bequemen Sitzen und im vernünftigen Kofferraum (500 l). Bei der Zuladung könnten es schon etwas mehr sein als die 470 Kilo, die bei AUTO BILD ausgewogen wurden. Schließlich steht auf meinen Wunschzetteln auch schon mal eine Ladung Ziegelsteine für den geplanten Anbau.

Überzeugender finde ich da schon die versenkbaren Kopfstützen, die sich beim Rückwärts-Rangieren als echter Segen erweisen. Das bietet sonst nur noch der Peugeot 407. Mit den auch hinten höhenverstellbaren Gurten steht der Vectra sogar allein da. Dafür lege ich den Opelanern gern ein paar Extra-Lebkuchen unter den Weihnachtsbaum.

Das Fahrverhalten stimmt bei allen

Ähnlich unscheinbar begegnet mir der Ford. Mit dem großen Monitor in der Mittelkonsole (DVD-Navigation für 3160 Euro) wirkt das Cockpit zwar klar, aber nicht sehr benutzerfreundlich. Es ist etwas unübersichtlich, und ich muß schon genau hinschauen, um mit meinen dicken Fingern nicht daneben zu tasten.

Bei der inneren Größe und beim Sitzkomfort ziehe ich dagegen meine Mütze. Hier entpuppt sich der Ford als grundsolider und fein gearbeiteter Mittelklässler. Umständlich finde ich aber die Entriegelung der Fondlehne vom Kofferraum aus (wie Konzernbruder Mazda). Gegen Geschenkeklau aus dem Gepäckabteil setzen die Mitstreiter auf abschließbare Lehnen – was ich für deutlich eleganter halte.

Einvernehmen herrscht dagegen bei der Sicherheit. Ohne ESP, Bremsassistent und wenigstens sechs Airbags wagt sich hier keiner auf die Straße. Toyota spendiert obendrein einen Knieairbag, Peugeot liefert zusätzlich Seitenairbags hinten und einen Lenksäulenairbag ohne Extrakosten. Bravo! Dieses Lob gilt auch für das Fahrverhalten, das mal etwas sportlicher (Mazda6, Vectra, Mondeo), mal etwas gemütlicher (Avensis, 407, Passat) ausfällt, aber nie Sorge um meine Gesundheit weckt.

Lebendig: Mazda, Toyota und Ford

Auch die Diesel-Motoren tun in keinem Fall weh, hier offenbaren sich aber doch hör- und spürbare Unterschiede. Den besten Eindruck hinterläßt der 121 PS starke Zwei-Liter des Mazda. Spurtstark, springlebendig, der pure Spaß – keiner spurtet schneller, niemand erreicht den Drehmomentberg von 320 Newtonmetern. Dazu die knackig-kurze Sechsgang-Box, fertig ist der sportlichspritzige Festwagen. Da verzeih' ich dem 6er auf meine alten Tage sogar die recht straffe Federung.

Dem Mazda ganz dicht auf den Fersen empfiehlt sich sein Landsmann Avensis als eiliger Botenwagen. 116 PS aus zwei Liter Hubraum reichen für starke Sprints und überzeugende Zwischenspurts, das Geräusch bleibt dennoch im Rahmen. Insgesamt tritt der Toyota nicht ganz so sportlich auf wie der Mazda. Die kurz geführte Schaltung hakelt hier und da ein wenig, die Federung spricht weicher an, verhaspelt sich aber auf dicht gedrängten Bodenwellen.

Lebendige 115 PS aus zwei Liter Hubraum serviert mir Ford. Ergebnis: nur minimal schwächere, aber immer noch sehr flotte Fahrleistungen. Einen Kraft-Mangel kann ich jedenfalls nicht erkennen. Auf der Autobahn bin ich mit 200 km/h sogar der schnellste von allen, die Schaltung rastet sauber. Und die insgesamt stramme Federung des Mondeo zeigt sich Querfugen gegenüber doch sehr schluckfreudig.

Gemütlicher: Peugeot, VW und Opel

Peugeot und VW fahren diesem Spitzentrio schon ein wenig hinterher, reichen für den gemütlichen Alltag aber völlig. Rund zwölf Sekunden bis Tempo 100, starker Durchzug schon bei niedrigen Drehzahlen und um die 190 km/h Spitze – kein Weihnachtswunsch kann so eilig sein, daß diese Leistung nicht reicht. Während der Franzose unsere Tour aber mit einem sanften Dieselknurren begleitet, klingt der Passat eher, als hätte ich meinen Sack mit Nüssen gefüllt. Kernig wäre die wohlwollende Beschreibung des Arbeitsgeräusches, nervig die treffende. Es wird Zeit, daß VW vom exklusiven Pumpe-Düse-Prinzip zu der bei allen anderen verbauten Common-Rail-Technik wechselt.

Denn ansonsten weiß der VW durchaus, sich zu benehmen. Er federt geschmeidig, erlaubt fast unbemerkte Gangwechsel, scheint beinahe einer höheren Fahrzeugklasse anzugehören. Im Peugeot muß ich mich jedenfalls mit einer etwas steifbeinigen Fahrwerksauslegung und recht langen Schaltwegen arrangieren.

Mit 100 PS am schwächsten, zuckelt der etwas hölzern federnde Vectra eher gemütlich hinterher. Während der Ampelstart wenigstens noch dynamische Grundbedürfnisse befriedigt, bleibt dem Opel beim Überholen die Luft weg. Hier heißt es, einmal öfter zur guten Schaltung greifen und dem 1,9-Liter-Motor richtig Drehzahl abzuverlangen. Dann kommt auch der Opel in die Hufe. Und schneller als mein Rentierschlitten läuft er allemal ...

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Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Ford Mondeo, Mazda6, Opel Vectra, Peugeot 407, Toyota Avensis und VW Passat. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

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