VW Golf GTI: Tuning-Vergleich

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Sechs getunte Golf GTI: Vergleich

— 28.10.2011

Doping fürs Volk

VW Golf GTI und Tuning? Eine Tradition, die genauso alt ist wie der kompakte Bestseller selbst. Sechs Generationen, sechs Epochen, sechs vollkommen unterschiedliche Charaktere – eine Zeitreise.

Oh ja, es waren unsichere Zeiten. Damals, Mitte der Siebziger, als der Golf GTI das Licht der Welt erblickte. Anfangs hatte Volkswagen noch gezögert, dem neuartigen Kürzel (Gran Turismo Injection) lediglich einen Einstand auf Bewährung eingeräumt. Eine Sonderserie sollte es werden, auf 5000 Exemplare limitiert. Weshalb? Weil der Mut für derart ausgefallene Nischenmodelle – so anfangs die einhellige Meinung zum geplanten "Über-Golf" – kaum größer war als VWs damaliges Stammkapital. Doch der GTI belehrte seine Schöpfer schnell eines Besseren. Er fand Käufer in fast allen Gesellschaftskreisen, arbeitete sich sogar bis zur Oberschicht vor. Der Urvater des Golf-Designs, Giorgetto Giu giaro, nahm ein Exemplar in seine Obhut, und selbst Stardirigent Herbert von Karajan stellte sich einen GTI zwischen sein opulentes Porsche-Spalier.

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Tuning ab Werk: Mit dem Edition 35 schreibt VW den GTI-Kult auch 2011 weiter fort.

Doch die eigentlichen Stückzahlen wurden woanders geschrieben. 110 PS bei 810 Kilogramm – diese Gleichung löste besonders in der Mittelschicht die entscheidenden Kaufreflexe aus. So rollten 1979 fast 32.000 Einheiten vom Band; so viel zum Thema Nischenmodell … Heute redet niemand mehr von Nische. Der GTI ist fester Bestandteil der automobilen Gegenwart, feiert gerade seinen 35. Geburtstag und wurde von seinen Erbauern hierzu auch mit einem eigenen Editionsmodell geehrt. Eine nette Geste, die vielerorts zwar als reines Marketingkalkül gescholten wird, letztlich aber doch eher so etwas wie eine Verbeugung vor dem GTI an sich sein soll. Wer einmal mit den Entwicklern des Edition 35 gesprochen hat, der weiß, dass in diesem Auto nicht die Betriebswirte Oberwasser hatten. Allein im unscheinbar modifizierten Frontstoßfänger steckt die Entwicklungsarbeit eines gesamten Jahres. Solche Anstrengungen unternimmt ein Hersteller nicht, nur um seine Bilanzen zu schwärzen. Nein, solche Anstrengungen unternimmt er, weil er eines begriffen hat: Der GTI ist Kult, Kult ist Tuning, und ein GTI-Kult ohne Tuning ist heute schlicht nicht mehr denkbar.

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Klein, weiß, stark: Abt spendierte dem ersten Golf GTI einen Breitbau und satte 163 PS.

Wobei jede Generation stilistisch von der jeweiligen Tuning-Epoche geprägt wurde. Vor diesem Hintergrund kann man heute der Firma Abt Sportsline eigentlich nur gratulieren, wie stilsicher sie einst am Kleid des Golf I GTI herumstrickte. Speziell die vier opulenten Radhausverbreiterungen (aus Stahl) wirken derart verschliffen und perfekt, dass man fast meinen konnte, VW hätte sie einst selbst im Zubehörkatalog gelistet. Natürlich hatte die Breitbau-Maßnahme auch einen tieferen Sinn, galt es doch, Platz für das komplett neu konstruierte Fahrwerk samt Ronal-Alus in 13 Zoll zu schaffen. Höhere Fahrwerksgüte hatte der Abt GTI schließlich ebenso dringend nötig wie seine 205er-Breitreifen. 163 PS und 230 Nm holte der Tuner aus dem 1.6er. Was heute nach gewöhnlichen Downsizing-Werten klingt, erforderte damals noch eine umfassende Operation am offenen Herzen: Härtere Kurbelwelle, neue Kolben, bearbeiteter Zylinderkopf, schärfere Nockenwelle und ein KKK-Abgasturbolader mit entsprechender Ladeluftkühlung wurden implantiert.

Wer nun vermutet, die Leistungssteigerung um fast 50 Prozent würde sich aufgrund der alten Turbotechnik in typischer Erst-nichts-dann-alles-Manier entfalten, irrt allerdings. Der etwas rauer laufende Vierzylinder kommt gut aus dem Drehzahlkeller, zieht schon ab 2000 Touren ordentlich an den Vorderrädern und läuft jenseits von 3500 schließlich zur Höchstform auf. Keine Leistungslöcher, kein Verschlucker, kein Abmagern. Die saubere Abstimmung birgt allerdings auch eine Gefahr: Man neigt dazu, die Kraft des Motors zu unterschätzen. Besonders in den unteren Gängen reißt der Winzling vehement an der servolosen Lenkung. Eine Unart, die bei sorglosen Einarm-Kurblern schnell in Richtung Botanik führen konnte. Mehr zum Golf 6 Tuning.

Alles Weitere zu den sechs Generationen getunter Golf GTI finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es in AUTO BILD SPORTSCARS 11/2011 oder als Download im Heftarchiv.
Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Vom kleinen Rüpel zum seriösen Kompaktsportler? Ja, so könnte man die Entwicklung des GTI treffend formulieren. Schließlich spiegeln auch die jeweiligen Tuning-Epochen dieses Bild wider. Die wildesten Experimente trieb man in den Achtzigern, der Golf III führte dagegen ein Dasein im Schatten des VR6. Generation IV und V kamen schließlich meist in den Genuss einer sehr stilvollen Veredelung.

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