Sechszylinder im Vergleich

Sechszylinder-Limousinen im Vergleich Sechszylinder-Limousinen im Vergleich

Sechszylinder im Vergleich

— 04.04.2002

In feiner Gesellschaft

Bei der Wahl nobler Mittelklasse-Limousinen liegen Mercedes, BMW und Audi bislang vorn. Der Jaguar X-Type 3.0 will jetzt mitmischen.

Der Jaguar für die noble Mittelklasse

Dass Jaguar in der Mittelklasse um die Gunst der Käufer buhlt, wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Schließlich leisteten sich die Briten jahrzehntelang das Privileg, ausschließlich Fahrzeuge der Oberklasse oder der oberen Mittelklasse anzubieten. Doch mit dem Debüt des X-Type wildert Jaguar seit 2001 im hart umkämpften Revier der noblen Mittelklasse. Und das teilten bislang Audi, BMW und Mercedes unter sich auf.

Mit welchem Argument Jaguar die Kundschaft in das britische Lager locken will, ist offensichtlich: schlichte Eleganz. Dem Jaguar-typischen Charme mit langer Haube, niedriger Gürtellinie und den charakteristischen Formen mit Doppelscheinwerfer, verchromtem Kühlergrill und nach hinten abfallendem Kofferraumdeckel dürfte so mancher Käufer erliegen. Keine Frage: Das große Design-Vorbild für den X-Type war die Oberklasselimousine XJ, dessen Noblesse auch auf das kleinere Modell ausstrahlen soll. Gäbe es für gelungenes Design Wertungspunkte, bekäme der X-Type also Bestnoten.

Doch im harten Testbetrieb zählen eben nur innere Werte, die es gegenüber der Konkurrenz zu beweisen gilt. Zum Vergleich haben wir den Jaguar X-Type 3.0, Audi A4 3.0 multitronic, BMW 330iA und den Mercedes C 320 gebeten. Allesamt mit starken Sechszylindern, einer Leistung zwischen 218 und 231 PS sowie Automatikgetriebe. Dass es diese Limousinen nicht zum Schleuderpreis gibt, verwundert daher nicht. So reicht die Preisspanne von 34.750 (Audi) bis 38.628 Euro (Mercedes), BMW und Jaguar liegen mit 36.200 und 36.800 Euro genau dazwischen. Wer macht am Ende das Rennen?

Karosserie (maximal 100 Punkte)



Die respektable Erscheinung des Jaguar resultiert nicht nur aus seinem gelungenen Design, sondern auch aus schierer Größe. Mit 4,67 Meter Länge überragt er die Konkurrenten deutlich, den BMW um 20 Zentimeter. Zudem ist er ein paar Millimeter höher und breiter als die Mitbewerber. Umso enttäuschender, dass davon im Innenraum nichts zu spüren ist. Der Jaguar fällt sogar deutlich enger aus als das deutsche Trio. Seine breite Mittelkonsole schmälert das Raumgefühl vorn nachhaltig, und hinten mangelt es an Kopf- und Beinfreiheit. Das spricht nicht für eine gute Raumausnutzung. Zumal der X-Type als Einziger seinen Motor Platz sparend quer eingebaut hat.

Platzriesen sind Audis A4 und BMWs Dreier zwar ebenfalls nicht. Dennoch sitzt man in deren zweiter Reihe auf langen Strecken eindeutig besser. Noch kommoder sitzt man nur im Mercedes, der das entscheidende Quäntchen mehr Platz bietet. Mit 455 Liter Fassungsvermögen besitzt der Stuttgarter den größten Kofferraum, dicht gefolgt vom Jaguar mit 452 Litern. Der X-Type kann damit mehr Gepäck befördern als alle anderen Jaguar-Modelle. Leider ist der Ladeboden nicht ganz eben, man muss sich mit einer kleinen Stufe arrangieren. Etwas kleiner, aber ebenfalls alltagstauglich: die Gepäckabteile von BMW und Audi. Letzteres gefällt vor allem durch seine gut nutzbare Kastenform. Alle vier Gepäckräume lassen sich erweitern, wenn auch nur gegen Aufpreis. Dann sind auch sperrige Gegenstände zu transportieren.

Die immer komplexer werdenden Funktionen erfordern gerade bei gehobeneren Fahrzeugen mit viel Ausstattung durchdachte Bediensysteme. Audi, BMW und Mercedes vertrauen dabei auf Bewährtes, gegen Aufpreis mit bildschirmgesteuerten Menüs für Navigation, Audioanlage, Bordcomputer oder Telefon. Bedient wird dabei mit konventionellen Knöpfen und Tasten. Jaguar geht hier einen Schritt weiter. Wird das Navigationssystem für 2560 Euro geordert, ist auch ein Farbbildschirm mit Touch-Screen-Funktion an Bord. Einfach den entsprechenden Menüpunkt antippen - fertig. Aber auch in den drei Kontrahenten kennt man sich schnell aus. Einzig die zahlreichen Unterfunktionen des C-Klasse-Bordcomputers verwirren anfangs. Unsere Wertung: Audi 85, BMW 84, Jaguar 80, Mercedes 86 Punkte.

Antrieb (maximal 100 Punkte)

An Leistung mangelt es keiner der vier Limousinen. Auf jeweils 231 PS bringen es die Sechszylinder von Jaguar und BMW, der Audi leistet 220 PS, der Mercedes 218 PS. Die Besonderheiten des Schwaben: Zwar hat der C 320 die geringste Leistung im Vergleich, doch schöpft er seine Kraft aus 3,2 Liter Hubraum. Im Gegensatz zur Konkurrenz, die mit Dreiliter-Triebwerken antritt. Außerdem muss das C-Klasse-Aggregat als einziges ohne eine variable Nockenwellenverstellung auskommen und mit nur drei statt vier Ventilen je Zylinder.

Da es den Mercedes-Motor nur in Verbindung mit einer Fünfstufen-Automatik gibt, baten wir auch die anderen Kandidaten mit Schaltautomaten zum Vergleich. Jaguar will dafür 2030 Euro extra sehen, BMW nimmt 2000 Euro und Audi verlangt für die stufenlose multitronic 2050 Euro. Ein herkömmliches Automatikgetriebe steht für den Audi A4 nur in Kombination mit quattro-Antrieb zur Verfügung.

Doch schon die multitronic überzeugt. Anders als bei herkömmlichen Getrieben erfolgt die Kraftübertragung nicht über Zahnräder, sondern über die sogenannte Laschenkette. Diese läuft auf zwei variabel verschiebbaren Kegelscheiben, die letztlich für die stufenlose Übersetzung sorgen. Und: Anstelle eines Kraft schluckenden Drehmomentwandlers besitzt Audis multitronic zwei ölgekühlte, elektronisch geregelte Lamellenkupplungen. Die Vorteile der multitronic gegenüber einer Automatik liegen in einem höheren Wirkungsgrad, minimal besseren Beschleunigungswerten und geringerem Verbrauch.

Um so auffälliger hebt sich der Audi auch beim Fahren ab und reagiert spontaner auf Gasbefehle. Ungewohnt für die Insassen ist sein Verhalten beim Beschleunigen. Einmal in Fahrt, bleibt der Drehzahlmesser wie fest gemeißelt in der stets optimalen Drehzahlregion des Motors stehen, während der Audi ruckfrei und kontinuierlich immer weiter beschleunigt. Wer mag, kann auf sechs festprogrammierte Schaltstufen zurückgreifen, die via Tastendruck vom Lenkrad aus (110 Euro extra) bedient werden. Unsere Wertung: Audi 88, BMW 90, Jaguar 83, Mercedes 86 Punkte.

Beschleunigung und Verbrauch

Eine manuelle Tippfunktion gibt es beim Jaguar leider nicht. Bei ihm muss, anders als in der separaten Schaltgasse von BMW und Mercedes, der Wählhebel durch die hufeisenförmige Schaltkulisse bewegt werden. Man braucht diese Funktion aber nicht zwingend. Im Kick-down-Modus unter Volllast agiert die Jaguar-Automatik manchmal ungehobelt und ruppig. Geschmeidig-sanft und auf Verlangen spontan geben sich BMW und Mercedes.

Gemeinsames bei den Motoren: Sie bestechen alle durch hohe Laufkultur. Obwohl im Jaguar bei hohen Drehzahlen deutliche Brumm-Frequenzen wahrnehmbar sind, glänzt er ebenfalls mit samtweichem Sound. Überragend ist der laufruhige und kräftige Reihensechszylinder im 330iA. Mit seinem sportlich-sonoren Klang, betört er wohltuend die Gehörgänge.

Trotzdem kann der BMW den Beschleunigungssprint nicht für sich entscheiden, den gewinnt hauchdünn der Audi. In nur 7,6 Sekunden stürmt sein V6 von null auf 100 km/h und verweist den nur zwei Zehntel langsameren 330iA auf Platz zwei. Exakt acht Sekunden braucht der Mercedes, 8,6 Sekunden benötigt der Jaguar.

Anders verteilt sich die Platzierung beim Verbrauch. Hier liegt der Münchener vorn. In Anbetracht der hohen Fahrleistungen aller Kandidaten sind die elf Liter des BMW noch gesittet. Knapp einen halben Liter mehr genehmigte sich der Ingolstädter. Der Stuttgarter forderte für die gleiche Distanz 12,2 Liter. Der Brite trank mit durchschnittlich 12,8 Litern am meisten. Manko bei Audi und BMW: Im Gegensatz zu X-Type und C 320, verlangen beide gleich nach teurem Super Plus.

Fahreigenschaften (max.100 Punkte)

Bei Nässe oder auf verschneiter Fahrbahn verschafft sich der Jaguar den Traktionsvorteil seines Allradkonzepts. Das insgesamt agilste Fahrverhalten legt jedoch der BMW an den Tag. Dafür sorgt neben einem straffen Fahrwerk auch die präzise Lenkung.

Nicht minder sportlich und im Handling nur minimal unterlegen, ist der Audi dem BMW dicht auf den Fersen. Etwas behäbiger benimmt sich der Mercedes, er kann dem sportlichem Duo nicht ganz folgen. Vor allem seine im Vergleich zu Audi und BMW etwas träger ansprechende Lenkung und die stärkeren Karosseriebewegungen bei schnellen Richtungswechseln hemmen ihn an der flotten Gangart.

Der Jaguar bevorzugt das gemächliche Reisen und fällt in diesem Kapitel ebenfalls zurück. Er fährt sich im Verhältnis schwerfälliger, und seine Lenkung vermittelt wenig Fahrbahnkontakt. Auch ist der X-Type der Einzige, der sich das dynamische Stabilitätsprogramm, bei Jaguar DSC genannt, mit 730 Euro extra bezahlen lässt.

Dass es besser geht, beweisen die drei Deutschen mit serienmäßigem ESP. Dennoch gilt für das Fahrverhalten aller Kandidaten: Im Grenzbereich problemlos untersteuernd und sicher. Unsere Wertung:Audi 89, BMW 90, Jaguar 84, Mercedes 88 Punkte.

Fahrkomfort (max.100 Punkte)



Im Premiumsegment der Mittelklasse ist auch der Fahrkomfort ein entscheidendes Kaufargument. Eine geschmeidig ansprechende Federung ist genauso wichtig wie eine umfangreiche Serienausstattung. Dabei werden bei unseren vier Konkurrenten zwei verschiedene Philosophien deutlich. Audi und BMW verfolgen eine eher sportlich orientierte Zielrichtung, Jaguar und Mercedes haben eindeutig die komfortbewusste Klientel im Visier.

Beim Überfahren von Unebenheiten wird dies besonders deutlich. Die C-Klasse federt extrem harmonisch, der Jaguar rollt wie auf Samtpfoten ab. Haken: Die Vorderachse des noblen Briten neigt zum Poltern. Damit müssen Audi- und BMW-Fahrer nicht leben, dafür aber mit einer strafferen Federungsabstimmung. Besonders der Dreier zeigt seit seinem Facelift in diesem Punkt Defizite und bildet beim Thema Fahrkomfort das Schlusslicht.

Auch bei der Serienausstattung kommen BMW und Audi nicht an die umfangreich ausgerüsteten Modelle von Jaguar und Mercedes heran. Zwar sind sie auch preiswerter, dennoch sollten in dieser Preisklasse manche Extras selbstverständlich sein. Eine Klimaautomatik kostet bei BMW extra (500 Euro, Klima Serie), ebenso ein Multifunktionslenkrad (370 Euro). Audi verlangt selbst für den sonst obligatorischen Bordcomputer zusätzlich Bares (260 Euro).

In Luxus schwelgen dagegen Fahrer des Jaguar X-Type mit Executive-Ausstattung. Lederpolster, Tempomat, Alarm- und Radioanlage sind Standard. Auch Mercedes zeigt sich nicht gerade kleinlich, sieht man von den fehlenden Leichtmetallfelgen ab. Die Highlights: Tempomat mit Speedtronic, teil-elektrische Sitzverstellung und Lichtsensor. Auf langen Strecken sind die Sitze des Audi erste Wahl. Überzeugend sind vor allem ihre straffe Polsterung und der gute Seitenhalt. Das Jaguar-Gestühl ist zwar sehr bequem und großzügig dimensioniert, dafür mangelt es an Seitenhalt in der Kurve. Und: Sein an sich laufruhiger Motor ist bei hohen Drehzahlen laut. Unsere Wertung: Audi 86, BMW 84, Jaguar 87, Mercedes 91 Punkte.

Sicherheit (max.100 Punkte)

Die drei Germanen liegen bei der Sicherheitsausstattung ab Werk liegen vorn. Denn neben ESP, vier Airbags für Fahrer und Beifahrer gehören auch Kopfairbags zum serienmäßigen Lieferumfang. Gegen Aufpreis lassen sich Seitenairbags im Fond ordern. Der Jaguar erfüllt zwar den Klassenstandard, Sidebags für die Insassen der zweiten Reihe sind jedoch nicht verfügbar.

Auch bei Audi A4 und BMW Dreier-Reihe hagelt es Kritik: Nur ein Beckengurt für die Fondmitte ist schon lange nicht mehr zeitgemäß. Einen vernünftigen Dreipunktgurt nebst dazugehöriger Kopfstütze gibt es bei beiden nur gegen Zuzahlung. BMW verlangt 70 Euro, Audi sogar unverschämte 110 Euro extra.

Viel besser: Mercedes. Der C 320 schneidet in diesem Kapitel am besten ab und gewinnt souverän. Nicht nur weil sein serienmäßiges Equipment absolut lückenlos ist, sondern ebenfalls wegen seiner hervorragenden Bremsen: In nur 36,8 Metern verzögert er aus Tempo 100 bis zum Stillstand. Ein sehr guter Wert.

Somit verweist der C 320 die Konkurrenz auf die Plätze, obwohl die mit ebenfalls kräftigen Bremsen sich durchaus keine Blöße geben: Der BMW braucht exakt 38,0 Meter, dicht gefolgt vom Jaguar mit 38,3 Metern und Audi mit immer noch guten 39,0 Metern. Unsere Wertung: Audi 85, BMW 87, Jaguar 86, Mercedes 92 Punkte.

Wirtschaftlichkeit (max.100 Punkte)

Der Jaguar kostet in der noblen Executive-Version samt Lederausstattung 36.800 Euro. Kurze Wartungsintervalle und die höchsten Unterhaltskosten bei gleichzeitig größtem Wertverlust gehen nochmals kräftig an die Geldbörse und werfen ihn auf den letzten Rang zurück.

Teuer ist auch der Mercedes C 320 Classic mit einem Einstiegspreis von 38.628 Euro. Sein Wertverlust liegt mit 6137 Euro auf gleich schlechtem Niveau wie beim X-Type. Die Versicherungs-Einstufungen fallen für den Stuttgarter jedoch vorteilhafter aus, deshalb kann er sich noch auf den dritten Platz retten.

Mit 36.200 Euro ist der BMW 330iA günstig. Dafür ist die Ausstattung des Müncheners recht mager. In Unterhalt und Wertverlust besser als Jaguar und Mercedes, schiebt er sich auf Position zwei. Allein auf weiter Flur steht der kostengünstige Audi. Er gewinnt das Kapitel Wirtschaftlichkeit. Der vergleichsweise geringe Preis von 34.750 Euro spricht ebenfalls für ihn. Einzig das teurere Super Plus wirft einen Schatten auf die Bayern. Unsere Wertung: Audi 81, BMW 78, Jaguar 73, Mercedes 75 Punkte.

Fazit In der Summe aller Eigenschaften gewinnt der Mercedes C 320 diesen Vergleichstest. Das Allroundtalent leistet sich wirkliche Schwächen nur beim Preis und Wiederverkauf. Mit wenigen Punkten Abstand folgen Audi und BMW. Die sportlich ausgelegten Modelle A4 3.0 und 330iA zeigen in puncto Platzangebot und Fahrkomfort leichte Defizite. Der noble Jaguar X-Type besticht durch seine elegante Form, fährt aber dem deutschen Trio hinterher.

Ergebnis: 1. Mercedes C 320, 518 Punkte; 2. Audi A4 3.0, 514 Punkte; 3. BMW 330iA, 513 Punkte; 4. Jaguar X-Type 3.0, 493 Punkte

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