Sechs Kompakte im Test

Der Neue im Golf-Club: Der Hyundai i30 und seine Konkurrenten Der Neue im Golf-Club: Der Hyundai i30 und seine Konkurrenten

Sechs Kompakte im Test

— 06.08.2007

Der Neue im Golf-Club

In der Kompakt-Klasse wird es immer enger. Nach den Japanern wollen jetzt auch die Koreaner mitmischen – mit europäischem Design, umfangreichen Garantien und günstigen Preisen. Jüngster Mitspieler: der Hyundai i30.

Wer Mitglied in einem Golf-Club ist, hat es geschafft. Hier treffen sich die Erfolgreichen. Oder zumindest die, die sich dafür halten. Einer hat es geschafft, dem ganzen Club seinen Namen zu geben: na, wer wohl? Der Golf natürlich. Seit 1974 haben Legionen von neuen Mitgliedern versucht, im Golf-Club gut auszusehen. Gerade Toyota probiert mit dem neuen Auris zurzeit so ernsthaft wie nie zuvor, den Golf vom Sockel zu stoßen. Trotz riesiger Plakataktion, mit bislang eher dürftigem Erfolg: 8500 Neuzulassungen im ersten Halbjahr, VW verkaufte im gleichen Zeitraum bei uns 100.000 Golf/Jetta. Eine Momentaufnahme – klar, der Auris wird seinen Weg sicher noch machen. Doch leicht wird es auch für ihn nicht. Denn nun machen auch noch die Koreaner Ernst. Nach dem erfolgreichen Kia cee'd startet der Konzernbruder Hyundai i30 – beide entwickelt und gebaut in Europa.

Hyundai i30: sauber, klar und durchaus mit eigener Note gezeichnet

Der i30: Vorne erinnert er an den Mazda3, hinten an den 1er BMW. Dennoch zeigt er eine eigene Linie.

Wer in den Golf-Club aufgenommen werden möchte, sollte gut gekleidet sein. Wie der Kia fährt auch der Hyundai in modernem Design vor. Das eine oder andere Detail kommt uns zwar irgendwie bekannt vor, die Front ähnelt dem Mazda3, das Heck verblüffend dem 1er BMW. Aber egal, alles ist sauber und klar und durchaus mit eigener Note gezeichnet. Mit seinem guten Platzangebot sortiert sich der i30 knapp hinter dem Golf ein, liegt gleichauf mit dem Kia und vor dem Toyota. Große Unterschiede sind das nicht, aber die beiden Koreaner haben vor allem im Fond einen Hauch mehr Platz als die anderen – besonders für lange Beine. Die Sitze vorn sind straff gepolstert und bieten guten Seitenhalt. Allerdings ist die Sitzposition ungewöhnlich hoch – man sitzt mehr drauf als drin. Im Kia cee'd (sprich Ssiihd) sitzt man tiefer, auch sind die Polster nicht ganz so straff – das ergibt eine gemütlichere, entspanntere Position.

Die beiden Konzernbrüder teilen sich ja die Technik, dürfen aber durchaus einen eigenen Stil pflegen. Instrumente und Mittelkonsole unterscheiden sich deutlich voneinander, funktionell sind beide aber tadellos. Also eine Geschmacksfrage. Aber beim Hyundai ist zum Beispiel hinten die Fensterlinie höhergezogen als im Kia – das ergibt ein anderes, geschlosseneres Raumgefühl. Aber kaum eine schlechtere Übersicht nach schräg hinten. Mit 4,42 Metern ist der Mazda3 in diesem Vergleich ungewöhnlich lang – im Platzangebot bringt ihm das jedoch keine Vorteile. Im Gegenteil, im Fond geht es vergleichsweise eng zu, zusammen mit dem Nissan bietet er hier weniger Platz als die anderen. Größere Leute sollten sich sorgfältig zusammenfalten, für Knie und Köpfe wird es knapp. Vorn gibt es dafür genügend Raum, allerdings bieten die zierlichen Sitze im Schulterbereich wenig Unterstützung. Und der Mazda hat ein sehr schönes Cockpit im Alfa-Stil, ähnlich wie dort glühen auch hier die Instrumente rot und feurig aus tiefen Röhren.

Mit seiner stämmigen Statur, der großen Bodenfreiheit (20 Zentimeter) und der hohen Gürtellinie fällt der Nissan Qashqai (sprich Kaschkai) auf wie ein austrainierter Profi unter Nachwuchs-Amateuren. Er möchte eine Mischung aus Kompaktauto und SUV sein – eine durchaus gelungene Kombination, wie die ersten Verkaufszahlen zeigen. Das sympathische Design setzt sich innen mit dem Cockpit fort. Vorn sitzt es sich ausgesprochen angenehm: bequeme Sitze, aufrechte und entspannte Position. Im Fond ist es dagegen weniger gemütlich. Angesichts von Größe und Form des Nissan überrascht das knappe Raumangebot.

Im Auris fühlt man sich wie in einem Van

Die hohe Sitzposition im Auris ähnelt der eines Vans.

Der Toyota Auris hat schon zweimal gegen den Golf gewonnen – mit Zweiliter-Diesel. "In einer anderen Kombination kann das anders aussehen", lautete damals unser Fazit im ersten Vergleich. Die bauchige Form des Auris lässt es ahnen, und tatsächlich ähnelt die hohe Sitzposition der eines Van. Das Platzangebot entspricht vorn etwa Kia und Mazda, nur im Golf geht es noch luftiger zu. Hinten liegt der Auris – als Einziger hier mit verstellbarer Lehnenneigung – etwa mit dem VW gleichauf, dort haben Hyundai und Kia aber eine Spur mehr Platz. Die Toyota-Sitze sind im Vergleich die kleinsten, vor allem die Auflage könnte länger sein. Eine Enttäuschung sei nicht verschwiegen: Wir haben schon besser verarbeitete Auris gesehen, unser Testwagen zum Beispiel verursachte etwa ab Tempo 100 an der Fahrertür Windgeräusche wie ein ICE am Bahnübergang. So, als sei das Fenster einen Spalt offen. War es aber nicht ...

Millionen VW Golf bevölkern unsere Straßen. Viele finden ihn deswegen langweilig, einige schätzen aber gerade dieses klassenlose Design fernab von modischer Effekthascherei. Tatsache ist: Der Golf steht souverän auf der Straße. Alles ist auch innen solide gebaut, aber eben nicht gerade aufregend. Der Golf hat nicht nur das insgesamt großzügigste Raumangebot, wenn auch nur mit kleinem Vorsprung, sondern auch mit Abstand die bequemsten Sitze. Straffe Polster, lange Auflage, hohe Lehne, gute Seitenführung. Auch Bedienung und Funktionalität sind einwandfrei.

Den Kurs absolviert jeder auf seine Art

Ein Golfer darf bis zu 14 Schläger mit auf den Platz nehmen, wir begnügen uns hier mit der Grundausstattung: Außer Mazda und VW treten alle mit ihren Basis-Benzinern an, alle fahren im Alltag problemlos und sicher (ESP Serie). Den  Kurs absolviert aber jeder auf seine Art. Bei Hyundai i30 und Kia cee'd bedeutet Basis: gleicher 1,4-Liter mit 109 PS. Der Motor läuft im i30 bis zu mittleren Touren leise, dann aber brummig und rau. Bei hohen Drehzahlen wirkt er wie zugeschnürt. Im Hyundai tritt er schlapper an als im Kia, von null bis 100 verliert er auf den Konzernbruder über eine Sekunde. Trotz gleicher Technik sind die beiden Fahrwerke unterschiedlich abgestimmt. Der i30 macht dabei die bessere Figur. Er führt sich handlicher und federt anständig – wenn auch nicht so geschmeidig wie Nissan, Toyota oder VW. Die Lenkung arbeitet präziser als im Kia, spricht jedoch träge an.

Der Mazda3 fährt stramm und sportlich. Entsprechend straff ist die Federung.

D
er cee'd liegt eine Spur unausgewogener, er rollt hölzerner ab, federt steifer und geht schwerfälliger um die Kurven als der i30. Die Lenkung wirkt teigig, der Motor jedoch läuft lebhafter. Besser kann das der drehfreudige 1,6-Liter mit 105 PS im Mazda3 Sport. Der ist bei den Sprints hier der Beste und zieht auch kräftig durch. Passend dazu die Abstimmung: Der Mazda3 fährt stramm und sportlich. Nicht schlimm, man sollte sich jedoch auf eine straffe Federung einstellen. Die Lenkung spricht eckig an, eine Mazda-Spezialität ist die direkte Schaltung mit ihren kurzen Schaltwegen. Der Nissan Qashqai federt sehr angenehm, rollt weich ab und neigt sich andererseits in schnellen Kurven nicht zu stark. Erstaunlich bei dem hohen Aufbau. Der 114-PS-1,6-Liter dreht ähnlich lebensfroh wie der Mazda und entwickelt seine Kraft gleichmäßig. Zum mühelos-leichtfüßigen Gesamteindruck trägt auch noch die direkte Lenkung bei.

Schwerpunkt beim Toyota war offensichtlich der Fahrkomfort: Der Auris bügelt gelassen auch üble Wegstrecken glatt. Nicht ganz so perfekt funktionieren die leicht verzögert reagierende Lenkung und die etwas sperrige Schaltung. Viele Punkte gibt es für die bissigen und standfesten Bremsen – eine Enttäuschung ist jedoch der schlaffe und schlappe 1,4-Liter mit 97 PS, der erstaunlich lustlos seiner Arbeit nachgeht. Auch der 1,6-Liter im VW ist nicht wirklich eine Offenbarung, hat mit seinen 102 PS aber die besseren Fahrleistungen. Maßstäbe setzt der Golf mit seinem Fahrverhalten: feinfühlige Lenkung, präzise Schaltung, ausgewogene Federung – da müssen die anderen Clubmitglieder noch ihr Handicap verbessern. Für Aufnahmegebühr und Jahresbeitrag in einem Golf-Club sind, so hört man, stattliche Summen fällig. Wer in unseren Club möchte, muss kein Großverdiener sein. Den Kia 1.4 EX gibt es schon für 16.870 Euro. Inklusive CD-Radio, elektrisch bedienbaren Spiegeln und Fenstern, Zentralverriegelung, Klimaanlage und mehr. Und auch mit den besten Garantien des Vergleichs: fünf Jahre und sogar sieben Jahre auf Motor und Antriebsstrang.

Der Hyundai i301.4 Comfort kostet 17.090 Euro. Der Testwagen steht auf 16-Zoll-Alus, für die wir 800 Euro dazugerechnet haben. Der Hyundai ist ähnlich fertig konfektioniert wie der Kia – eine Menge steckt drin, es gibt aber kaum einzelne Sonderausstattungen. Im Vergleich zum Kia fehlt ihm der Lichtsensor, und dazu gewährt Hyundai "nur" drei Jahre Garantie. Die gibt es auch beim Mazda3 Sport 1.6 Active für 19.500 Euro. Der Mazda fährt sogar mit Klimaautomatik und Metalliclack. Teuerster in diesem Vergleich ist der Qashqai 1.6 Acenta mit Vorderradantrieb und 17-Zoll-Alus für 21.490 Euro. Dafür hat er auch eine noch umfangreichere Ausstattung an Bord, unter anderem mit Tempomat, Klima-Automatik und Regensensor.

Mit einem Preis von 18.300 Euro sortiert sich der Toyota Auris 1.4 Sol im Mittelfeld ein. Erstaunlich sind hier die vergleichsweise knappen Garantien – grundsätzlich drei Jahre, aber nur drei Jahre Mobilität. Erfreulich aber die niedrigen Versicherungseinstufungen: Vollkasko 12, Haftpflicht 14. Da kann nicht mal der VW mithalten: Er ist mit VK 16 eingestuft. Der Golf 1.6 Comfortline steht als Fünftürer mit 19.850 Euro in der Liste – abgesehen vom Nissan der Teuerste. Aber preislich nicht so weit abgedriftet, wie vorher vielleicht erwartet – zumal auch die Comfortline-Ausstattung komplett ist. Beim Wiederverkauf sieht man dann, wie eng die Klasse zusammengerückt ist. Der Toyota hat die gleichen Chancen wie ein Golf, die anderen Asiaten folgen nur noch knapp dahinter. Noch jedenfalls.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke: Der VW Golf ist der Chef auf dem Platz.

Der VW Golf zeigt souverän, wer der Chef auf dem Platz ist. Bis auf die Bremsen hat er keine Schwächen. Mit Diesel lag der Toyota Auris noch vor dem VW, mit dem schlappen 1,4-Liter-Benziner gelingt ihm das nicht. Gleichauf der Kia cee'd – und das ist keine Überraschung mehr: Geräumig, gut ausgestattet und mit überragenden Garantien. Dahinter der Nissan Qashqai, auf sympathische Art anders, aber etwas zu eng. Der Hyundai i30 liegt deutlich hinter dem Kia – eine Enttäuschung ist er deshalb nicht. Im Gegenteil, genau wie der cee'd ist er ein erfreuliches Auto. Aber eben teurer als der Kia und ohne dessen tolle Garantien. Und auch mit dem knackigen Mazda3 kann man sich anfreunden, selbst wenn er das hohe Niveau der Besten nicht ganz hält.
DIE WERTUNG Punkte max. VW KIA TOYOTA NISSAN HYUNDAI MAZDA
KAROSSERIE
Platzangebot 30 26 25 24 20 25 20
Kofferraum/Variabilität 20 12 12 13 16 11 12
Zuladung (Anhängelast) 20 17 12 10 13 12 13
Sitze/Sitzposition 30 28 25 25 27 25 24
Raumgefühl/Rundumsicht 20 15 15 13 14 15 14
Ausstattung/Bedienbarkeit 30 24 26 25 25 26 25
Sicherheitsausstattung 30 19 22 22 23 21 19
Qualitätseindruck/Materialien 20 17 15 15 15 15 16
Zwischenergebnis 200 158 152 147 153 150 143
ANTRIEB/FAHRWERK
Motoreigenschaften 20 15 15 14 16 14 16
Beschleunigung/Vmax 30 18 18 16 18 15 19
Elastizität 20 13 9 9 12 9 13
Fahrverhalten 30 29 27 27 27 28 26
Fahrgeräusche 10 9 8 9 8 8 6
Fahrkomfort 20 17 15 17 17 16 16
Getriebe/Schaltung 20 18 15 17 18 15 17
Lenkung/Wendekreis 20 19 14 17 16 15 16
Bremsen 30 14 15 23 19 16 21
Zwischenergebnis 200 152 136 149 151 136 150
KOSTEN
Steuer/Versicherung 20 14 11 16 13 11 11
Verbrauch/Umwelt 40 35 36 35 35 36 35
Garantie 20 11 17 10 13 13 13
Wartung 20 16 13 13 17 14 14
Aufpreisgestaltung 10 8 4 5 5 4 5
Wiederverkauf* 10 9 8 9 8 8 7
Preis 80 50 65 58 42 60 52
Zwischenergebnis 200 143 154 146 133 146 137
Gesamtpunktzahl 600 453 442 442 437 432 430
Platzierung 1. 2. 2. 4. 5. 6.
Preis-Leistungs-Sieger ^
*ermittelt von Bähr & Fess Forecasts/Saarbrücken

Autor: Dirk Branke

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